FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Haselmaus (Muscardinus avellanarius)

Mit einer Körpergröße (Kopf-Rumpf-Länge) von 6-9 cm ist die Haselmaus der kleinste der drei einheimischen Vertreter der Bilche, zu denen auch der bekannte Siebenschläfer gehört. Die Tiere sind auf der Oberseite gelbbraun bis rötlichbraun, und auf der Unterseite weißlich gefärbt. Aufgrund ihres langen Schwanzes ist die Haselmaus ein sehr guter Kletterer, die sich in Büschen und Bäumen geschickt fortbewegen kann.

Haselmaus:

mit Jungtier beim Umzug in ein neues Nest.

Lebensraum

Ihre Lebensräume sind Laub- und Laubmischwälder, gut strukturierte Waldränder, gebüschreiche Lichtungen und Kahlschläge. Sie kommt aber auch in Parklandschaften, Feldgehölzen und sogar im Siedlungsbereich in Gärten, Obstwiesen oder Parks vor. Die Art ist dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt im Sommer den Tag in selbstgebauten, faustgroßen Kugelnestern, die sie freistehend in Stauden, Sträuchern und Bäumen oder in Baumhöhlen anlegt. Hier werden auch die Jungen geboren. Den Winter verbringen die Tiere in Nestern am Boden oder zwischen Wurzelstöcken, zum Teil auch in Nistkästen. Die Tiere sind relativ ortstreu, die Reviere sind deshalb meist klein. Während die Männchen Entfernungen von bis zu 300 m pro Nacht zurücklegen können, beträgt diese bei den Weibchen nur bis zu 50 m.
Deutschland liegt an der nordwestlichen Verbreitungsgrenze der Art. Jedoch besitzt sie nur in den Mittelgebirgs- und Gebirgsregionen größere zusammenhängende Vorkommen. Landesweit sind die Hauptverbreitungsgebiete das Weserbergland, das Bergische Land, das Sauer- und Siegerland sowie die Eifel. Da die Art nur schwer festzustellen ist, ist die Anzahl der Nachweise relativ gering. Aufgrund der Vielzahl von Lebensräumen, die die Art besiedelt, ist aber davon auszugehen, dass sie weiter verbreitet und häufiger ist als bisher bekannt. Landesweit gilt sie deshalb nicht als gefährdet.

Artenschutzmaßnahmen

Die Haselmaus wird in der forstlichen Rekultivierung durch die Anlage naturnaher Wälder mit einheimischen Gehölzarten gefördert. Neben der Nutzung standortgerechter, heimischer Baumarten steht hier besonders die Entwicklung von Waldrändern sowie das Belassen von gebüschartigem Unterwuchs im Vordergrund. Solche Gebüschstrukturen entwickeln sich auch schon in jungen Wäldern, höhlenreiche Alt- oder Totholzbäume fehlen aber noch weitestgehend.
Als Ersatz für die Höhlenquartiere wurden in den Waldbeständen der Sophienhöhe deshalb zahlreiche Haselmauskästen aufgehängt. Hierbei handelt es sich um speziell für diese Art angefertigte Quartiere, die Vogelnistkästen ähneln. Das Einstiegsloch wird jedoch zum Stamm hin ausgerichtet, um eine Ansiedlung von Vögeln in diesen Kästen zu vermeiden. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird alljährlich durch Kontrolle der Haselmaus-Quartiere dokumentiert.

Ergebnisse und Ausblick

In den 40 Haselmauskästen auf der Sophienhöhe konnten 2008 in 6 Kästen Haselmäuse nachgewiesen werden. Darüber hinaus wurden in 3 Fledermauskästen Haselmäuse entdeckt sowie in 4 weiteren Haselmausnester. 2009 konnten in 5 Haselmauskästen Haselmäuse beobachtet werden, 1 Tier wurde in einem Fledermauskasten entdeckt. Zudem wurden 11 leere Nester (Kobel) nachgewiesen, 4 in Haselmauskästen und 7 in Fledermauskästen. In den folgenden Jahren werden die Kontrollen fortgesetzt und weitere Haselmauskästen ausgebracht.

Haselmausnest mit Jungtieren