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Ameisen

Ameisenumsiedlung auf die Sophienhöhe

28.04.2017

In den letzten Jahren wurden mehr als 100 Ameisennester der kleinen Waldameise (Formica polyctena) aus dem Vorfeld des Tagebaus Hambach auf die Sophienhöhe umgesiedelt. Auch dieses Jahr werden wieder mindestens zehn Ameisenstaaten umziehen.

Federführend bei diesen Aktionen ist Günter Rosenland aus dem Forstbereich der Rekultivierungsabteilung von RWE, der sich seit Jahren mit der erfolgreichen Umsiedlung von Ameisen beschäftigt. Langjährige Beobachtungen der Nester auf der Sophienhöhe zeigen, dass die umgesiedelten Tiere nachhaltig in der Rekultivierung verbleiben und sich weiter ausbreiten sowie vermehren. Auf diese Weise können die Ameisen ihre wichtigen ökologischen Funktionen im Waldökosystem der Sophienhöhe übernehmen, denn sie verbessern die Bodenstruktur, verbreiten Samen, fressen Forstschädlinge oder dienen als Nahrungsquelle für andere Tiere.

In Deutschland gibt es ca. 23 Waldameisenarten. Die kleine Waldameise steht auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten in NRW und lebt in Wäldern, an Waldrändern oder in Hecken. Vor allem sonnige Standorte werden bevorzugt, um das Nest auf einer geeigneten Temperatur zu halten. Die Ameisen ernähren sich von Honigtau, Nektar und Insekten. Sie leben in ihren Nestern als eine Art Staat zusammen. Die Königin legt dabei die Eier, während die geschlechtsinaktiven Arbeiterinnen zuständig für den Nestbau, die Nahrungsbeschaffung, das Füttern der Königinnen und die Aufzucht von Larven sind. Die Männchen hingegen haben nur die Funktion der Vermehrung und sterben nach der Begattung. Bei der kleinen Waldameise können mehrere Hundert Königinnen pro Nest vorhanden sein.

Oberirdisch besteht das Armeisennest dieser Waldameisenart aus Nadeln oder Blättern, im inneren befinden sich schon teils zersetzte Holzstücke und Äste, im Untergrund bildet oft ein Baumstumpf die Basis. Unter der Deckschicht befindet sich eine lockere Zwischenschicht mit Kammern. Der eigentliche Kern des Nestes sitzt in der Erde. Dort befindet sich die Königinnenkammern, Eier, Larven und Puppen.

Der Ablauf einer Umsiedlung

Der Wald wird nach Ameisennestern durchsucht.

Findet man ein Nest, wird geprüft, ob es sich um ein aktives Nest handelt, indem man es seitlich aufgräbt und auf das Erscheinen von Ameisen wartet.

Um möglichst wenig Tiere zu verletzen, muss immer sehr vorsichtig vorgegangen werden. Schicht für Schicht wird das Nest nun abgetragen. Zunächst die obere Deckschicht aus Nadeln.

Alle Materialien werden vorsichtig getrennt. Holzbestandteile sowie Äste und Baumstrunke werden separiert - sie bilden später die Basis des neuen Nests.

Die verschiedenen Baummaterialien werden in getrennten Behältern gesammelt.

Die Königinnen - zum Teil an den Flügeln erkennbar, zum Teil einfach größer - werden einzeln per Hand gesucht und in einem Glas gesammelt, damit diese sich im Umsiedlungsprozess nicht verletzen oder gar verloren gehen.

Am neuen Standort wird ein Loch ausgehoben, in dem ein präparierter Baumstrunk mit eingesägten Kerben eingesetzt wird. Manchmal können auch die Baumstrünke der alten Nester transportiert und wieder verwendet werden.

Um den Baumstumpf herum werden die groben Bestandteile, also Holzstücke und Äste, verteilt. Lücken und Zwischenräume werden mit Fichtenreisig ausgestopft, damit Hohlräume entstehen, in denen die Tiere vor der Auflast des Materials geschützt sind.

Etwas Honig wird in die Mitte des Nests gegeben, um die Ameisen direkt mit Nahrung zu versorgen.

Aus dem feinen Nadelmaterial wird das Nest zu einem Hügel geformt.

Zum Schluss wird das Nadelmaterial nochmals kreisförmig um das Nest verteilt. Somit entsteht eine Form die an eine Art "Spiegelei" erinnert. Jetzt werden die Königinnen ausgesetzt, da diese sich im Bereich zwischen dem Hügel und der Fläche herum im Untergrund einnisten.

Text: Alexandra Scharpe und Stephanie Scheffler
Fotos: Klaus Görgen