Feldlerche in der rekultivierten Feldflur

Die Bedeutung der rekultivierten Feldflur für Feldvögel ist schon seit langer Zeit belegt. Giller (1976) zitiert ein Vielzahl von Beobachtungen die ein arten‐ und individuenreiches Auftreten typischer Felgvögel in der rekultivierten Feldflur belegen: Feldlerche, Grauammer, Schafstelze, Rebhuhn und Wachtel finden offenbar günstige Ansiedlungsbedingungen in der neu entstehenden Landschaft. Insbesondere die großen Luzerneflächen in den ersten drei Jahren der Zwischenbewirtschaftung sind für dieses hohe Ansiedlungspotenzial von Bedeutung. Hier kommt es auch immer wieder zu Bruten von Rohr- und Wiesenweihen.

Seit den 1990er Jahren entwickelt und erforscht die Rekultivierungsabteilung der RWE Power durch welche Maßnahmen dieses Potenzial in der neu entstehenden Feldflur gefestigt werden kann. Zunächst unter dem Aspekt der Artenvielfalt verschiedener Arthropoden und Nützlingen (Albrecht et al. 1998). Später dann für den Feldhasen als Charakterart der offenen Feldflur und mit ihm für die Feldvögel (Albrecht et al. 2007). Die Feldvögel, insbesondere die landesweit bedeutenden Vorkommen der Grauammer, wurden dann im Rahmen zweier Diplomarbeiten der Universität Münster im Jahre 2008 gezielt untersucht (Hille 2009, Hackstein 2009).

Die Vorkommen der Feldlerche in rekultivierten Feldfluren wurden speziell seit 2011 in zunächst vier und zuletzt sechs Teilgebieten in den rekultivierten Bereichen der Tagebaue Garzweiler, Inden und Bergheim untersucht. Als neues Mittel zur Förderung der Feldlerche wurde das Konzept der Feldlerchenfenster entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft führt die Rekultivierungsabteilung der RWE Power mit ihrer Forschungsstelle Rekultivierung hierzu Feldversuche durch. In den Jahren 2011, 2012 und 2013 wurden die Feldlerchendichten in rekultivierten Feldfluren mit und ohne Feldlerchenfenster untersucht.

Fotos: Yannis Lagies

Ergebnisse

In den letzten Jahren sind die Dichten der Feldlerchen allgemein rückläufig. 2013 konnte man in der intensiv genutzten Bördelandschaft von großflächig etwa 2,0 Rev./10 ha ausgehen.

Die Beobachtungen aus der Rekultivierung zeigen ein demgegenüber allgemein etwas höheres Niveau der Siedlungsdichten an. In den im Jahr 2011 bis 2013 untersuchten Bereichen ohne besondere Artenschutzmaßnahmen in der Rekultivierung wurden in der konventionell bewirtschafteten Feldflur mittlere Dichten revieranzeigender Männchen von 2,1 – 4,4 Rev./10 ha gefunden. In den Vergleichsgebieten mit verschiedenen Artenschutzmaßnahmen waren es 3,2 – 5,2 Rev./10 ha (Abb.1, Tab. 1).

Abb. 1: Revierdichten der Feldlerchen in rekultivierten Feldfluren der Jahre 2011 bis 2013. Die blassen Säulen repräsentieren die Ergebnisse aus Feldlandschaften, die an konventionell wirtschaftende Landwirte aus der Region abgegeben wurden. Die dunklen Säulen stehen für Flächen in Bewirtschaftung durch RWE Power, auf denen in unterschiedlichem Umfang fördernde Maßnahmen durchgeführt wurden. Abkürzungen der Flächen sind Tab. 1 zu entnehmen.




Tab. 1: Vergleich der Feldlerchendichten aus der Literatur mit eigenen Daten aus Erhebungen in den Jahren 2011 bis 2013. Hellgrau hinterlegt sind die Ergebnisse aus den Untersuchungsgebieten, die in der Bewirtschaftung durch RWE Power standen und in denen besondere zusätzliche Anreicherungen der Feldflur mit breiten Feldrainen, Dünnsaatflächen, Blüh-, Luzernestreifen und Feldlerchenfenstern in unterschiedlichen Kombinationen durchgeführt wurden. Die übrigen Flächen waren teilweise bzw. vollständig in Fremdbewirtschaftung ohne besondere Zusatzstrukturen.

Über die Jahre waren die Ergebnisse bisher recht stabil. Auffällig ist der Abfall der Revierdichten in Inden südöstlich der verlegten Inde im Jahr 2013: in den Jahren 2011 und 2012 waren dies reine Weizenflächen und im Jahr 2013 erstmals nur Gerste, in allen Jahren waren die Flächen mit Lerchenfenstern versehen. Ebenfalls deutlich ist der Abfall im Untersuchungsgebiet Bergheim West: hier wurde während der Untersuchung in 2013 auf ganzer Länge ein Feldweg durch das insgesamt recht kleine Gebiet (1 000 m x 670 m) neu gebaut.

Unterschiedliche Kulturen werden unterschiedlich gerne von Feldlerchen angenommen, bevorzugt werden allgemein Getreidekulturen. Die Fragestellung ob die Feldlerchenfenster diese Attraktivität steigern, kann man untersuchen, wenn man die Daten der Erhebungen aus dem Jahr 2011 bis 2013 für die untersuchten Teilflächen zusammenfasst. In allen drei Untersuchungsjahren waren Winterweizen‐Kulturen mit jeweils rund 350 ha dominierend und jeweils ungefähr zur Hälfte mit Feldlerchenfenstern ausgestattet (Abb. 2). Wintergerste ist mit 100 bzw. 200 ha die nächst häufige Kultur. In den Jahren 2012 und 2013 waren hier ebenfalls Lerchenfenster eingerichtet. Andere Kulturen waren Flächenmäßig deutlich geringer und in den Jahren sehr unterschiedlich vertreten.

Abb. 2: Anteile der Fruchtarten auf den Untersuchungsflächen (2011-2013).

Unter der Annahme, dass die Tiere die Fläche ungeachtet der Kultur gleichmäßig nutzen, müssten die Anteile der Nachweise in den einzelnen Kulturen ihren Flächenanteilen entsprechen. Die Darstellung der Differenzen dieser prozentualen Anteile zeigt, dass die Weizenflächen mit den Lerchenfenstern in allen drei Jahren offenbar die einzige Kultur waren, die über ihren Flächenanteil hinaus bevorzugt wurden (Abb. 3 linke Spalte).

Dieser einfache Vergleich der Prozentanteile der Nachweise und der Flächen hat aber mathematisch verzerrte Eigenschaften. Um diese zu glätten, hat Lille (1996) einen Präferenzindex definiert: hierbei werden besonders große oder kleine Flächenanteile entsprechend gewichtet und der Index umfasst das immer gleiche symmetrische Intervall von ‐∞ bis +∞. Auch nach diesem Index werden die Flächen mit den Feldlerchenfenstern bevorzugt. Deutlich wird aber auch, dass die Getreideflächen ganz allgemein und insbesondere Luzerne bevorzugt angenommen wurden (Abb. 3, mittlere Spalte). Allerdings waren die Flächenanteile der Luzerne in den Jahren 2012 und 2013 sehr gering, weswegen man diese Ergebnisse in ihrer absoluten Höhe nicht überschätzen darf. Andererseits decken sich diese Ergebnisse gut mit der Erfahrung aus der Rekultivierung und beispielsweise Untersuchungen mit ähnlichen Maßnahmen im Gebiet südlich der Vollrather Höhe. Raskin (2012) untersuchte dort Luzernestreifen in der Feldlflur, die als Artenschutzmaßnahme für Feldhamster eingerichtet wurden. Hier wurden in den Luzernestreifen Revierdichten bis 20 Rev./10 ha beobachtet (Raskin 2012).

Abb. 3: Nutzung verschiedener Kulturen durch Feldlerchen in den Jahren 2011 bis 2013. Rote Säulen: Flächen mit Feldlerchenfenstern.

Populationsdichten

Die vorgestellten Ergebnisse belegen die hohe Eignung der rekultivierten Feldfluren für die Feldlerche. Allgemein liegen die Revierdichten über 3 Rev. /10 ha und damit etwa mindestens ein Brutpaar höher als im Umfeld der Tagebaue sonst festgestellt. Dabei ist es offensichtlich unerheblich, ob die Fläche durch die Rekultivierungsabteilung der RWE Power zwischenbewirtschaftet wird oder ob sie bereits vollständig an die nachfolgenden Landwirte zurückgegeben ist.

Eine mögliche Erklärung dafür könnte die geringe Nährstoffversorgung der rekultivierten landwirtschaftlichen Böden sein. Durch das Verschneiden des Oberbodens mit Roh‐Löss aus tieferen Bodenhorizonten bei der Gewinnung des Lösses mit dem Schaufelrad der Tagebaubagger entsteht ein Boden mit sehr geringen Gehalten an organischem Kohlenstoff und Stickstoff. Vor allem der Stickstoff hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz allgemein in den Böden angereichert und wird vielfach für den Rückgang von Arten und die Veränderung von Lebensgemeinschaften verantwortlich gemacht. Was für die Landwirtschaft einen Mehraufwand an Düngemitteln bedeutet, ist für die Wiederbesiedlung und die Lebensgemeinschaften in der rekultivierten Landschaft ein Vorteil: der Boden wird so in einen Zustand zurückversetzt wie er wahrscheinlich in den 1950er Jahren zuletzt herrschte.

Entsprechend findet man in der rekultivierten Feldflur unmittelbar neben dem Intensiv‐Acker von Nährstoffarmut geprägte Mager‐Vegetation und offenen sandigen Boden. Dies könnte eine der Erklärungen für die arten‐ und individuenreiche Etablierung von Feldvogelzönosen sein.

Und dieser Effekt ist sicherlich über einen langen Zeitraum wirksam, denn unter der kontinuierlichen Bewirtschaftung bei moderner bedarfsgerechten – und damit wirtschaftlicher – Düngung, reichert sich der Nährstoff, wenn überhaupt, nur langsam an. So ist beispielsweise aus einem landwirtschaftlichen Wegeseitengraben auf der Wiedenfelder Höhe, direkt im Abstrom des angrenzenden Ackers ein Vorkommen des übersehenen Knabenkrautes bekannt – und das mittlerweile im dreißigsten Jahr nach der Rekultivierung.

Wirksamkeit von Lerchenfenstern

Die Beobachtungen zeigen dass Lerchenfenster ein geeignetes Mittel sind, um die Revierdichten der Feldlerche zu steigern, zumindest im Weizen. Interessant ist, dass in Gerste in den beiden untersuchten Jahren sogar eher ein gegenteiliger Effekt gemessen wurde. Im Weizen ist es nach den bisherigen Ergebnissen möglich die Revierdichten um rund 1 Rev./10 ha zu steigern. Die Feldlerchenfenster in dieser Untersuchung hatten eine mittlere Länge von 11 m bei einer Breite von 3 m. Pro Hektar waren im Mittel 1,8 Fenster ausgespart worden, was einem Flächenanteil von 0,6 % entspricht. Würde man also 10 ha einer Feldfläche durch Anlegung von 20 Feldlerchenfenstern á 30 m² optimieren, könnte dort ein zusätzliches Brutpaar Lebensraum finden. Das wären 600 m² unmittelbare Maßnahmenfläche pro Brutpaar auf je 10 ha Feldfläche.

Lerchenfenster am Tagebau Inden.

Literatur

Giller , F. (1976): Die Avifauna des Rheinischen Braunkohlengebietes. Gesellschaft Rheinischer Ornithologen (Hrsg.): Beiträge zur Avifauna des Rheinlandes, 7/8; 515 S.

Albrecht, C., Esser, T. und Weglau, J. (1998): Krautstreifen als Lebensraum in Getreidefeldern – Auswirkungen blütenreicher Streifen auf die Flora und Fauna. Schriftenreihe der Fördergemeinschaft Integrierter Pflanzenbau e.V. (Hrsg.), 13; 132 S.

Albrecht, C., Esser, T., Klein, H. und Weglau, J. (2007): Projekt Artenreiche Feldflur - Förderung der Artenvielfalt unter besonderer Berücksichtigung des Feldhasen und der Feldvögel im rekultivierten Tagebau Fortuna. Ergebnisse der Projektjahre 2002 bis 2006. Unveröff. Gutachten.

Hille, B. (2009): Untersuchung zur Luzerne‐Präferenz der Grauammer (Miliaria calandra) im landwirtschaftlichen Rekultivierungsgebiet Garzweiler (Rheinisches Braunkohlenrevier) mit Hilfe künstlicher Singwarten ‐ Einschließlich einer avifaunistischen Erfassung. Diplomarbeit, Universität Münster.

Hackstein, M. (2009): Die Feldvogelgemeinschaft des rekultivierten Tagebaus Fortuna‐Garsdorf im Rheinischen Braunkohlenrevier. Diplomarbeit, Universität Münster.

Lille, R. (1996): Zur Bedeutung von Brachflächen für die Avifauna der Agrarlandschaft: Eine nahrungsökologische Studie an der Goldammer Emberiza citrinella. Agrarökologie 21: 1‐150.

Raskin, R. (2012): Kraftwerk Neurath (BoA 2/3) – 7. Erfolgskontrolle der Ausgleichsmaßnahmen sowie Monitoring von Feldhamster und Vögeln im Jahr 2012. Unveröff. Gutachten.