Hambach

Forstliche Rekultivierung: aktuell ca. 1500 ha (inkl. ca. 100 ha Sonderflächen)

Landwirtschaftliche Rekultivierung: aktuell ca. 15 ha

Von 1978 bis 1991 wurden ca. 1,1 Milliarden Kubikmeter Abraum auf früherem Ackerland als Sophienhöhe aufgeschüttet. Dieser künstliche, bewaldete Berg überragt die Bördelandschaft um 200 Meter. Direkt und höhengleich an den Südhang der Sophienhöhe anschließend, schichtet der Tagebau seit 1986 auf ehemaligem Bergbaugelände nach und nach einen zweiten, bis zu 195 Meter hohen Abraumberg als überhöhte Innenkippe auf. Seine Oberfläche wird unregelmäßig und damit naturnah geformt und zu 90 Prozent von Wald bedeckt werden.

Luftaufnahme der Sophienhöhe 2007 (© Foto: RWE).

In dem überwiegend forstlich rekultivierten Gelände wurden inzwischen weit mehr als 10 Millionen Bäume gepflanzt, v. a. Laubgehölze wie Buche, Eiche und Wildobstbäume, aber auch Nadelgehölze. Jedes Jahr kommen hunderttausende neue Pflanzen dazu. Ein eigens auferlegtes Ziel ist es, den Anteil nichtstandortheimischer Gehölze auf maximal 10 % zu begrenzen. Neben den Neupflanzungen aus Baumschulen, werden Baumsamen in den Altbeständen des Tagebauvorfelds geerntet und ausgebracht, um das genetische Potenzial der heimischen Altwälder zu erhalten. Darüber hinaus wurde an vielen Stellen ökologisch wertvolles, stehendes Totholz eingebracht.

Stehendes Totholz (© Fotos: Forschungsstelle Rekultivierung).

Ziel der Revierförster ist es, den Wald möglichst naturnah und nachhaltig zu bewirtschaften und für eine ökologische Vielfalt zu sorgen. Zwischen den Waldflächen wurden zahlreiche Sonderbiotope angelegt: besonders nährstoffarme Standorte wie Magerrasen und Sandflächen, feuchte und tonige Standorte, Wasserflächen, Obstwiesen, Steinhaufen u. v. m. Diese zeichnen sich als Lebensraum seltener Arten und Hot Spots der Biodiversität aus.

Sonderbiotop Höller Horn - trockener und nährstoffarmer Standort durch Verkippung überwiegend tertiärer Sande und Regenrückhaltebecken als besonders feuchte Standorte auf der Sophienhöhe (© Fotos: Forschungsstelle Rekultivierung).

Baumartenverteilung auf der Sophienhöhe

Auf jedem Hektar neuer Rekultivierung werden rund 5.000 neue Bäume und Sträucher wie Speierling, Walnuss, Eichenlinde, Hainbuche, über Feldahorn, Trauben- und Stieleiche bis hin zu Edellaubhölzern wie Vogelkirsche, Esche oder Spitzahorn gepflanzt. Diese Mischung ist das Ergebnis Jahrzehntelanger Optimierung und Weiterentwicklung der Rekultivierungsstandards und bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Wiederherstellung der in Anspruch genommenen Flächen.

Erfolgsindikatoren sind hierbei beispielhaft, dass auf der Sophienhöhe mittlerweile das größte Vorkommen an Elsbeeren in Nordrheinwestfahlen besteht oder dass in Summe nun weit über 700 verschiedene Pflanzenarten beheimatet sind, darunter auch viele Arten, die in der Niederrheinischen Tiefebene als ausgestorben bis gefährdet gelten. Des Weiteren wurden etwa 1.000 Narzissen auf den Wiesen der Sophienhöhe gepflanzt und ca. 10.000 Maiglöckchen entlang der Wanderwege gesetzt.

Baumartenverteilung auf der Sophienhöhe.

Ökologische Besonderheiten

In der Rekultivierung Hambach wurden inzwischen mehr als 800 Pflanzenarten und über 1000 Tierarten erfasst, wobei einige Tiergruppen noch gar nicht systematisch untersucht werden konnten. Viele dieser Arten sind gefährdet und auf der Roten Liste verzeichnet.

Als besondere Vogelarten finden sich u. a. Baumpieper (RL 3), Heidelerche (RL NRW 3), Schwarzkehlchen (RL NRW 3) und Turteltaube (RL NRW 2).

Springfrosch, Kreuzkröte (RL NRW 3) und Wechselkröte (RL NRW 2) wurden auf die Sophienhöhe umgesiedelt und reproduzieren sich inzwischen erfolgreich. Darüber hinaus findet sich auch die Zauneidechse (RL NRW 2). Auch der Europäische Flusskrebs (RL NRW 1) wurde in den Gewässern der Sophienhöhe angesiedelt.

Schwarzkehlchen Männchen im Flug (© Foto: N. Wolf), Wechselkröte (© Foto: Forschungsstelle Rekultivierung), Zauneidechse (© S. Scheffler).

Auf den besonders mageren Standorten findet man die Blauflügelige Ödlandschrecke (RL NRW 2), die sich auf vegetationsarmen Flächen besonders wohlfühlt. Auf solchen Flächen kann man häufig auch die Goldene Acht (RL NRW 3), Schmetterling des Jahres 2017, entdecken.

Besonderheiten der Vegetation sind z. B. Europäischer Froschbiss (RL NRW 2), Europäische Seekanne (RL NRW 2), Berg-Sandknöpfchen (RL NRW 3), Wildes Stiefmütterchen (RL NRW 3) u. a. Allein auf dem Silikatmagerrasen finden sich über 70 Pflanzenarten.

Neben den genannten Arten, die sich besonders an den offenen bzw. halboffenen Sonderstandorten wohlfühlen, findet man auch typische Arten der Gehölze und Wälder, wie den Fitis (RL NRW 3), den Kernbeißer, Dam- und Schwarzwild, Fuchs, Dachs und Waldeidechse (RL NRW V). Durch Maßnahmen, wie das stehende Totholz gibt es bereits eine hohe Dichte von Höhlenbrütern (z. B. Meisen) auch in den Jungrekultivierungen. Die Haselmaus, Säugetier des Jahres 2017, hat selbstständig den Weg auf die Sophienhöhe gefunden.

Einige der Flächen auf der Sophienhöhe, z. Zt. bereits 70 ha im Wald, sind als sogenannte Prozessschutzflächen ausgewiesen, auf denen sich Waldflächen ohne direktes menschliches Eingreifen entwickeln sollen. Die Ausweisung von rd. 50 ha weiteren Prozessschutzflächen ist vorgesehen.

Blauflügelige Ödlandschrecke (© Foto: Andreas Eichler, CC-BY-SA 3.0, wikimedia), Europäische Seekanne (© Foto: Forschungsstelle Rekultivierung), Berg-Sandglöckchen (© Foto: Christian Fischer, CC-BY-SA 3.0, wikimedia).

Ausblick auf die noch ausstehende Rekultivierung

In den nächsten ca. zehn Jahren wird die sogenannte 50 ha Mulde angelegt. Diese soll als Offenlandbereich mit extensiver Beweidung und feuchten Senken gestaltet werden und einen Hot Spot der Biodiversität bilden.

Ein Großteil des Tagebaus Hambach wird als Restsee bestehen bleiben. Dieser wird eine Fläche von rund 36 km²; umfassen und an der tiefsten Stelle 265 Meter tief sein. Die Befüllung des Sees wird über eine Leitung aus dem Rhein erfolgen und rund 40 Jahre dauern.

50 ha Mulde (© Foto: A. Keller).