FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Eisvögel in der Rekultivierung

Eisvogel (Alcedo atthis)

Vor 15 Jahren errichtete Herr von Dewitz zusammen mit dem Forstamt Rheinbraun eine Eisvogelbrutwand. Seither sind viele Jahre vergangen - in den ersten Jahren war kein Erfolg zu vermelden.

Aber mit dem langen Atem des geduldigen Naturfreundes blieb von Dewitz bei der Sache: baute neue Brutwände an anderer Stelle, entwickelte mit gleichgesinnten Freunden und Bekannten neue vereinfachte Bauformen und verbesserte die Technik. Und siehe da - der Erfolg stellte sich ein!

Mittlerweile zieht an rekultivierten Gewässern im südlichen Erftkreis eine Vielzahl von Brutpaaren ihre Jungvögel erfolgreich groß. Allein im Jahr 2001 sind hier 12 Bruten an sieben künstlichen Steilwänden ausgeflogen. Dies war Anlass für uns am 10 April 2002 Fachleute aus Verbänden und Behörden zu einem Rundgespräch über den Eisvogelschutz in die Forschungsstelle einzuladen.

Wilhelm von Dewitz und Edmund Barbian stellten in Wort und Bild ihre Erfahrungen mit dem Schutz dieses fliegenden Juwels vor.

Eisvogelwand:

Diese künstliche Brutwand wurde 1986 errichtet. Damals noch sehr aufwändig aus Löß

Dem Eisvogel (Alcedo atthis) kann geholfen werden — Gedanken zum Artenschutz
Wilhelm von Dewitz

Die wichtigsten Lebensgrundlagen für den Eisvogel sind:

Gewässer mit geeigneter Fischnahrung. Das können Bäche, Seen und Teiche sein, in denen ganzjährig Kleinfische von 4 — 7 cm Länge vorkommen.

Ausreichend ungestörte Ansitzplätze über dem Wasser. Denn der Eisvogel erbeutet seine Nahrung durch Stosstauchen etwa aus 50 — 150 cm Höhe.Steilwände für das Anlegen einer Brutröhre. Eisvögel brauchen mindestens 50 cm, besser 150 cm hohe senkrechte Abbruchkanten des Bodens, in die sie ihre Brutröhre graben können. Das Bodenmaterial darf nicht zu fest, nicht zu locker oder zu steinig sein. Optimal sind durch Hochwasser verursachte steile Uferabbrüche an naturnahen Bächen im sandigen Lehm. Für den Bau der im Mittel 65 cm tiefen Bruthöhle, bestehend aus der Niströhre und dem anschließenden Brutkessel, lockert und löst der Eisvogel den Boden mit seinem kräftigen Schnabel und scharrt ihn mit den Füßen hinaus. Es sind auch Steilwände bekannt, die weitab vom Nahrungsgewässer liegen. Sogar technische Bauwerke können bei Eignung genutzt werden.

Einfache künstliche Brutwand:

Eine technisch wesentlich einfachere Wand - aber genauso effizient

Soll dem Eisvogel überhaupt geholfen werden?

Für den Eisvogel trifft sicherlich das gleiche zu, was zum Beispiel für die Schleiereule gilt. Dass allein durch menschliches Handeln die ursprünglich vorhandenen Brutplätze verloren gegangen sind. Bei der Schleiereule waren es die alten Scheunen, Kirchen, Burgen u.ä. Landesweite Nistkastenaktionen haben ganz wesentlich zur Erholung des Schleiereulenbestandes beigetragen. Beim Eisvogel sind es die natürlichen Steilwände an Bächen und Flüssen. Über viele Jahrzehnte waren Wasserbau- und Flurbereinigungsingenieure gefordert, Bäche und Flüsse zu begradigen und mit trapezförmigen Abflussprofilen für jedes Hochwasser auszubauen, damit die seitlichen Grundstücke vor Überschwemmungen geschützt und besser genutzt werden konnten.

Steilwand am Bach:

Am besten ist es, wenn man - so wie hier - einfach ein vorhandenes Ufer abstechen kann. Das Einflugloch liegt gut geschützt, fast unsichtbar unter der überhängenden Ufervegetation

Wie kann dem Eisvogel geholfen werden?

Die meisten Bäche und Flüsse sind in den letzten Jahren deutlich sauberer geworden. Fehlanschlüsse aus der Abwasserkanalisation wurden beseitigt, die aus Kläranlagen eingeleiteten Abwässer werden dank aufwendigeren Klärtechniken besser gereinigt. Damit kehren Kleinfischarten wie Gründling, Dreistachliger Stichling und Ukelei in die Bäche zurück. Fischnahrung gibt es also wieder. Was fehlt, sind geeignete Brutplätze, sind Steilwände. Hier ist Hilfe gefordert.

Baumaterial:

Drainagerohre aus Ton; Betoplan- oder Eterplan-Platte; Nesthaube aus Holzbeton (kann man in einem alten Farbkübel selber herstellen

Vorgehensweise:
1)

Erfassung aller vorhandener Fließ— und Stillgewässern, die aufgrund des Fischbestandes vom Eisvogel als Nahrungsgewässer aufgesucht werden
2)
zunächst durch Studium von topografischen Karten TK 25 bis TK 5
3)
dann durch Begehung und Befragung von Anglern und den für die Gewässerunterhaltung zuständigen Mitarbeitern (Bachwärter, Grabenmeister) von Wasserverbänden oder Kommunen nach Eisvogelbeobachtungen
4)
Kontaktpflege mit den Unteren Wasserbehörden der Kreise und den Verbandsingenieuren der unterhaltungspflichtigen Wasserverbände
5)
Erfassung vorhandener Steilwände und Brutplätze an Fließgewässern sowie in alten Kies- oder Sandgruben, Klärteichen und sonstigen Abbruchkanten unweit von Nahrungsgewässern (Eisvögel können auch weitab von Gewässern brüten!)
6)
Erkundung potentieller Steilwände an ausgebauten Bächen, wo Hochwässer bereits erste Böschungserosionen verursacht haben und wo durch Abstechen mit dem Spaten eine geeignete Steilwand hergestellt werden könnte. Vor Arbeitsbeginn ist unbedingt die Zustimmung des Gewässereigentümers/Unterhaltungspflichtigen einzuholen.
7)
Anlegung künstlicher Steilwände im Bereich von Nahrungsgewässern dort, wo sich natürliche Steilwände nicht ausbilden können und/oder der anstehende Boden wegen seinen Struktur vom Eisvogel für den Niströhrenbau nicht genutzt werden kann. Auch hier ist vorher das Einverständnis des Grundeigentümers und ggf. Pächters einzuholen.

Bauplan

Das Artenschutzkonzept

Priorität hat immer der Erhalt vorhandener Steilwände und Brutplätze. Nicht selten verlaufen aber entlang von Bächen Wirtschaftswege und Abwassersammler, die einen fortschreitenden Uferabbruch nicht zulassen. Sofern hier eine Ufersicherung zwingend erforderlich wird, muss als Ausgleich die Herstellung von Steilwänden an anderen Stelle gefordert werden.

An 2.Stelle steht die Herstellung von Steilwänden an naturnah ausgebauten Bächen, wenn seitliche Uferstreifen den Raum hierfür hergeben und der anstehende Boden geeignet ist — Der Eisvogel soll seine Bruthöhle selbst graben!

Erst an 3.Stelle steht der Bau künstlicher Steilwände und künstlicher Bruthöhlen, wenn ein ausreichendes Nahrungsrevier vorhanden ist.