FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Die Gelbbauchunke zählt mit etwa 5 cm Körpergröße zu den kleinsten heimischen Froschlurchen. Ihre Oberseite ist lehm- bzw. schlammfarben und warzig, die hellgelb bis orange gefärbte Bauchseite weist ein variables Muster mit dunklen Flecken auf (individuelles Erkennungsmerkmal). Charakteristisch sind die abgerundete Schnauze sowie die stark hervortretenden Augen mit herzförmigen Pupillen.
Durch ihre Hautgifte ist die Gelbbauchunke für Fressfeinde ungenießbar, was sie mit ihrer leuchtend-gelb-schwarzen Unterseite signalisiert. Fühlen sich die Tiere angegriffen, recken sie die Vorder- und Hinterbeine nach oben, so dass die auffällig gefärbte Unterseite zur Geltung kommt.

Gelbbauchunke:

Charakteristisch für die Gruppe der Unken sind die herzförmig geformten Pupillen. Die eintönig gefärbte Oberseite verrät noch nichts über die farbenfrohe Bauchseite.

Lebensraum

Die Gelbbauchunke ist ursprünglich eine Art der Flußauen. Sie besiedelt die im Zuge der Auendynamik entstandenen, vegetationsarmen und zumeist temporären Kleingewässer. Ihre langsam schwimmenden Larven (Quappen) sind auf derartige Gewässer angewiesen, da diese in der Regel frei von Fischen, Libellenlarven und anderen Fressfeinden sind. Meist sind die Laichgewässer voll besonnt, was zu einer raschen Entwicklung der Larven führt. Das Risiko des Verlustes ihrer Nachkommen durch das Austrocknen eines Gewässers vor der Metamorphose der Quappen minimiert die Gelbbauchunke, indem sie ihre etwa 120-170 Eier auf verschiedene Gewässer (etwa 20 Eier pro Gewässer) verteilt. Der Gelbbauchunke reichen zum Arterhalt nur wenige Nachkommen pro Jahr, da sie bis zu 20 Jahre alt werden kann.
Ausgehend von den Flußauen hat die Gelbbauchunke in der historischen Kulturlandschaft eine Reihe weiterer Lebensräume wie z.B. Abgrabungen oder wassergefüllte Fahrspuren und Wegepfützen besiedelt. Seit etwa 100 Jahren ist die Gelbbauchunke, bedingt etwa durch die Befestigung der Wege oder den Verlust der einst verbreiteten Kleinstabgrabungen, auf dem Rückzug. Inzwischen ist die Gelbbauchunke in NRW vom Aussterben bedroht.

Fließgewässeraue:

Ursprünglicher Lebensraum der Gelbbauchunke. Fließgewässerauen bieten der Gelbbauchunke mit ihren zahlreichen kleinen Kolken und Tümpeln einen idealen Lebensraum.

Artenschutzmaßnahmen

Seit Dezember 2003 führt die Biologische Station Bonn in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis das Artenschutzprogramm "Gelbbauchunke" durch. Ziel dieses Projektes ist es, durch Pflege und Neuanlage geeignete Lebensräume und Laichgewässer für bekannte Gelbbauchunkenvorkommen zu schaffen bzw. zu erhalten. Ein wichtiges Anliegen ist zudem die Suche nach weiteren Vorkommen im südlichen Rheinland - dem Hauptverbreitungsgebiet der Gelbbauchunke in NRW. Einer dieser Suchräume ist der Raum Kottenforst, wo die Gelbbauchunke einst als überall häufig und typisch beschrieben wurde. Bis in die 1980er Jahre entstanden hier im Rahmen der waldbaulichen Kahlschlagwirtschaft in großer Zahl konkurrenzfreie, stark besonnte Klein- und Kleinstgewässer – Pfützen und Fahrspuren. Heute ist die Gelbbauchunke im Gebiet bis auf zwei kleine Restvorkommen nahezu verschwunden. Eines der letzten bekannten Vorkommen befand sich im Hackenbroich, einem rekultivierten Forst bei Berrenrath. Seit 2003 wird dieser Standort (neben vielen weiteren) von uns im Rahmen der rekultivierungsweiten Amphibienerfassung intensiv untersucht und seit 2005, auf Anregung der Biologischen Station Bonn, spezielle Artenschutzmaßnahmen für die Gelbbauchunke in diesem und anderen geeigneten (rekultivierten) Gelbbauchunkenhabitaten umgesetzt.

Als spezielle Artenschutzmaßnahme hat sich für Restbestände der Unke bewährt, 60 – 90 l Maurerkübel als künstliche Kleingewässer an besonnten Stellen einzugraben. Nach einer Ortsbegehung mit Herrn Chmela von der Biologischen Station Bonn wurden daraufhin im Juni 2005 sechs derartige Wannen im Hackenbroich (ehemaliges Tagebaugebiet Berrenrath) sowie 2 am Graben 100, auch Fürstenberggraben genannt (ehemaliges Tagebaugebiet Frechen), ausgebracht, die seitdem regelmäßig von uns kontrolliert und gereinigt werden. Im Jahre 2006 wurden sowohl im Hackenbroich als auch am Fürstenberggraben jeweils 2 weitere "Unkenkübel-Standorte" eingerichtet sowie einige der bereits installierten freigestellt, um eine maximale Besonnung zu gewährleisten. Nachdem im Sommer 2006 vermutlich ausgesetzte Gelbbauchunken im Elsbachtal (Tagebaubereich Garzweiler nahe Grevenbroich) gefunden wurden (O. TILLMANNS, mündl. Mitt.), wurden auch hier 2 Wannen in der Nähe von Kleinen Teichen ausgebracht.

Hackenbroich:

Die vielen wassergefüllten Fahrspuren sind die letzten bekannten Laichgewässer der Gelbbauchunke in der Rekultivierung.

Ergebnisse und Ausblick

Bisher konnten während der regelmäßigen Kontrollen noch keine Gelbbauchunken in den "Unkenkübeln" nachgewiesen werden, weder im Hackenbroich bei Berrenrath noch im Rekultivierungsgebiet des ehemaligen Tagebaus Frechen. Lediglich die Unken im Elsbachtal wurden auch 2007 in der Nähe der Teiche beobachtet, 2008 konnten sie nicht nachgewiesen werden. Meldungen von Beobachtungen sind daher jederzeit willkommen (forschungsstellerekultivierung@t-online.de).
2009 wurden neben den "Unkenkübeln" auch Kleinstgewässer mit einer Abdichtung aus Ton angelegt. Die Anlage derartiger Gewässer ist zwar wesentlich aufwendiger als die Installation von "Unkenkübeln", sie weisen jedoch gegenüber den Kübeln deutliche Vorteile auf und haben sich bei anderen Artenschutzprojekten bewährt.
In 2009 gelang erneut der Nachweis der Gelbbauchunke im Elsbachtal.

Elsbachtal:

Teich als möglicher Lebensraum für die Gelbbauchunke. Dieses Kleingewässer ist starken Wasserstandsschwankungen ausgesetzt und kann im Sommer trockenfallen. Daher wurde hier zusätzlich ein "Unkenkübel" installiert, der das Wasser bei Trockenheit länger halten kann. Die Umrisse sind als Kreis am unteren linken Gewässerrand zu erkennen.