Frimmersdorf/ Garzweiler

Forstliche Rekultivierung: aktuell ca. 900 ha

Landwirtschaftliche Rekultivierung: aktuell ca. 3 400 ha

Die Rekultivierungsbereiche der Tagebaue Garzweiler und Frimmersdorf werden heute in der Regel zusammengefasst. 1950 gab es im Bereich Frimmersdorf zwei aktive Gruben – die Grube Neurath und die Grube Heck. Zur Grube Neurath gehört die Außenhalde Gürather Höhe. Als die Gruben sich 1960 erreichten, wurden sie als Tagebau Frimmersdorf Süd weitergeführt. Gleichzeitig wurde westlich von Gindorf der Tagebau Frimmersdorf West aufgeschlossen. Die Außenhalden Vollrather und Neurather Höhe stammen aus dieser Zeit. Im Tagebaubereich Frimmersdorf wurden sehr heterogene Substrate verkippt. So finden sich auf der Vollrather Höhe Böschungen mit fast reinem Löss, aber auch sehr arme Sandböden. Auch auf der Neurather Höhe wurden oftmals sehr lössarme Forstkiesmischungen verkippt, sodass sich vor allem in Südwest-Exposition trocken-warme, für Orchideen interessante, Standorte entwickeln konnten.

Der Tagebau Garzweiler ging aus dem Zusammenschluss von Frimmersdorf Süd und West im Jahr 1983 hervor. Garzweiler I umfasst das Gebiet östlich der mittlerweile abgebaggerten Trasse der Autobahn A 44, das Abbaugebiet Garzweiler II liegt westlich.

Kaster mit Kasterer See - Teilbereich der Rekultivierung Garzweiler - im Jahr 2006 (© Foto: K. Görgen).

Im Zuge der Rekultivierung sind im ehemaligen Tagebaubereich Garzweiler mehrere markante Landschaftselemente entstanden, die sich als Teilgebiete unterscheiden lassen. Dazu zählen zum Beispiel die überwiegend aus Wiesen und Wald bestehende Erftaue, die Königshovener Mulde und das Elsbachtal. Die Gustorfer, Königshovener und Kasterer Höhe werden vorwiegend landwirtschaftlich genutzt, sind aber aufgrund ihrer Weite bei Offenlandarten beliebt und haben daher landesweite Bedeutung für Vogelarten der offenen Feldflur. Darüber hinaus sind auch Wasserflächen wie der Kasterer See entstanden und eine ehemalige Kieswäsche wurde zu einem wertvollen Biotop umgestaltet.

Zum Biotop umgestaltete ehemalige Kieswäsche (© Fotos: Forschungsstelle Rekultivierung).

Gemäß der vorherigen Nutzung als Ackerland werden in Garzweiler überwiegend Landwirtschaftsflächen geschaffen. Diese werden jedoch in aller Regel durch landschaftsgestaltende Maßnahmen zur Förderung von Offenlandarten ergänzt. So werden beispielsweise Blühstreifen, Hecken, Steinhaufen, Streuobstwiesen oder Kopfbaumreihen angelegt. Die für die landwirtschaftliche Rekultivierung typischen Luzernebrachen spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle als Nahrungs- und Bruthabitat für verschiedene Arten.

Artenreiche Blühstreifen in der landwirtschaftlichen Rekultivierung, Streuobstwiese auf der Königshovener Höhe und frisch gepflegte Kopfbäume im Elsbachtal (© Foto: K. Görgen und Forschungsstelle Rekultivierung).

Ökologische Besonderheiten

In der Rekultivierung Garzweiler wurden inzwischen mehr als 800 Pflanzenarten und über 1 200 Tierarten erfasst, wobei einige Tiergruppen noch gar nicht systematisch untersucht werden konnten. Viele dieser Arten sind gefährdet und auf der Roten Liste verzeichnet.

So finden sich unter anderem einige typische Arten der Feldflur wie Feldlerche (RL NRW 3), Grauammer (RL NRW 1, Abb. 5), Rebhuhn (RL NRW 2), Rohrweihe (RL NRW 3), Wachtel (RL NRW 2), Sumpfohreule (RL NRW 0), Steinschmätzer (RL NRW 1) und Drosselrohrsänger (RL NRW 1).

Darüber hinaus wurden Kreuz- und Wechselkröte (RL NRW 3 bzw. 2) sowie hunderte Haselmäuse in die Rekultivierung Garzweiler umgesiedelt. Entomologische Besonderheiten wie der Kurzschwänzige Bläuling (RL NRW 0), die Goldene Acht (RL NRW 3) und die Blauflügelige Ödlandschrecke (RL NRW 2) fühlen sich in den Offenlandflächen ebenso wohl wie zahlreiche Orchideenarten und andere botanische Raritäten. Darüber hinaus werden die rekultivierten Gebiete rund um Garzweiler wieder von Reh- und Schwarzwild, Fuchs und Dachs bewohnt.

Steinschmätzer (© Foto: N. Wolf).

Ausblick auf die noch ausstehende Rekultivierung

Für die Zukunft stehen noch die Erstellung des Jüchener Wäldchens, die Verlängerung des Elsbachtals und die Gestaltung des Kömtals als weitere Rekultivierungsmaßnahmen an. Ein Großteil des Tagebaus Garzweiler wird als Restsee erhalten bleiben. Seine Befüllung wird rund 40 Jahre dauern und über eine Leitung aus dem Rhein erfolgen. Die ursprüngliche Planung sah eine Wasserfläche von 23 km² und ein Volumen von 2 000 Mio. m³ Wasser vor. 2016 fiel die Leitentscheidung der Landesregierung, den Tagebau zu verkleinern und einige Siedlungen zu erhalten. Details zur zukünftigen Ausgestaltung der Wasserfläche werden daher erst mit Genehmigung des neuen Braunkohleplans feststehen.