FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Zauneidechse (Lacerta agilis)

Die alten Männchen der Zauneidechse sind aufgrund ihrer auffälligen Färbung leicht von den anderen in Nordrhein-Westfalen auftretenden Eidechsen-Arten zu unterscheiden. Vor allem in der Paarungszeit sind Kehle und Körperseiten leuchtend grün gefärbt. Die Weibchen dagegen besitzen das ganze Jahr über eine braune bis graubraune Grundfärbung. Der Rücken beider Geschlechter ist seitlich mit jeweils einem hellen, gelblichweißen Längsstreifen gezeichnet, der vom Kopf bis zum Schwanz reicht. Dazwischen liegt ein breiter, rostroter bis brauner Mittelstreifen, der mit dunklen Fleckenreihen versehen ist. Auch die Körperseiten tragen ein dunkles Fleckenmuster, das z. T. aus schwarz umrandeten weißen Augenflecken besteht. Die Art kann eine Körperlänge von bis zu 25 cm erreichen.

Zauneidechse:

Männchen mit seiner charakteristischen Grünfärbung.

Lebensraum

Die Zauneidechse bewohnt offene Lebensräume mit einer hohen Strukturvielfalt aus vegetationsarmen oder -freien Flächen, verbuschten Bereichen und Hochstaudenfluren. Heute besiedelt sie oftmals vom Menschen gestaltete oder genutzte Bereiche wie Heiden, Halbtrockenrasen, Feldraine, Ruderalfluren, Abgrabungsflächen oder sonnenexponierte Böschungen (Wegränder, Eisenbahndämme, Straßenränder). Essentiell für die Vorkommen der Art sind grabbare Böden, da sie sowohl ihre Eier eingraben als auch selbst in selbst gegrabenen Höhlen, Nagerbauten oder Spalten überwintern. Nach der Winterstarre in Erdlöchern und frostfreien Spalten erscheinen zunächst die Jungtiere, dann die Männchen und erst einige Wochen später die Weibchen an der Oberfläche. Bei schönem Wetter wird am Morgen zunächst ein Sonnenbad genommen, um den wechselwarmen (poikilothermen) Organismus auf „Betriebstemperatur“ zu bringen. Anschließend gehen die Tiere auf Nahrungssuche. Zum Beutespektrum zählen vor allem Insekten, beispielsweise Heuschrecken, Zikaden, Käfer und deren Larven, Wanzen, Ameisen sowie Spinnen und Regenwürmer. Sie trinken von Tau- und Regentropfen. Bei großer Mittagshitze sowie nachts verkriechen sich Zauneidechsen in ihren Unterschlüpfen.
Die Zauneidechse kommt vor allem in sonnenexponierten und warmen Gebieten vor, da zur Eientwicklung eine Mindestmenge an Wärme benötigt wird. Ihre bundesweite Hauptverbreitung liegt in Süddeutschland, obwohl sie in geeigneten Lebensräumen bis Schleswig-Holstein vordringt. In Nordrhein-Westfalen zeigt die Art vor allem im Bergischen Land, im Sauerland und in den Börden des Rheinlandes Verbreitungslücken. Häufiger dagegen tritt sie noch am Niederrhein, im Ruhrgebiet, im Münsterland, in der Senne sowie entlang des Rheintals auf. Mit landesweit etwa 600 bekannten Vorkommen gilt die Zauneidechse zurzeit als stark gefährdet, da Lebensräume wie naturnahe Waldränder, magere Wiesen und Weiden oder Heiden immer seltener werden.

Sonnenplatz:

Zauneidechsen nutzen gerne Totholz oder Steine als Sonnenplätze um sich aufzuwärmen.

In den Rekultivierungsflächen der Tagebaue wird die Art durch die Anlage und Pflege von Sonderstandorten gefördert. Bei der Wiederherstellung dieser Flächen werden magere Substrate wie Sande und Kiese abgekippt, die noch lange nur schütter bewachsen sind und deshalb der Zauneidechse wie auch Heuschrecken und anderen Großinsekten – die die Hauptbeute der Art darstellen – einen Lebensraum bieten. Auch durch die Einbringung von Wurzelstubben, Steinhaufen oder Findlingen wird die Art gefördert, da solche Elemente als Versteckplatz wie auch als Sonnplatz eine wichtige Rolle spielen.

Um eine Verbuschung solcher mageren Sonderstandorte in der Rekultivierung auf Dauer zu vermeiden, ist die Durchführung von Pflegemaßnahmen nötig. Diese beinhalten sowohl die Mahd von Wegrainen und Wiesen als auch den Freischnitt von schon verbuschten Flächen. Diese Pflegemaßnahmen kommen nicht nur der Zauneidechse zugute, auch wärmeliebende Insekten- und lichtliebende Pflanzenarten profitieren davon.

Pflegemaßnahmen:

Lebensraum der Zauneidechse in der Rekultivierung nach Entbuschungsmaßnahmen.

Ergebnisse und Ausblick

Es gab immer wieder Einzelbeobachtungen der Zauneidechse entlang der Nord-Süd-Bahn (DWORSCHAK, U., mündl. Mitt.). Aus den einzelnen Rekultivierungsgebieten existieren dagegen nur sehr wenige Beobachtungen. Dies war einer der Gründe, warum im Jahr 2008 die sogenannten Sonderstandorte kartiert wurden. Dies sind in der Regel Rekultivierungsbereiche mit sehr magreren Bodensubstraten, die zumeist der Sukzession überlassen wurden. Dabei konnten insgesamt 4 Zauneidechsenvorkommen nachgewiesen werden, 2 im ehemaligen Tagebaugebiet Bergheim sowie je ein Vorkommen in den Rekultivierungen Frechen und Fortuna. Darüber hinaus wurden 2008 Zauneidechsen auch im Restfeld Ville beobachtet.

Diese Kartierungen werden in den Folgejahren fortgeführt. Des Weiteren werden in bekannten und geeigneten Zauneidechsen-Habitaten notwendige Pflegemaßnahmen durchgeführt.

Rekultivierung Bergheim:

Auf dieser noch jungen Rekultivierungsfläche konnten 2008 Zauneidechsen beobachtet werden.