Eisvogel

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist mit einer Körpergröße von ca. 17 cm ein kleiner, gedrungener und kurzschwänziger Vogel von prächtiger Färbung („fliegender Edelstein“). Die Oberseite ist je nach Lichteinfall schillernd azur- bis kobaltblau, die Unterseite orange-braun gefärbt. Im Flug fällt der hellblaue Hinterrücken auf. Der kräftige, gerade Schnabel ist bei den Männchen ganz schwarz, bei den Weibchen mit rötlicher Basis.

Eisvogel ( Foto: L. Braun).

Der Eisvogel gehört zu den farbenprächtigsten und wohl auch schönsten Arten unserer heimischen Vogelwelt. Umso schwerer fällt zu glauben, dass der kleine Vogel mit dem leuchtend stahlblauem Rücken seine Niströhren in das Erdreich gräbt und hier seine Jungen aufzieht. Solche potenziellen Brutplätze findet die Art ursprünglich an natürlichen oder naturnahen Bächen und Flüssen des Tieflandes und der Mittelgebirge.

Sind durch die Wucht eines Hochwassers Ufer abgebrochen und so Steilabbrüche entstanden, kann der Eisvogel seinen Nistplatz zuerst im Flug, später dann sitzend in das Ufersubstrat graben.
Die selbst gegrabene Röhre endet in einem Brutkessel, in dem Männchen und Weibchen die Eier bebrüten und später auch die Jungen füttern und aufziehen. Gefüttert werden die Jungvögel mit kleinen Fischen, von denen sich auch die Altvögel fast ausschließlich ernähren. Diese erbeuten sie meist von einem Ansitz am Gewässer aus, indem sie mit dem Kopf voran ins Wasser eintauchen und den Kleinfisch dabei mit dem Schnabel fassen.

Durch den Verbau und die Begradigung fast aller Fließgewässer sind Steilwände und somit mögliche Brutplätze der Art jedoch selten geworden, so dass der Eisvogel – auch wegen der bis in die 80er Jahre zunehmende Gewässerverschmutzung – nur noch selten anzutreffen war. Heute ist er – auch dank der milderen Winter, in denen weniger Gewässer zufrieren – wieder deutlich häufiger geworden und in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet. Dennoch wird er landesweit noch als gefährdet eingestuft und ist von Naturschutzmaßnahmen abhängig.

Maßnahmen zur Förderung des Bestandes werden auch in den rekultivierten Tagebauflächen durchgeführt. Als wichtigste Schutzmaßnahme ist hier die Herstellung naturnaher Gewässer anzuführen. Dies sind zumeist Stillgewässer. Mit dem rekultivierten Indeabschnitt bei Düren oder dem Graben 100 (Fürstenberggraben) bei Frechen entstanden in der Vergangenheit aber auch naturnahe Fließgewässer.

An den zahlreichen Stillgewässern im Südrevier wurden schon vor längerer Zeit künstliche Eisvogel-Brutplätze von Wilhelm von Dewitz errichtet. Der ehemalige Mitarbeiter von Rheinbraun war jahrelang mit gleichgesinnten Freunden und Bekannten mit viel Geduld bei der Sache. Lange Zeit wurden die Wände von Eisvögeln nicht angenommen; die Bauformen und Technik mussten immer wieder verbessert und Brutwände an anderer Stelle neu errichtet werden, bis sich ein Erfolg einstellte.

An der rekultivierten Inde wurden 2007 und 2008 ebenfalls Eisvogelwände aufgebaut. Zuvor war der Eisvogel an der Inde mehrfach als Nahrungsgast beobachtet worden. Inzwischen hat er sich erfolgreich als Brutvogel in einem Prallhang der Inde etabliert. Ebenso konnte er 2016 erstmals als Nahrungsgast an den Rückhaltebecken auf der Sophienhöhe beobachtet werden. Daraufhin wurde im vergangenen Winter eine Nisthilfe errichtet. Es bleibt abzuwarten, ob diese 2017 angenommen wird.

Eisvogel mit Beute ( Foto: L. Braun)

Viele weitere Informationen finden Sie auf der folgenden Seite: www.naturschutzberater.de/home/eisvogel

Und hier können Sie im Frühjahr mit etwas Glück einen Eisvogel und seine Brut beobachten: Eisvogelwebcam

Sollte dem Eisvogel überhaupt geholfen werden?

Für den Eisvogel trifft sicherlich das gleiche zu, was zum Beispiel für die Schleiereule gilt - dass allein durch menschliches Handeln die ursprünglich vorhandenen Brutplätze verloren gegangen sind. Bei der Schleiereule waren es die alten Scheunen, Kirchen, Burgen u. ä. Landesweite Nistkastenaktionen haben ganz wesentlich zur Erholung des Schleiereulenbestandes beigetragen. Beim Eisvogel sind es die natürlichen Steilwände an Bächen und Flüssen. Über viele Jahrzehnte waren Wasserbau- und Flurbereinigungsingenieure gefordert, Bäche und Flüsse zu begradigen und mit trapezförmigen Abflussprofilen für jedes Hochwasser auszubauen, damit die seitlichen Grundstücke vor Überschwemmungen geschützt und besser genutzt werden konnten.

Wie kann dem Eisvogel geholfen werden?

Die meisten Bäche und Flüsse sind in den letzten Jahren deutlich sauberer geworden. Fehlanschlüsse aus der Abwasserkanalisation wurden beseitigt, die aus Kläranlagen eingeleiteten Abwässer werden dank aufwendigeren Klärtechniken besser gereinigt. Damit kehren Kleinfischarten wie Gründling, Dreistachliger Stichling und Ukelei in die Bäche zurück. Fischnahrung gibt es also wieder. Was fehlt, sind geeignete Brutplätze, sind Steilwände. Hier ist Hilfe gefordert.

Priorität hat immer der Erhalt vorhandener Steilwände und Brutplätze. Nicht selten verlaufen aber entlang von Bächen Wirtschaftswege und Abwassersammler, die einen fortschreitenden Uferabbruch nicht zulassen. Sofern hier eine Ufersicherung zwingend erforderlich wird, muss als Ausgleich die Herstellung von Steilwänden an anderen Stelle gefordert werden.

An zweiter Stelle steht die Herstellung von Steilwänden an naturnah ausgebauten Bächen, wenn seitliche Uferstreifen den Raum hierfür hergeben und der anstehende Boden geeignet ist - der Eisvogel soll seine Bruthöhle selbst graben!

Erst an dritter Stelle steht der Bau künstlicher Steilwände und künstlicher Bruthöhlen, wenn ein ausreichendes Nahrungsrevier vorhanden ist.

Wie baut man eine Eisvogelwand?

Die Wand wird zunächst gesetzt.

Danach wird von hinten mit sandigem Lehm aufgefüllt.

Die Seiten werden mit Steinen befestigt.

Die Schwegler-Brutröhre wird eingesetzt ...

... und ausgerichtet.

Das Material wird verdichtet ...

... und weiter aufgefüllt.

Fertig!

© Fotos (Bau der Eisvogelwand): Forschungsstelle Rekultivierung

zuletzt aktualisiert am 21.06.2017