FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Biodiversität der Vögel

Arten-Areal-Beziehung:

In logarithmischer Darstellung besteht eine lineare Beziehung zwischen der Größe des Untersuchtengebietes und der Zahl an Vogelarten. Für Mitteleuropa ist diese Norm bekannt. Die Untersuchungen aus der Rekultivierung belegen, dass die rekutlvierten Gebiete gut in dieser Norm liegen

Biodiversität der Vögel in der Rekultivierung

Auszug aus der Veröffentlichung:
Möhlenbruch, N. und U. Dworschak (1998): Die Entwicklung der Avifauna als Ausdruck der Biodiversität im rheinischen Braunkohlenrevier. Braunkohle, 5, 1998: 505-511

In NRW sind 166 Brutvogelarten inklusive Vermehrungsgäste festzustellen. In der Rekultivierung kann man von 108 brütenden Vogelarten ausgehen (Giller, 1976; Baierlain und Kühlborn, 1989; Baierlein, 1998; Dahmen, 1998; unveröffentlichte Daten), wobei 37 % nach der Roten Liste als gefährdet gelten. Vergleichen wir diese Zahlen mit NRW, stellen wir fest, daß 65 % der Brutvogelarten dieses Landes und 45 % der nach der Roten Liste gefährdeten Arten - bereits heute -in der Rekultivierung vorkommen.
Dieser Hinweis auf die noch relativ kurzen Entwicklungszeiten ist wichtig, da man gerade bei Waldflächen die erst 80jährige Geschichte der Rekultivierung im Rheinland beachten muß — das Reifestadium des Waldes in unseren Breiten ist erst mit frühestens 200 Jahren erreicht. Wie die unten stehende Tabelle zeigt, ist ein sehr hohes Besiedlungspotential feststellbar. Allerdings ist bei solchen Vergleichen die unterschiedliche Größe der Gebiete bedeutsam: es stellt sich die Frage, inwieweit die Gesamtartenzahlen dieser Gebiete vergleichbar sind.
Zu diesem Vergleich kann man die Arten-Areal-Kurve (siehe Abbildung) heranziehen. Sie steigt am Anfang sehr rasch an und wird dann immer flacher. Das heißt, je mehr Arten man bereits erfasst hat, umso größer ist die Fläche, die man hinzuziehen muß, um eine neue Art zu finden. Dies wird durch eine logarithmische Funktion beschrieben. Hier ist diese Artenareal-Kurve für größere Rekultivierungsgebiete dargestellt. Die Ausgleichsgerade ist die für Mitteleuropa ermittelte Standardfunktion (Bezzel und Prinzinger,1990) - sie gibt für Flächen ab etwa 1 ha Größe die Norm vor. Zum Vergleich sind einige konkrete Ergebnisse von Flächen ohne Tagebaubeeinflussung und für Gesamt-NRW angegeben; sie liegen sehr gut auf der Normgeraden. Aber auch die rekultivierten Gebiete liegen gut in dieser Norm: Die großräumige Artenvielfalt entspricht also den Verhältnissen auf Altland. Bei so verschiedenartig spezialisierten Indikatorarten wie den Vögeln darf man dies sicherlich als Indiz werten, dass die Diversität - die Vielfalt der Lebensgemeinschaften und Ökosystemtypen - der ursprünglichen Landschaft entspricht.
Dies zeigt, daß die Rekultivierung durchaus das Potential hat, eine ebenso große Biodiversität und auch ebenso typische Gesellschaften zu beherbergen wie die ursprüngliche Landschaft. Die Vögel unterscheiden sich von anderen Tiergruppen dadurch, daß sie kaum Ausbreitungshindernisse vorfinden. Daher mögen die Ergebnisse nicht unmittelbar z. B. auf Schnecken übertragbar sein. Andererseits belegen sie, daß die Rekultivierung durchaus ein "normaler" Lebensraum ist. Entsprechend findet man auch bei vielen anderen Tiergruppen eine ähnlich erfolgreiche typische und artenreiche Besiedlung, z. B. bei Laufkäfern, Regenwürmern, Spinnentieren, Amphibien, Wanzen. Rekultivierung ist für heimische Arten, die nicht in der Ausbreitung behindert sind, ein geeigneter Lebensraum. Zumindest für solche Artengruppen ist nicht mit einem Verlust der Biodiversität zu rechnen. Die unterschiedlichen Rekultivierungsformen sind Grundlage für die Bildung unterschiedlicher Vergesellschaftungen, ähnlich wie auf Altland. Vor allem die Entwicklung in Richtung Wald kann durch Rekultivierung nachhaltig gefördert werden, ein wichtiger Aspekt zur Erhaltung der regionalen Biodiversität.

Link zur Tabelle:

Artenzahlen der Vögel: Anzahl der Vogelarten für rekultivierte und unrekultivierte Untersuchungsgebiete im Rheinischen Braunkohlenrevier

Weiterführende Literatur

  • Bairlein, F. und Kühlborn, H.-J. (1989): Die Besiedlung junger forstlicher Rekultivierungsflächen am Tagebau Hambach durch Vögel. Natur und Landschaft, 64, 10: S. 445-448.
  • Bairlein, F. (1998): Die Vogelwelt rekultivierter Standorte. In: W. Pflug (Hrsg.): Braunkohlentagebau und Rekultivierung: Landschaftsökologie - Folgenutzung - Naturschutz. Berlin, Heidelberg u.a.: Springer Verlag. 316 -324.
  • Bezzel, E. und R. Prinzinger (1990): Ornithologie. Stuttgart: Ulmer.
  • Dahmen, P. (1998): Ressourcennutzung und Dynamik der Avizönosen einer Braunkohlentagebau-Rekultivierungsfläche unter besonderer Berücksichtigung von Höhlenbrütern. Dissertation RWTH Aachen. Aachen: Shaker Verlag. 150 S.
  • Giller, F.G. (1976): Die Avifauna des rheinischen Braunkohlengebietes. Beiträge zur Avifauna des Rheinlandes, 7/8: 515 S.