FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Artenreiche Feldflur

Projekt im rekultivierten Tagebau Fortuna

Einführung

Die Streckenentwicklung des Feldhasen (Lepus europaeus) zeigt seit Beginn der 1980er Jahre eine kontinuierliche Abnahme in Deutschland. Auch wenn die Streckenmeldungen nur bedingt Rückschlüsse auf die tatsächlichen Besatzdichten zulassen, sind sie doch ein Beleg für stark rückläufige Hasendichten in unserem Land. Aus diesem Grund ist die Art 1994 in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands und 1999 in der Roten Liste Nordrhein-Westfalens als „gefährdet“ (Kategorie 3) eingestuft worden.

Die Diskussion um die Ursachen für den Rückgang der Hasenbesätze wird kontrovers geführt. Auf der einen Seite wird der gewachsene Prädatorendruck, insbesondere durch ansteigende Fuchsbestände, auf der anderen Seite die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft für den Bestandseinbruch des Feldhasen verantwortlich gemacht. Daneben scheinen aber auch Faktoren wie Krankheiten, Zersiedelung und Störungen durch Erholungssuchende eine Rolle zu spielen.

Die Aufnahme des Hasen in die Rote Liste der gefährdeten Tiere Nordrhein-Westfalens hat das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) zum Anlass genommen, ein mehrjähriges Modellprojekt ins Leben zu rufen, das Möglichkeiten zur Bestandsverbesserung des Hasen in NRW aufzeigen soll. Dieses als „Hilfe für den Hasen“ bezeichnete Vorhaben wird seit Ende 2001 in zwei Projektgebieten (Bedburg/Erft und Wesel) umgesetzt. Im Vordergrund stehen hierbei Maßnahmen zur Bejagung der natürlichen Gegenspieler des Hasen – hier ist besonders der Fuchs zu nennen - sowie lebensraumverbessernde Maßnahmen wie die Anlage von Wildäckern, Stilllegungsstreifen, Schwarzbrachen und die Untersaat von Maisschlägen. Gleichzeitig soll eine kontinuierliche Bestandsaufnahme des Feldhasen mittels Scheinwerferzählung Zeugnis über den Erfolg der Maßnahmen ablegen.

Die RWE Power AG hat sich frühzeitig für das Ziel des Projektes „Hilfe für den Hasen“ interessiert. Aus diesem Grund wurde Ende 2001 ein eigenständiges Vorhaben auf landwirtschaftlichen Rekultivierungsflächen im Rheinischen Braunkohlentagebau initiiert, das einige Anregungen, die sich aus dem vom MUNLV erarbeiteten Konzept ergeben, übernommen hat. Diese wurden noch um wichtige Aspekte erweitert. Neben den Auswirkungen der Prädatorenbejagung sowie der umgesetzten lebensraumverbessernden Maßnahmen auf die Hasenpopulation sollen faunistische Begleituntersuchungen aufzeigen, welche anderen Tierarten von diesen Maßnahmen profitieren und ob die durchgeführten Maßnahmen einen generellen Beitrag zur Biodiversität in der Agrarlandschaft leisten können. Gegenstand der erweiterten Untersuchungen sind die Vögel der Feldflur, deren Bestände ebenfalls in den letzten Jahrzehnten stark gesunken sind.

Erste Ergebnisse wurden 2004 und 2005 bereits der Presse vorgestellt.

Untersuchungsgebiet

Das 1.100 ha große Untersuchungsgebiet befindet sich im rekultivierten Tagebau Fortuna, nördlich der Stadt Bergheim (Rhein-Erft-Kreis), zwischen den Ortschaften Bedburg und Niederaussem. Der 1955 erschlossene Tagebau war zeitweilig der größte Bergbaubetrieb der Welt. 1993 wurde dort die letzte Kohle gefördert.
Das Untersuchungsgebiet besteht zum größten Teil aus landwirtschaftlich rekultivierten Flächen. 2002 und 2003 wurden 646 ha als Acker genutzt. Diese Fläche ist im Laufe der Wiederherstellung kontinuierlich gewachsen und liegt seit 2005 bei 839 ha (2004: 732 ha). Unmittelbar an Bedburg angrenzend enstand 1988 ein etwa 120 ha großes Naherholungsgebiet. Dieses überwiegend als Seen- und Auenlandschaft gestaltete Gebiet ist zudem Retentionsraum für Hochwasser der Erft. Hier wurden neben Gewässern und Aufforstungen auch große Wiesen- und Sukzessionsflächen angelegt.

Zentrales Untersuchungsgebiet, seit 2005 etwa 859 ha, sind die landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie die hierin integrierten Begleitstrukturen wie Feldraine, Böschungen, Gräben usw. Nicht zur Agrarlandschaft zählende Tagebauanlagen (z.B. Baggertrassen, Bandanlagen), Sukzessionsflächen, Gewässer und forstlich genutzte Flächen sind nicht in die Erfassung der Hasenbesätze und der Feldvogelfauna i.e.S. einbezogen worden.

Für die Erfassung der gesamten Avifauna des Gebietes wurden jedoch auch die Strukturen betrachtet, die keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen und den Rekultivierungsbereich durchziehen bzw. an die untersuchte Feldflur angrenzen. Zu nennen sind hier: Buchholzer Hang, Buchholzer Graben, Gürather Höhe, Rather Mulde, die Förderbandtrasse westlich davon, die Baggertrasse, an die Felder grenzende Grünzüge am Ortsrand von Bedburg-Broich und Bedburg-Rath sowie im Umfeld des Peringsmaares. Das aufgeweitete Betrachtungsgebiet hat seit 2005 eine Fläche von ca. 1.030 ha.

Untersuchungsmethoden

Erfassung der Hasenpopulation (2002-2007)

Die Erfassung der Hasenpopulationen im Untersuchungsgebiet wurde mit Hilfe der Scheinwerfertaxation durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine standardisierte Methode zur Erfassung der Feldreviere des Hasen (vgl. INSTITUT FÜR WILDTIERFORSCHUNG 2001). Die zu untersuchenden Flächen werden mit einem PKW befahren und mit Hilfe eines lichtstarken Handsuchscheinwerfers in der Dunkelheit ausgeleuchtet. So können die nachtaktiven Hasen erfasst und auf der Gesamtfläche gezählt werden. Zu achten ist dabei auf eine gleich bleibende Befahrung und Ausleuchtung des Untersuchungsgebiets (Ausleuchtung im rechten Winkel zur Fahrtrichtung).

Die Befahrungen fanden an jeweils zwei Terminen im Frühjahr und Herbst statt. Beginn der Zählungen war etwa 1,5 Stunden nach Eintritt der Dunkelheit. Lagen die Ergebnisse der 1. und 2. Befahrung weit auseinander, wurde eine dritte Kontrollbefahrung durchgeführt.

Protokolliert wurden sämtliche beobachtete Hasen. Um einen einheitlichen Dichtewert für die Besatzermittlung zu erhalten, wurde eine Berechnung des Hasenbesatzes je 100 ha durchgeführt.

Der Frühjahrsbesatz, auch als Stammbesatz bezeichnet, beschreibt die Ausgangspopulation zu Beginn des Jahres. Der Herbstbesatz gibt im Vergleich zum Frühjahrsbesatz des gleichen Jahres den Reproduktionserfolg in dem betreffenden Jahr wieder. Somit können anhand von kontinuierlichen Zählungen im Herbst und Frühjahr Aussagen zur Entwicklung (Reproduktion, Wintersterblichkeit etc.) von Hasenpopulationen getroffen werden.

Erfassung der Avifauna (2003-2007)

Die Kartierungen der Brut- und Gastvögel wurden im Zeitraum Februar bis Juli 2006 durchgeführt. Dabei wurde im Zeitraum Ende März bis Anfang Juli die Brutvogelfauna systematisch und flächendeckend auf den rekultivierten Ackerflächen des Untersuchungsgebietes und deren Begleitstrukturen (Wege, Gräben, Pflanzstreifen u.ä.) erfasst (engerer Untersuchungsbereich). Die durch das Untersuchungsgebiet verlaufenden Strukturen des Buchholzer Hangs, des Buchholzer Grabens, der Baggertrasse sowie außen an das Gebiet angrenzende Strukturen wurden nicht flächendeckend untersucht. Beobachtungen von hier vorkommenden Vogelarten wurden aber mitprotokolliert und in die Auswertung einbezogen (aufgeweitetes Betrachtungsgebiet).
Die Erfassung der Feldvogelarten erfolgte mit folgenden Methoden:

Rebhuhn: systematische, flächendeckende Erfassung rufender Hähne in der Abenddämmerung mit Unterstützung einer Klangattrappe, 2 Begehungsdurchgänge im Zeitraum Ende März bis Anfang April, Ermittlung von Revieren; weiterhin berücksichtigt wurden Zufallsfunde bei weiteren Begehungen bis in den Monat Juli.
Wachtel: nachdem Begehungen in der Abenddämmerung mit Unterstützung einer Klangattrappe in Vorjahren kaum Erkenntniszuwächse brachten, erfolgte die Erfassung von Wachteln durch Nachweise rufender Hähne im Rahmen der tagsüber durchgeführten flächendeckenden Begehungen zur Erfassung der Feldvögel (2 Durchgänge Anfang Mai bis Anfang Juni, siehe unten).
Wachtelkönig: an zwei Terminen (Juni, Juli) wurden nächtliche Kontrollen mittels einer Klangattrappe auf Vorkommen des Wachtelkönigs durchgeführt.
Singvogelarten der Feldflur (v.a. Feldlerche, Schafstelze, Wiesenpieper, Grauammer): systematische, flächendeckende Kartierung: Erfassung aller Beobachtungen unter besonderer Berücksichtigung revieranzeigender Verhaltensweisen (v.a. Gesang bzw. Rufe), Begehung der Feldflur auf Feldwegen und innerhalb der Schläge (Fahrspuren) auf Transekten mit maximalen Abständen von ca. 200 m, zwei Kartierdurchgänge im Zeitraum Anfang Mai bis Anfang Juni.

Im Rahmen der Brutvogelerfassungen wurden Beobachtungen von Gastvögeln (Durchzüglern und Nahrungsgästen, z.B. Greifvögeln) mit aufgenommen. Darüber hinaus erfolgte eine gesonderte Begehung zur Erfassung von Wintergästen und Durchzüglern.

Ergebnisse 2002-2007

Feldhasen

Die bislang ermittelten Ergebnisse seit Initiierung des Projektes im Herbst 2001 belegen den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen. Die Hasenbesätze stiegen im Untersuchungsgebiet von 18 Hasen/100 ha im Frühjahr 2002 auf 41 Hasen/100 ha im Frühjahr und 48 Hasen/100 ha im Herbst 2007.
Im Überblick über die Hasenzählungen seit 2002 wird deutlich, dass die Dichte des reproduzierenden Bestandes – also der Hasenbesatz im Frühjahr bezogen auf die untersuchte Fläche – zunächst stark gestiegen ist, dann bis 2005 konstant oder z.T. rückläufig war und seit 2006 wieder ansteigt. Bei der Betrachtung der absoluten Zahl beobachteter Hasen ergibt sich jedoch mit Ausnahme des Frühjahres 2005 ein kontinuierlicher Anstieg während des Untersuchungszeitraumes.

Somit stellt sich die Frage, inwieweit die Hasenpopulation die bis 2005 neu hinzugekommenen Flächen jeweils innerhalb eines Jahres mit voller Dichte besiedeln konnte, oder ob sich, wenn die Fläche in Zukunft gleich bleibt, die Hasendichte (Hasen pro 100 ha) wie in 2006 noch weiter erhöht. Der scheinbare Rückgang im Frühjahr 2005 dürfte sich so erklären lassen: während des Jahres 2004, das insgesamt durch die Witterung kein „gutes“ Hasenjahr war, sind große Flächen zugewachsen. In dieser Zeit hatten die vorhandenen Hasen gar keine Möglichkeit, von dem neuen Flächenangebot zu profitieren, und entsprechend erreicht die Dichte dann nach dem Winter – bezogen auf die größere Fläche – ein Minimum.

Avifauna

In den Jahren 2003-2007 wurden im aufgeweiteten Betrachtungsgebiet bisher 84 Vogelarten [146 KB] festgestellt (2003: 36, 2004: 48, 2005: 65, 2006: 64, 2007: 68). Davon sind 52 als Brutvögel bzw. als mögliche Brutvögel einzustufen (2003: 25, 2004: 35, 2005: 41, 2006: 40, 2007: 39). Die übrigen Arten sind Nahrungsgäste und Sommergäste (z.B. Schwarzmilan, Rohrweihe, Wiesenweihe, Wanderfalke und Wachtelkönig), Durchzügler (z.B. regelmäßig Braunkelchen und Steinschmätzer) oder Überwinterer (z.B. regelmäßig Kornweihe).

Systematisch und flächendeckend wurde im Bereich des rekultivierten Tagebaus Fortuna nur die eigentliche Feldflur untersucht. Sie besteht aus bewirtschafteten Flächen (einschließlich Voranbau, Stilllegungen und Begrünungen, Einsaat- und Schwarzbracheflächen) mit einer Gesamtgröße im Jahre 2006 von 834 ha sowie aus Begleitstrukturen und Wegen mit einer Gesamtfläche von ca. 26 ha. Somit ergibt sich für den engeren Untersuchungsbereich der Feldflur eine Gesamtgröße von etwa 859 ha. Hier wurden bisher 14 Brutvogelarten (2003- 2006: jeweils 11, 2007: 12) registriert.
Dabei handelt es sich insgesamt um eine feldflurtypische Avizönose mit einem hohen Anteil gefährdeter oder zurückgehender Arten. 11 der 14 vorgefundenen Brutvogelarten der Feldflur werden in einer der aktuell gültigen Roten Listen (für Deutschland, Nordrhein-Westfalen bzw. die Großlandschaft Kölner Bucht) als mindestens gefährdet oder zurückgehend (Vorwarnliste) geführt (nicht gefährdet sind Fasan, Sumpfrohrsänger und Bachstelze). Aus bundesweiter Sicht sind Rebhuhn, Kiebitz und Grauammer als stark gefährdete Arten hervorzuheben, aus landesweiter Sicht Rebhuhn, Wachtel, Schwarzkehlchen und Grauammer (stark gefährdet) sowie Kiebitz, Wiesenpieper und Schafstelze (gefährdet), im naturräumlichen Maßstab (Bezug: Großlandschaft Kölner Bucht) Wachtel und Schwarzkehlchen (stark gefährdet) sowie die als gefährdet eingestuften Arten Rebhuhn, Kiebitz, Wiesenpieper, Schafstelze, Dorngrasmücke und Grauammer. Als landesweit und bundesweit rückläufig (V – Vorwarnliste) ist die Feldlerche eingestuft, als landesweit zurückgehend auch Goldammer und Rohrammer. Während der überwiegende Teil der hier aufgeführten Arten ihren Verbreitungsschwerpunkt in der Feldflur aufweist, kommen Dorngrasmücke, Goldammer, Schwarzkehlchen, Sumpfrohrsänger sowie Rohrammer größtenteils in den Randstrukturen vor.

Verbreitung und Siedlungsdichten wertgebender brütender Feldvogelarten

Die nachgewiesenen Rebhuhn-Reviere lagen in allen Untersuchungsjahren schwerpunktmäßig in Randbereichen der Baggertrasse und des Buchholzer Tales, weiterhin in den Feldflurbereichen im Süden und Südwesten des Untersuchungsgebietes. Die Ergebnisse belegen die Präferenz der Rebhühner für Lebensräume in Nähe von ausgeprägten Randstrukturen und für Feldfluren, die mit Begleitstrukturen angereichert sind oder Luzerneschläge und Stilllegungen aufweisen.
Im Jahr 2006 und 2007 ist die Siedlungsdichte des Rebhuhns im Vergleich zu den Vorjahren 2004 und 2005 gesunken. Während die ermittelte Siedlungsdichte der Rebhühner 2005 mit 2,5 Brutpaaren auf 100 ha noch deutlich über dem mittleren Siedlungsdichtewert in den nordrhein-westfälischen Rebhuhn-Kerngebieten (agrarisch geprägte Tieflandbereiche) von 2 Paaren auf 100 ha (EYLERT 2003) lag, konnten 2006 nur 1,6 Paare und 2007 1,8 Paare auf 100 ha nachgewiesen werden. Möglicherweise wirkten sich ungünstige Witterungsverhältnisse während der Rebhuhnerfassungen auf das Zählergebnis aus, denkbar ist aber auch ein Bestandsrückgang im Vergleich zum Vorjahr aufgrund verstärkter Winterverluste: Lange, schneereiche Winter führen zu einer Reduktion des Rebhuhn-Brutbestandes im folgenden Frühjahr (WINK, DIETZEN & GIEßING 2005). Die geringen Rebhuhndichten der letzten Untersuchungsjahre könnten jedoch auch darauf hindeuten, dass sich die ökologischen Ressourcen für das Rebhuhn, z.B. das für den Reproduktionserfolg mitentscheidende Nahrungsangebot, mit fortschreitender Sukzession in den Randstrukturen und Begleitstrukturen innerhalb der Feldflur verringern: Während der lockere Bewuchs früher Sukzessionsstadien der Rand- und Begleitstrukturen wichtige Rückzugs- und Nahrungsräume für Rebhühner bietet, sind Strukturen mit einer hohen, dicht geschlossenen Vegetationsdecke für Rebhühner nur noch eingeschränkt als Lebensräume bzw. Teillebensräume nutzbar.

Wachtel
Das Rekultivierungsgebiet ist dauerhafter bzw. „traditioneller“ Brutlebensraum der Wachtel. Die Nachweise lagen in allen Untersuchungsjahren im weitläufigen südlichen Teil der rekultivierten Feldflur, der in den ersten Untersuchungsjahren einen hohen Anteil an Luzerneanbauflächen aufweist.
2007 wurden, wie in den Jahren 2004 und 2006, zur Brutzeit (mindestens) 3 rufende Wachteln ermittelt. 2003 und 2005 konnten deutlich mehr Rufer erfasst werden. Es bestätigen sich somit die für die Art beschriebenen jährlichen starken Bestandsschwankungen in den Brutgebieten (vgl. u.a. MILDENBERGER 1982). Diese sind weniger von der Lebensraumqualität im Brutgebiet als von klimatischen Bedingungen in den Überwinterungs- und Zuggebieten abhängig. Zudem ist die Ermittlung von Revieren bzw. Brutvorkommen von Wachteln methodisch schwierig, v.a. wegen wechselnder Rufaktivität und geringer Ortstreue der rufenden Männchen.

Feldlerche
Die Feldlerche besiedelt die untersuchte Feldflur flächendeckend, wobei die verschiedenen angebauten Feldfrüchte unterschiedliche Siedlungsdichten aufweisen. Die höchsten Dichtewerte wurden auf Erbsen- und Luzerneschlägen, die geringsten auf Zuckerrüben- und Kartoffeläckern ermittelt. Die Erfassungsergebnisse belegen weiterhin eine hohe Bedeutung der Feldraine und anderer unbewirtschafteter Saumstrukturen, auf denen eine Konzentration der Feldlerchen-Besiedlung zu verzeichnen war.
Zum ersten Mal im vierjährigen Untersuchungszeitraum ist im Jahr 2006 die Siedlungsdichte der Feldlerche im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Konnte 2005 noch ein Dichtewert von 3,5 Revieren/10 ha festgestellt werden, lag dieser im Jahr 2006 nur noch bei 2,4 Revieren/10ha. Im Jahr 2007 stieg der Bestand leicht auf 2,6 Reviere/10ha. Die in den 5 Untersuchungsjahren erfassten Siedlungsdichten liegen im Bereich der Spannen, die laut Literaturangaben in anderen Agrarlandschaften ermittelt wurden (z.B. SCHLÄPFER (1988): 0,9 bis 3,0 Reviere/10 ha, DAUNICHT (1998): 1,2 bis 6,4 Brutpaare/10 ha, reine Agrarflächen 0,4–2,1/10 ha, Agrarlandschaften mit Feldwegen 2,8–4,5/10 ha).

Grauammer
Insgesamt können seit 2004 jährlich etwa 30 Reviere der Grauammer in der Feldflur beobachtet werden, lediglich im Jahr 2007 lag der Grauammerbestand mit 24 erfassten Revieren unter diesem Wert. Dabei wurden in den Jahren auf einzelnen Schlägen relativ hohe Dichten erreicht. Die Durchschnittsdichte auf Luzerne (184 ha) lag 2006 bei 1,6 Sängern/10 ha, 2005 bei 1,9 Sängern/10 ha, was auf eine gute Eignung als Grauammer-Lebensraum hinweist. Nach GLUTZ VON BLOTZHEIM (1997) werden in Deutschland in geeigneten Grauammer-Lebensräumen kaum Werte über 0,6-0,7 Reviere/10 ha erreicht, als Höchstwerte in Optimalhabitaten 2,6-3,3/10 ha.
Die Bestandserfassungen der letzten 10 Jahre lassen einen deutlichen Rückgang der Grauammer in NRW vermuten. 1997 wurden von der GRO & WOG (1997) für NRW noch 400-600 BP angegeben. WINK, DIETZEN & GIEßING (2005) geben den Gesamtbestand der Grauammer im Rheinland mit 280-500 BP an. Neueste Zählungen gehen nur noch von 250 BP für ganz NRW bzw. das Rheinland aus, der Bestand in Westfalen gilt als erloschen (JÖBGES 2008, mdl. Mitt.) Somit brütet allein im Untersuchungsgebiet Fortuna über 10% des Nordrhein-Westfälischen Bestandes.
In den Jahren 2003-2006 war die Verbreitung der Grauammer weitgehend auf Luzerneanbauflächen beschränkt. Im Jahr 2006 wurden erste Ansiedlungen an Randstrukturen und Säumen, die nicht an Luzerneschläge angrenzten, verzeichnet Im Jahr 2007 (Rückgang der Luzerneanbauflächen um 60%) wurde etwa die Hälfte (46%) aller Grauammereviere in Randstrukturen erfasst. Die zunehmende Nutzung der Randstrukturen bei gleichzeitiger Abnahme der Luzerneanbauflächen spricht dafür, dass die Bindung der Grauammer an die Luzerne nicht so eng ist, wie es die Ergebnisse der Vorjahre vermuten ließen. Es scheint, dass die von Randstrukturen durchsetzte Feldflur den Habitatansprüchen der Grauammer ebenfalls gerecht wird. Ob dieser Effekt nachhaltig ist oder ob die Grauammer aufgrund ihrer Ortstreue erst mit Verzögerung auf Veränderungen reagiert, wird die Zukunft weisen.

Die Schafstelze weist eine weite Verbreitung im Untersuchungsgebiet auf. Die meisten Vorkommen wurden innerhalb der weithin offenen Feldflur, in größerer Entfernung zu den Randstrukturen des Buchholzer Hanges, Buchholzer Tales und der Baggertrasse registriert, wobei die Vorkommen zum Teil in den Randbereichen, zum Teil im Inneren der Schläge lokalisiert waren. Auf Feldern mit integrierten Einsaatstreifen konzentrieren sich die Beobachtungen auffällig an diesen Zusatzstrukturen. Dies legt den Schluss nahe, dass diese Streifen die Ansiedlung von Schafstelzen fördern.
Die weitaus meisten Reviere wurden auf Getreidefeldern festgestellt, einzelne auch auf Erbse und Luzerne. Nach GLUTZ VON BLOTZHEIM (1985) werden in Getreide- und Ackerkulturen Siedlungsdichten von 0,5-0,7 Reviere/10 ha selten überschritten. VOIGTLÄNDER et al. (2001) geben für Wintergetreide Dichten von 0,5-1,5 Reviere/10 ha an. Bezogen auf diese Vergleichswerte weist das Untersuchungsgebiet einen eher unterdurchschnittlichen Besatz mit Schafstelzen auf. Die höchste Siedlungsdichte wurde im Jahr 2006 mit 0,3 Revieren/10ha erreicht.

Der Wiesenpieper ist im Untersuchungsgebiet sowohl in der Feldflur als auch in den Randbereichen verbreitet. Innerhalb der offenen Feldflur ist er an Saumstandorte wie Wegränder, Gräben und Feldraine gebunden, wobei die breiteren Saumstrukturen im Süden der Feldflur einen Verbreitungsschwerpunkt bilden. Außerhalb der Feldflur stellt die Baggertrasse einen Schwerpunktlebensraum dar.
Im Jahr 2006 wurden in der Feldflur mit 15 Revieren weniger Vorkommen als im Vorjahr (24 Reviere) festgestellt, dafür wurde eine etwas höhere Bestandszahl im Bereich der Randstrukturen ermittelt (24 Reviere). Dennoch war die Siedlungsdichte des Wiesenpiepers insgesamt geringer als in den Vorjahren. Im Jahr 2007 ist ein leichter Anstieg der Wiesenpieperreviere zu verzeichnen (21 Feld-, 22 Rand-Reviere). Als mögliche Ursachen für den Rückgang im Jahre 2006 kommen ungünstige klimatische Bedingungen in den südwesteuropäischen Überwinterungsgebieten in Frage (vgl. BAUER et al. 2005).
Das Untersuchungsgebiet ist aufgrund der Prägung durch Ackerbau wenig prädestiniert als Wiesenpieper-Lebensraum. Die Erfassungsergebnisse belegen jedoch, dass die mit breiten
Saumstrukturen angereicherten Bereiche der Feldflur sowie betriebsbedingt entstandene Randstrukturen wie die Baggertrasse eine hohe Lebensraumeignung für Wiesenpieper aufweisen.
Es kann daher davon ausgegangen werden, dass sich ein größerer Bestand des Wiesenpiepers im Betrachtungsgebiet dauerhaft halten kann, wenn ein entsprechendes Angebot
an gehölzfreien Flächen bzw. unbewirtschafteten Saumstrukturen mit niedriger und nicht allzu dichter Krautschicht erhalten bleibt.

Der Kiebitz wurde 2006 erstmals im Untersuchungsgebiet als Brutvogel nachgewiesen. Es handelte sich um eine Brutkolonie mit mindestens 10 adulten Tieren, d.h. mindestens 5 Brutpaaren. Die mutmaßlichen Brutbereiche waren im südlichen Teil der Feldflur lokalisiert, und zwar auf Roggen, der (wie alle Getreidekulturen) im Jahr 2006 aufgrund des lang andauernden Winters erst mit deutlicher Verzögerung auflief; weiterhin auf Luzerne. 2007 bestand die Brutkolonie aus 6 Tieren, die auf einem Maisschlag siedelten. Dies entspricht der Vorliebe des Kiebitzes für Kulturen, die im Frühjahr noch nicht oder erst spärlich bewachsen sind.
In den Nordrhein-Westfälischen Agrarlandschaften wie der Kölner Bucht, zu der das Untersuchungsgebiet naturräumlich gehört, sind Kiebitze noch relativ verbreitet (vgl. KÖNIG 2003). Generell werden Ackerflächen im Vergleich zu Feucht- bzw. Extensivgrünland als suboptimale Brutstandorte für den Kiebitz eingestuft: Der Bruterfolg ist hier im Allgemeinen geringer, da es zu Gelegeverlusten durch maschinelle Bearbeitung kommen kann und das Nahrungsangebot für Jungtiere vergleichsweise gering ist (vgl. u.a. BAUER & BERTHOLD 1997). Kiebitze gelten als relativ standorttreu. Daher ist damit zu rechnen, dass es auch in Zukunft zu Brutversuchen im Betrachtungsgebiet kommen wird. Eine dauerhafte Ansiedlung ist jedoch vom Bruterfolg abhängig.

Kernaussagen (Fazit)

  • In der rekultivierten Feldflur (ohne Randstrukturen und Grünzüge) hat sich eine feldflurtypische Avizönose eingestellt: Seit Beginn der Erfassungen im Jahr 2002 konnten Feldlerche, Schafstelze, Wiesenpieper, Grauammer, Rebhuhn, Wachtel und Fasan als Brutvögel nachgewiesen werden, in den Folgejahren außerdem Rohrammer, Dorngrasmücke, Goldammer (nur in ungenutzten Randstrukturen) und ab 2006 als Brutvogel auch der Kiebitz.
  • Faunistisch besonders bemerkenswert ist die kopfstarke Population der in NRW laut Roter Liste „stark gefährdeten“ Grauammer (Maximalwert 2005: 39 Reviere, 2007: 24 Reviere). Die Art siedelte zunächst überwiegend in Luzerneschlägen, 2007 wurde ein hoher Anteil in ungenutzten Randstrukturen der offenen Feldflur festgestellt.
  • Weiterhin beachtlich sind größere Vorkommen der landesweit ebenfalls als „stark gefährdet“ bzw. „gefährdet“ eingestuften Offenlandarten Rebhuhn (Maximalwert 2003, 2005: 26 Reviere, 2007: 19 Reviere), Wiesenpieper (Maximalwert 2005: 53 Reviere, 2007: 43 Reviere) und Schafstelze (Maximalwert 2006: 26 Reviere, 2007: 20 Reviere). Wachtel und Kiebitz als weitere gefährdete Feldflurarten haben im Untersuchungsgebiet kleine Vorkommen.
  • Die für Deutschland und Nordrhein-Westfalen als „zurückgehend“ eingestufte Feldlerche ist im Untersuchungsgebiet verbreitet und häufig. Im 859 ha großen engeren Untersuchungsgebiet wurden bis zu 302 Reviere festgestellt (Maximalwert von 2005), im letzten Untersuchungsjahr 2007 222 Reviere. Die über mehrere Jahre ermittelten Dichtewerte lagen zwischen 2,4 und 3,5 Revieren/10 ha und somit in Größenordnungen, die auch in nicht rekultivierten Agrarlandschaften erreicht werden. Die offene Feldflur des Untersuchungsgebietes bietet Voraussetzungen für ein dauerhaftes und stabiles Vorkommen der Art.
  • Die nicht bewirtschafteten Randstrukturen innerhalb der jüngeren Rekultivierungsbereiche haben eine hohe Bedeutung für die Feldflurarten Grauammer, Wiesenpieper und Rebhuhn. Zur Sicherung der naturschutzfachlich bedeutsamen Vorkommen ist es erforderlich, das Angebot an Habitatrequisiten, u.a. hinsichtlich Vegetationsstruktur und Nahrungsangebot, zu sichern.
  • Die Grünzüge Buchholzer Hang und Buchholzer Tal stellen mit ihren strukturreichen, überwiegend gehölzgeprägten Lebensräumen eine deutliche Bereicherung des Lebensraumangebotes für die Avifauna im Untersuchungsgebiet dar. Hier konnten alljährlich zahlreiche Brutvogelarten festgestellt werden, insbesondere Arten deckungsreicher bzw. gebüschgeprägter Lebensräume. Bemerkenswert sind größere Vorkommen der Dorngrasmücke, mehrere Vorkommen von Schwarzkehlchen, Turteltaube und Feldschwirl sowie Einzelvorkommen von Neuntöter und Nachtigall. Einzelne dieser Arten konnten auch am Winkelheimer Grund sowie in den einheitlicher strukturierten Gehölzzügen bei Bedburg-Broich und Bedburg-Rath nachgewiesen werden. Am Winkelheimer Grund wurde auch der Grünspecht als mutmaßlicher Brutvogel festgestellt.

Die rekultivierte Feldflur

Feldrain (Fortuna)

Landwirtschaft prägt fruchtbare Landstriche wie die Kölner Bucht, wo die Kulturlandschaft seit Jahrhunderten durch den Ackerbau geformt wird. Bedingt durch die Braunkohlengewinnung wird überwiegend landwirtschaftlich Fläche in Anspruch genommen. Dieser Anteil umfasst inzwischen rund 200 Quadratkilometer. Dort, wo Landwirtschaft den Hauptanteil der Tagebaufläche ausmacht, kehrt diese Nutzungsart und damit eine für Bördelandschaften typische Feldflur durch die Rekultivierung zurück. Rund 100 Quadratkilometer neuer Felder sind während vergangener Jahrzehnte entstanden. Aufgrund der hohen Bodenfruchtbarkeit, der hohen Ertragsfähigkeit werden die neuen Felder überwiegend für den Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln, aber auch Gemüse genutzt. Die Viehhaltung spielt hingegen eine geringe Rolle, so dass der Feldfutterbau oder die Grünlandbewirtschaftung nahezu unbedeutend sind. Die ackerbaulich genutzten Feldfluren bilden eigene Lebensräume. Zahlreiche Pflanzenarten entstanden sind erst durch den Ackerbau, viele Tierarten nutzen die Feldflur als offenen Lebensraum. Wenngleich Landwirtschaft die natürlichen Ressourcen nutzt und Konkurrenz von Gräsern und Kräutern oder durch tierische Schädlinge auszuschließen trachtet, wird sie häufig irrtümlich als Gegenpol zum Naturschutz verstanden. In der Feldflur erfüllen wirtschaftlich nicht oder kaum genutzte Räume besondere Lebensraumfunktionen. Zu nennen sind etwa Feld- und Grabenraine, Gewässer mit ihren Randzonen, Hecken und Feldgehölze. Durch behutsame Pflege kann der Nutzen dieser Bereiche für den Naturschutz erheblich gesteigert werden. Die Ausweisung und der Bestandsschutz solcher Zonen bildet ein typisches Merkmal der landwirtschaftlichen Rekultivierung. Die bewirtschaftete Ackerfläche ist als Lebensraum keineswegs zu unterschätzen. So können die Feldfrüchte sowohl Nahrung als auch Deckung bieten. Mit zahlreichen Maßnahmen, die für die Produktion etwa von Getreide und anderen Agrarprodukten gar nicht von Nöten wären, können zusätzliche Beiträge zum Natur- und Artenschutz in den offenen Agrarlandschaften geleistet werden.

Etwa durch vorübergehende Flächenstilllegung als Teil des EU-Agrarprogramms kann die Nutzungsvielfalt und damit auch das Nahrungsangebot einer Feldflur deutlich erhöht werden. Pflanzenschutzmaßnahmen, Pflege- und Erntemaßnahmen können durch entsprechende Verfahren oder die Beachtung geeigneter Zeiträume schonend ausgeführt werden. Strategische Allianzen könne der Naturschutz in der Jagd aber auch bei Landkreisen und Kommunen etwa bei der Gestaltung und Umsetzung von Agrarumweltprogrammen gefunden werden.
Agrarökölogische Begleitmaßnahmen gehören seit über 10 Jahren zum Standardrepertoire unserer Landwirtschaftsbetriebe, den sogenannten Schirrhöfen. Nutzungsvielfalt und Förderung von Lebensräumen stehen dabei im Vordergrund. Die rekultivierten Felder des ehemaligen Braunkohletagebaus Fortuna-Garsdorf bilden im Verbund mit dem Buchholzer Hang, der Rather Mulde und der Glescher Mulde ein rund 10 Quadratkilometer umfassendes Gebiet, in dem der Hase besonders gefördert wird. Gemeinsam mit Förstern und Jägern haben die Landwirte des Schirrhofes spezielle Feldraine, Streifensaaten und Streifenbrachen angelegt. Bei der Getreideernte wurde auf großen Teilflächen das Stroh in langen Stoppeln stehen gelassen, um zusammen mit den hochgewachsenen Rainen und Krautstreifen zusätzliche Deckung zu bieten. Vereinzelt stehen die zurückhaltenden Pflegekonzepte ganz bewusst im Widerspruch zum verbreiteten Ordnungssinn. Denn aus Hasensicht gilt bei der Pflege der Landschaft der Wahlspruch „weniger ist mehr“. Raine und Streifen sind immer so ausgeführt, dass sie die Feldarbeit nicht unnötig behindern. Der wirtschaftlich messbare Ertragsausfall hält sich in engen und damit vertretbaren Grenzen. Mit dem Programm für den Hasen werden viele andere Tierarten ebenso gefördert. So erweist sich Landwirtschaft als probates Werkzeug für den Natur- und Artenschutz.

"Hochzeitsreigen" während der Paarungzeit im März

Der Feldhase - ein Menschenfreund

Dieser Titel mag verwundern, denn nicht nur in der Fachpresse ist zunehmend zu hören, dass sich der Feldhase in unserer Landschaft nicht mehr wohl fühlt, er sogar auf die Rote Liste des Landes Nordrhein-Westfalen geraten ist und wir uns als Menschen wohl eher um diese liebenswerte Tierart sorgen müssen. Dabei ist der Hase - mit lat. Namen Lepus europaeus, worin die deutsche Ableitung „Lampe“ ihren Ursprung findet - ein regelrechter Kulturfolger.

Als Tier der offenen Landschaften, der Steppen, wurde der Hase durch die starke Entwicklung der Landwirtschaft in Mitteleuropa in derartig hohen Zahlen gefördert, dass er zum klassischen Festtagsbraten in der Winterzeit wurde - daher auch der Spruch: „Dort liegt der Hase im Pfeffer.“ -, zum anderen wurde seine große Vermehrungsrate geradezu sprichwörtlich. Immerhin setzt der Hase 3-4 Mal im Jahr bis zu 5 Junge. Seine Fortpflanzungsfreudigkeit wurde zum Sinnbild für den hereinbrechenden Frühling, weshalb der Hase untrennbar mit der Osterzeit verbunden ist. Der „Osterhase“ mag seinen festen Platz in der Brauchtumspflege auch deswegen gefunden haben, weil er gerade im März/April besonders häufig beobachtet werden kann. Auf der jungen Saat versammeln sich oft bis zu 8 Hasen zum Hochzeitsreigen und nähern sich in wilder Jagd oft furchtlos den wandernden Menschen oder auch Häusern, Wegen und Straßen.

Es ist geradezu erstaunlich, dass auch in unserer heutigen technisch geprägten Welt der Osterhase seinen festen Platz in den Kinderherzen erhalten hat. Welches Kind hat nicht die berühmten Geschichten aus der Hasenschule gelesen? Geschichten, die Mensch und Tier eng miteinander verbinden.

In diesem Zusammenhang sind auch Beobachtungen von Jägern hochinteressant, dass der Hase, wenn er sich durch Greif oder Wiesel bedroht fühlt, dann im Gelände befindliche Menschen anläuft, um scheinbar bei diesen Schutz zu suchen. Waldbesucher, die sich still auf einer Bank, einem Baum oder im Schutz einer Hecke niederlassen, werden beobachten, dass Hasen, die sich das nasse Fell nur zu gern auf den Feldwegen trockenlaufen, manchmal auf geringste Entfernung am Beobachter vorbeihoppeln, ihn erstaunt beäugen, um dann furchtlos von dannen zu ziehen.

Junghasen gut getarnt in ihrer Sasse

Geradezu intelligent schützt er sein Nacht- und Tageslager, die sog. Sasse, vor neugierigen Besuchern. Diese Lager sucht er nämlich nur durch ein Zurücklaufen in der eigenen Spur auf, an das sich ein riesiger Seitensprung anschließt. Daher und wegen seines Fluchtverhaltens der uns Menschen zugedichtete Spruch: „Er schlägt Haken wie ein Hase.“

Dem Hasen kommt auch zugute, dass er sich mit der Ackerkrume in bester Verbindung fühlt. Sein Lebensraum ist nicht der Wald oder die heckenreich ausgestattete Landschaft. Er kommt sehr gut mit der Bewirtschaftung in den Feldern zurecht. Im umgepflügten Acker drückt er sich in die Bodenvertiefungen, so dass selbst der geschulte Hund an ihm vorbeiläuft und der Mensch zusammenschrickt, wenn sich plötzlich 2 m hinter ihm der Hase aufmacht und das Weite sucht.

Der Hase hat allen Grund, sich in Deckung zu halten,
denn die Zahl seiner Feinde ist riesengroß.
So gilt der Jägerreim auch weiterhin:

Menschen, Hunde, Wölfe, Luchse,
Katzen, Marder, Wiesel, Füchse,
Adler, Uhu, Raben, Krähen,
jeder Habicht, den wir sehen,
Elstern auch nicht zu vergessen,
alles, alles will ihn fressen.
(von Wildungen)

Es ist aber nicht nur die Vielzahl dieser Feinde, die dem Hasen heute zu schaffen macht. Negativ wirkt sicher auch die Art unserer heutigen Landbewirtschaftung, nämlich maschinengerechte Großschläge zu haben mit wenigen Randeffekten, die lebensnotwendigen Kräuter aus unseren Landschaften zu vertreiben und schließlich die Vielzahl an Wegen und Straßen, die ihm immer wieder zum Verhängnis wird. Darüber hinaus ist der Hase sehr klimaabhängig. Ist die Witterung in Frühjahr und Frühsommer zu feucht, hilft ihm seine sprichwörtliche Fortpflanzungsfähigkeit wenig, denn die Junghasen kommen vielfach um.