FORSCHUNGSSTELLE REKULTIVIERUNG
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Rückblick: Tag der Biologischen Vielfalt 2016

Sonntag, 22. Mai

Seit 2001 ist der 22. Mai Internationaler Tag der biologischen Vielfalt. Er erinnert an den 22. Mai 1992, an dem der Text des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt offiziell angenommen wurde.
Ein großer Artenreichtum prägt auch die Rekultivierung ehemaliger Tagebaubereiche. Diese Vielfalt erschließt sich einem oft erst bei näherem Hinsehen. Dieser sprichwörtlich zweite Blick sollte im Rahmen von Exkursionen am Tag der biologischen Vielfalt ermöglicht werden.

Exkursionen

Die Forschungsstelle Rekultivierung hat am Sonntag, 22. Mai, zu drei mehrstündigen Exkursionen eingeladen. Sie waren kostenlos und richteten sich an naturkundlich interessierte Bürger. Unter der Leitung von Fachleuten erkundeten sie den Artenreichtum im Umfeld des Forums terra nova bei Elsdorf, in der rekultivierten Indeaue oder auf der Königshovener Höhe.

Tagebau Garzweiler

Die rund dreistündige Wanderung führte unter Leitung von Oliver Tillmans und Gregor Eßer auf die Königshovener Höhe, einer überwiegend landwirtschaftlich genutzten Hochfläche mit bewaldeten Böschungen. Dabei standen folgende Stationen im Vordergrund der Exkursion:

Königshovener Mulde
Die Königshovener Mulde wurde in den 1990er Jahren als breiter Graben angelegt. Er soll nach starken Regenfällen das Wasser der angrenzenden Felder aufnehmen und in die Erft ableiten. Dies geschieht allerdings äußerst selten. In den letzten Jahren hat sich in der Königshovener Mulde eine artenreiche Grünlandgesellschaft etabliert, die sich durch einen besonderen Artenreichtum auszeichnet. So konnten Mitglieder der Entomolgischen Gesellschaft Düsseldorf hier über 650 Schmetterlingsarten feststellen.

Biotope im Umfeld der Aschedeponie
Rund um die Aschedeponie befinden sich zum Teil sehr artenreiche Wiesenflächen, die von lichten Gehölzbeständen gesäumt sind; ein idealer Lebensraum von seltenen Vogelarten wie Schwarzkehlchen oder Neuntöter. Auch der Bienenfresser kommt hier vor. Zwischen den lichten Gehölzen wächst die sehr seltene Bienenragwurz, eine Orchideenart.

Ackerflächen in der Rekultivierung
Die von breiten, oft blütenreichen Feldrainen gesäumten Ackerflächen der Königshovener Höhe zeichnen sich durch eine äußerst artenreiche Vogelwelt aus. Insbesondere die im Zuge der Zwischenbewirtschaftung durch RWE angelegten mehrjährigen Luzerneflächen tragen zur Artenvielfalt und –dichte typischer und vielfach gefährdeter Arten bei. In der Feldflur können Weihen (Rohr-, Korn-, Wiesen-, Steppenweihe) Steinschmätzer, Grauammern und unzählige Feldlerchen beobachtet werden. Zudem konnte in diesem Jahr eine Brut der Sumpfohreule (gilt in NRW seit 1982 als ausgestorben) nachgewiesen werden.

Sonderkulturen in der Rekultivierung
Neben klassischem Ackerbau findet auf der Königshovener Höhe auch der Anbau von Sonderkulturen statt. Hierzu zählen der Wein und Obstanbau, der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen (KUP: Kurzumtriebsplantage) sowie der Heil- und Gewürzpflanzenanbau.

Waldflächen im Bereich des Piels-Busch
Die Waldflächen im Bereich des Piels-Busch zeichnen sich durch eine besonders artenreiche Orchideenfauna aus. Bisher konnten hier 15 Arten nachgewiesen werden, unter anderem das Schmalblättrige Waldvögelein oder das Gefleckte Knabenkraut.

Tagebau Hambach

Naturschutzbeauftragter Gregor Eßer und Förster Michael Zimmer führten die Teilnehmer über rund fünf Kilometer durch die überraschend artenreiche offene Landschaft zwischen den Elsdorfer Ortsteilen Berrendorf und Grouven. Dabei standen die zahlreichen Artenschutzmaßnahmen im Vordergrund, die RWE in diesem Raum durchgeführt hat. Besonders erwähnenswert sind dabei folgende Maßnahmen:

Artenschutzmaßnahmen im Wald:
Hierzu zählen der Erhalt und die Förderung von Totholz, etwa durch Ringeln von Bäumen oder durch das zusätzliche Ausbringen von Totholz, der Waldumbau, d.h. die Umwandlung von Nadel- in Laubwald sowie das Ausbringen von Nist- und Quartierhilfen. Durch diese Maßnahmen sollen vor allem an Altwald gebundene Arten wie Spechte und Fledermäuse gefördert werden

Artenschutzmaßnahmen im Offenland:
Hier werden je nach Zielart verschieden Maßnahmen umgesetzt. Die Anlage von Kleingewässern in Verbindung mit der Entwicklung steppenartiger Landlebensräume ist eine Artenschutzmaßnahme für Kreuz- und Wechselkröten. Das neu entstandene große Flachgewässer bei Berrendorf ist Rast- und Lebensraum von Limikolen. Halboffenlandstandorte und Gehölzstreifen dienen Fledermäusen als Nahrungsraum und Leitlinienstruktur. Speziell für den Stieglitz, Vogel des Jahre 2016, wurden Grünlandflächen mit Blühstreifen angelegt. Von all diesen Maßnahmen profitieren jedoch nicht nur die Zielarten, sie sind zudem Lebensraum zahlreicher weiterer Vogel- und Insektenarten.

Tagebau Inden

Um 14 Uhr startete am Aussichtspunkt Lamersdorf (Merödgener Straße) eine dreistündige Fahrrad-Exkursion. Sie führte über rund 20 Kilometer durch die Indeaue bis auf die Höhe von Jülich-Bourheim. Die Biologen Jochen Weglau und Annika Keller zeigten den Teilnehmern den vor gut zehn Jahren in die Rekultivierung verlegten Flussabschnitt.

Die Fahrradtour führte durch die 70-300m breite rekultivierte Indeaue. Im Vordergrund der Exkursion stand die leitbildkonforme Auenentwicklung der umverlegten Inde. Die Inde präsentiert sich als mäandrierendes Fließgewässer mit Prall- und Gleithängen, Kies- und Sandbänken. Immer wieder sind Uferabbrüche erkennbar, an denen sich Steilhänge gebildet haben. Vereinzelt sind Röhrichte und Kleingewässer entstanden. An vielen Stellen des Silberweidenauenwaldes können große Genistansammlungen beobachtet werden. Die naturnahe Entwicklung der Inde wird zudem an der auentypischen und artenreichen Flora und Fauna erkennbar. Mit etwas Glück können seltene Arten wie der Biber, der Eisvogel oder die Wasseramsel angetroffen werden.
Auf der tagebauseitig an die Indaue angrenzenden landwirtschaftlichen Fläche wurde ein 6m breiter Blühstreifen angelegt. Dazu wurde authochtones Saatgut verwendet. An einigen Abschnitten wurde auch Mahdgut übertragen. Der Blühstreifen ist sehr artenreich und zeichnet sich durch einen ausgeprägten Blühaspekt aus. Er ist Lebensraum zahlreichen Tier- und Pflanzenarten.