FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Amphibienkartierung 2002-2008

Einführung

Im Januar 2002 haben die RWE Rheinbraun AG (RWE Power AG) und die Forschungsstelle Rekultivierung beschlossen, sich einen aktuellen Überblick über die Amphibienvorkommen in den Rekultivierungsgebieten des Rheinischen Braunkohlenreviers zu verschaffen. Dabei sollten im Verlaufe des Jahres 2002 sämtliche im Zuge der Rekultivierungsmaßnahmen angelegten Gewässer erfasst werden. Hierbei handelt es sich um zahlreiche Seen, Teiche, Tümpel und Gräben.
Die Amphibienaufnahme erstreckte sich über das gesamte Rheinische Braunkohlenrevier, also vom Südwesten der Stadt Köln nach Norden bis zu den Kreisen Neuss und Mönchengladbach und nach Westen bis zum Kreis Aachen. In die Erfassung einbezogen wurden die Flächen der rekultivierten Tagebaue Zukunft/Inden, Hambach, Garzweiler, Fortuna, Bergheim, Frechen/Berrenrath sowie der ehemalige Tagebau Ville. Die Gesamtzahl der untersuchten Gewässer liegt bei annähernd 300. Im Jahre 2003 wurden an einzelnen Gewässer (u.a. auch im Rahmen der rekultivierungsweiten Libellenkartierung) nochmals Amphibien erfasst.
Nachfolgend werden die Untersuchungsmethoden, eine Kurzcharakteristik der Gewässer, Daten früherer Kartierungen und die aktuellen Ergebnisse der Erfassung vorgestellt. Aufgrund der Vielzahl der untersuchten Gewässer und der damit verbundenen Datenfülle soll die Ergebnisdarstellung jedoch nur einen kurzen Überblick über die Amphibienvorkommen auf den Rekultivierungsflächen des Rheinischen Braunkohlenreviers verschaffen. Ausführliche Daten zu Vorkommen, Verbreitung und Populationen der einzelnen Arten sowie die kartographische Darstellung der einzelnen in der Untersuchung berücksichtigten Gewässern sind in der Forschungsstelle Rekultivierung verfügbar.

Wasserfrosch

Sophienhöhe (Tagebau Hambach)

Untersuchungsmethoden

Zur Untersuchung der Amphibien empfiehlt die LÖBF (1996) in ihren Methodenvorgaben insgesamt 6 Begehungen, drei davon zur Erfassung der „frühen“ Arten, drei weitere für die Spezies, die erst später im Jahr aktiv werden.
Aufgrund der Vielzahl der zu untersuchenden Gewässer wurde die Anzahl der Begehungen reduziert. Um mit einem noch vertretbaren Arbeitsaufwand zu verlässlichen Ergebnissen zu kommen, wurden im Jahre 2002 zwei frühe Begehungen und eine Kontrolle der späteren Arten durchgeführt. Damit könnten zwar einzelne Vorkommen besonders der im Gebiet nur sporadisch auftretenden Arten übersehen worden sein. Ein verlässlicher Überblick der in der Rekultivierung verbreiteten und typischen Arten lässt sich jedoch mit dieser Methode sicher erzielen.
Im Jahre 2003 wurden ausgewählte Gewässer nochmals aufgesucht, um gezielt uneindeutige oder seltene Funde des letzten Jahres zu überprüfen. Des Weiteren wurden Gewässer aufgesucht, an denen früher seltene Arten beobachtet wurden, die jedoch im Jahre 2002 dort nicht nachgewiesen werden konnten.
In den Jahren 2004-2008 wurde nur noch an wenigen Gewässern kartiert. Als spezielle Artenschutzmaßnahme und Nachweismethode für die Gelbbauchunke wurden in Zusammenarbeit mit Herrn Chmela von der Biologischen Station Bonn im Juni 1995 mehrere 60-90l Maurerkübel als künstliche Kleingewässer in den Rekultivierungsgebieten Berrenrath und Frechen ausgebracht. Seit Oktober 2006 stehen 2 weitere "Unkenkübel" auch im Elsbachtal (Rekultivierung Garzweiler).

Charakterisierung der untersuchten Gewässer

Im Rahmen der Untersuchung wurden ca. 240 Gewässer aufgesucht. Es wurden Tümpel, Teiche und Weiher sowie größere Seen erfasst. Daneben in geringer Zahl auch Grabenstrukturen und vereinzelt temporäre Kleinstgewässer beispielsweise in Fahrspuren. Zu den Seen mit unterschiedlichen Nutzungen zählen Naturschutzgebiete wie das Fürstenbergmaar (Tgb. Frechen) oder der Hürther Waldsee (Tgb. Ville), aber auch intensiv genutzte Freizeitgewässer wie der Otto-Maigler-See bei Hürth und der Blausteinsee (Tgb. Zukunft), sowie noch in der Befüllung befindliche Gewässer wie das Peringsmaar (Tgb. Fortuna) oder der gerade erst angelegte See im Hasenwinkel (Tgb. Bergheim).
Die größte Anzahl an Gewässern wurde auf der Sophienhöhe kartiert. Hier wurden im Rahmen der Rekultivierung neben größeren Flachwasserseen zahlreiche Teiche und aufgrund der Geländemorphologie viele Gräben sowie mehrere z.T. recht große Regenrückhaltebecken angelegt. Auch in den anderen Rekultivierungsgebieten stößt man neben aus Naturschutzgründen angelegten Tümpeln, Teichen und Seen immer wieder auf solche technischen Gewässer. Eine weitere Besonderheit der Rekultivierung sind flache Tümpel, die sich auf Tonflächen bilden. Diese Bereiche werden als Sukzessionsflächen und Retentionsräume ohne Nutzung innerhalb der Rekultivierung angelegt.
In älteren Rekultivierungen kann mancherorts die Entstehung von Vernässungsbereichen durch Bodenverdichtungen beobachtet werden. Ein Beispiel hierfür ist der Feuchtwaldbereich „Grüne Lunge“ im Gebiet des Tagebaus Frechen. In den noch jungen Rekultivierungen bilden sich in frischen Verkippungen, in Fahrspuren, in Vertiefungen entlang der Baggertrassen und Bandanlagen sonnenexponierte Temporärgewässer, die vor allem von der Kreuzkröte, gelegentlich auch von Wechselkröten zur Fortpflanzung genutzt werden.
Seit 2005 werden darüber hinaus zwei Fließgewässer untersucht, die rekultivierte Inde und ihr ausgeprägter Auenbereich sowie der Fürstenberggraben im ehemaligen Tagebaugebiet Frechen. Zudem flossen Daten in die unten stehende Tabelle ein, die im Rahmen anderer Projekte (z.B. "Monitoring Indeaue") erhoben wurden.

Niederzierer See

Sophienhöhe (Tagebau Hambach)

Bis 2002 vorhandene Daten

In dem von der Forschungsstelle Rekultivierung angelegten Tierartenkataster (veröffentlicht im Buch "Tiere und Pflanzen in der Rekultivierung") sind die bisher vorliegenden Daten zu den Amphibienvorkommen im Rheinischen Braunkohlenrevier zusammengetragen. Insgesamt 12 Untersuchungen, in denen Amphibien erfasst wurden, sind in der Zeit von 1961 bis 1997 durchgeführt worden. Meist handelt es sich bei diesen Arbeiten um umfassende Erhebungen, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass alle vorkommenden Arten einer Vegetationsperiode auch tatsächlich nachgewiesen worden sind. Es liegen aber auch einige zufällige oder unsystematische Beobachtungen vor.
Die Verbreitung von Amphibien ist für die verschiedenen Rekultivierungsbereiche unterschiedlich gut dokumentiert. Am Besten sind die rekultivierten Abschnitte der Tagebaue Ville, Hambach und Frechen untersucht. Aus dem Südrevier und dem Tagebaugebiet Fortuna-Garsdorf liegen zwar einige Ergebnisse vor, die Datengrundlage ist hier aber deutlich schlechter. Über die Amphibienvorkommen in den Rekultivierungsbereichen der Tagebaue Frimmersdorf und Garzweiler I ist wenig bekannt. In den Bereichen der Tagebaue Berrenrath, Bergheim, Inden und Zukunft haben bisher noch keine Amphibienerfassungen stattgefunden.
Durch die bisherigen Untersuchungen wurden insgesamt 13 Amphibienarten in den Rekultivierungsgebieten des Rheinischen Braunkohlentagebaus nachgewiesen. Die meisten Arten sind über das gesamte Revier verbreitet. Einzelnachweise liegen von Gelbbauchunke (Bombina variegata) , Seefrosch (Rana ridibunda), Feuersalamander (Salamandra salamandra) und Kammmolch (Triturus ctistatus) vor. Da die meisten Untersuchungen bei den Grünfröschen nicht zwischen den verschiedenen Arten unterschieden haben, könnte der Seefrosch im Revier durchaus weiter verbreitet sein.
Als Besonderheit ist auf ein größeres Vorkommen der Gelbbauchunke im Bereich Frechen in den 80er Jahren hinzuweisen. Des Weiteren gab es bis in die 90er Jahre hinein Meldungen von Gelbbauchunken nahe Berrenrath. Es ist zu vermuten, dass beide Vorkommen mittlerweile erloschen sind.

Ergebnisse der aktuellen Untersuchung

Im Rahmen der Untersuchungen in den Jahren 2002 und 2003 konnten die Amphibienarten Erdkröte (Bufo bufo) , Kreuzkröte (Bufo calamita), Wechselkröte (Bufo viridis), Springfrosch (Rana dalmatina), Wasserfrosch (Teichfrosch, Seefrosch und kleiner Wasserfrosch), Grasfrosch (Rana temporaria), Bergmolch (Triturus alpestris), Kammmolch (Triturus cristatus) und Teichmolch (Triturus vulgaris) an und um Gewässer auf Flächen des Rheinischen Braunkohlenreviers (bzw. Untersuchungsgebiet) nachgewiesen werden. Bis auf den nur im Bereich des Tagebaus Ville nachgewiesenen Kammmolch sind alle Arten über mehrere Tagebaubereiche verbreitet und z.T. sehr häufig.
Die Arten Feuersalamander (Salamandra salamandra), Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Fadenmolch (Triturus helveticus), die durch vorherige Erfassungen beschrieben wurden, sind nicht wieder gefunden worden, auch nicht durch weitere Untersuchungen in den Jahren 2004-2008. Dies könnte im Falle des Feuersalamanders und des Fadenmolches an der auch in den zurückliegenden Untersuchungen festgestellten geringen Populationsdichte dieser Arten liegen. Vereinzelte Vorkommen sind jedoch auch weiterhin anzunehmen, müssten aber gezielt und mit vergleichsweise hohem Aufwand erfasst werden. Im Falle der Gelbbauchunke ist dagegen fraglich, ob die Art aktuell noch über signifikante Populationen in den südlichen Rekultivierungsgebieten des Rheinischen Braunkohlentagebaus und der nicht rekultivierten Umgebung verfügt. Die Anlage künstlicher Kleingewässer in der Nähe früherer Fundorte im Juni 2005 und eine regelmäßige Kontrolle sollen diese Frage beantworten. Bisher (Stand 31.12.2008) wurden in den ausgebrachten "Unkenkübeln" keine Gelbbauchunken nachgewiesen, jedoch wurden im Elsbachtal (Rekultivierungsgebiet Tagebau Garzweiler) 2006 und 2007 Gelbbauchunken beobachtet, die dort möglicherweise ausgesetzt wurden.

Bemerkenswerte Gewässer

Die größten Amphibienpopulationen konnten an den beiden am Fuße der Sophienhöhe gelegenen Flachwasserseen nachgewiesen werden. Am Hambacher See und am Niederzierer See wurden jeweils über 100 Grasfrosch-Laichballen und ca. 1000 paarungsbereite Erdkröten nachgewiesen. Ebenfalls über 100 Grasfrosch-Laichballen, mehrere hundert Erdkröten sowie massenhaft Wasserfrösche konnten an den beiden großen Rückhaltebecken auf der Sophienhöhe beobachtet werden. Der erneute Nachweis von adulten Springfröschen oder deren Laichballen an diesen und anderen Gewässern der Sophienhöhe (vgl. EICKEMEIER 1997) gelang dagegen nicht. Diese Art konnte, wenn auch nicht zweifelsfrei, anhand von Laichballen und Quappen am Vorteich des Fürstenbergmaars (Tgb. Frechen) und an Teichen im Tagebau Ville belegt werden Von U. HAESE aus Stolberg wurde im Jahr 2008 ein Springfroschvorkommen an der rekultivierten Inde gemeldet. Erste Tiere konnte er schon 2004 nachweisen. Der für die Rekultivierung dokumentierte seltene Kammmolchfund (vgl. ALBRECHT et al. 1998) an an Teichen im Tagebau Ville konnte bestätigt werden. Ebenfalls im Tagebau Ville, an dem großen See im Deponiebereich befindet sich die größte, im Rahmen dieser Untersuchung erfasste Population der Wechselkröte. Diese Art konnte, wenn auch selten, in allen anderen Tagebaubereichen mit Ausnahme von Zukunft/Inden nachgewiesen werden. Die Wechselkröte ist häufig mit der Kreuzkröte vergesellschaftet, die ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum stellt. Auch sie konnte in nahezu allen Tagebaubereichen beobachtet werden. Ausnahmen stellen hier lediglich die Bereiche Frimmersdorf und Ville dar. Besonders zahlreich trat die Kreuzkröte in der Indeaue, in neu angelegten Gräben und Tümpeln des Tagebaus Frechen sowie in zahlreichen Gewässern im Tagbau Fortuna auf.

Teich mit Kammolchvorkommen:

flacher Waldtümpel im Rekultivierungsgebiet des Tagebaus Ville.