Fledermäuse im Südrevier

In einer Untersuchung zu altwaldtypischen Vogelarten aus dem Jahr 2009 konnten in den 70- bis 80-jährigen Rekultivierungswäldern im Südrevier bereits altwaldgebundene Spechtarten wie Schwarz-, Mittel- und Grauspecht nachgewiesen werden. Um herauszufinden, inwieweit die rekultivierten Waldflächen im Rheinischen Braunkohlenrevier einen Ersatzlebensraum auch für die waldtypischen Fledermausarten darstellen, wurden diese Bereiche im Südrevier im Jahr 2016 auch auf Vorkommen und Quartiernutzungen ausgewählter Fledermausarten untersucht.

Im Südrevier, dem am südlichsten gelegenen Teil des rheinischen Braunkohlereviers, wurde schon seit dem 19. Jahrhundert Braunkohle im Tagebau gefördert. Die Rekultivierung fand allerdings erst größtenteils nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Es entstand ein großes, zusammenhängendes und stark reliefiertes Waldgebiet in dem sich zahlreiche Teiche, Seen und Gräben, die zum Teil auch unter Naturschutz stehen, befinden. Die älteren naturnahen Waldbestände bieten den verschiedenen Spechtarten Höhlenbäume und damit auch den Fledermäusen gute Quartiersstandorte. Nördlich des Untersuchungsgebiets befindet sich die rekultivierte Ville, ein neuerer Teil des Rekultivierungswaldes und im Süden/ Südwesten der verbliebende Altwald Ville.

Zur Erfassung der Fledermäuse wurden diese akustisch mit Hilfe eines Bat-Detektors bei Transektbegehungen sowie mit Hilfe von dauerhaft eingerichteten Horchboxen erfasst. Zusätzlich wurden Netzfänge durchgeführt, um die Fledermäuse genauer untersuchen zu können. Um die Quartiere ausfindig zu machen, wurden einige Fledermäuse mit speziellen Sendern ausgestattet und zu ihren Quartierbäumen verfolgt. Dort wurden anschließend Ausflugzählungen durchgeführt, um die Anzahl der Tier im Quartier zu ermitteln.

Im Rahmen der Erfassungen konnten 8 Arten und 2 nicht näher bis auf Artniveau bestimmbare Artengruppen (Bartfledermäuse und Langohrfledermäuse) erfasst werden. Hinzu kommen Nachweise die nur bis zur Gattung Myotis klassifiziert werden konnten.

Im Untersuchungsgebiet „Südrevier“ nachgewiesene Fledermausarten mit Angabe zur Gefährdung und Verbreitung. Es bedeuten: RL D/ NW: Rote-Liste-Status in Deutschland bzw. Nordrhein-Westfalen nach Meinig et al. (2008) bzw. Meinig et al. (2010), 0 = ausgestorben oder verschollen, 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, V = zurückgehend (Vorwarnliste), S = von Schutzmaßnahmen abhängig, R = Arealbedingt selten, G = Gefährdung unbekannten Ausmaßes. Grau hinterlegt sind die Artengruppen.

Besonders verbreitet im Untersuchungsbereich war die Zwergfledermaus, sowie aufgrund der vielen Gewässer die Wasserfledermaus. Speziellere Waldfledermäuse wie Bechsteinfledermaus und Langohrfledermaus traten nur vereinzelt im Süden des Gebiets auf.

Gefangene adulte männliche Bechsteinfledermaus.

Bei den durchgeführten Netzfängen konnten insgesamt 55 Tiere aus 6 Arten gefangen werden. Alle gefangenen Arten wurden auch schon akustisch nachgewiesen. Das Artenspektrum der akustischen Untersuchungen konnte somit zum Teil bestätigt und durch den Fang von Braunen Langohrfledermäusen präzisiert werden, da die Art akustisch nicht von Ihrer Schwesterart dem Grauen Langohr zu unterscheiden ist. Eine Differenzierung der Bartfledermäuse konnte leider nicht vorgenommen werden, da keine Tiere dieser Artengruppe gefangen wurden. Durch vorliegende Altdaten ist jedoch das Vorkommen beider Schwesterarten im Gebiet anzunehmen.Insgesamt wurden im Laufe der Untersuchung vier Tiere mit Peilsendern versehen. Hierbei handelte es sich um einen Kleinabendsegler, ein Braunes Langohr, sowie zwei Wasserfledermäuse.

Gefangener weiblicher Kleinabendsegler mit Peilsender im Rückenfell.

Durch die Nachkontrollen konnten insgesamt sechs Quartierbäume (drei innerhalb der Rekultivierung und drei außerhalb der Rekultivierung) gefunden werden. Es handelt sich hierbei um drei Quartiere des Kleinabendseglers, zwei Quartiere der Wasserfledermaus und einen Quartierbaum des Braunen Langohrs.

Einer der Quartierbäume der Kleinabendsegler.

Insgesamt sind im Rahmen der Untersuchung mindestens 10 Fledermausarten in den rekultivierten Waldflächen des ehemaligen „Südreviers“ nachgewiesen worden. Die Flächen werden also bereits von zahlreichen Arten genutzt, darunter auch typischen Waldarten wie z. B. Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Wasserfledermaus, Braunes Langohr oder Kleinabendsegler.

Neben dem eigentlichen Vorkommen von Waldfledermausarten spielt auch die tatsächliche Nutzung der Waldflächen eine Rolle. Flugrouten und Nahrungsräume werden von allen Arten aufgesucht. Quartiere in Baumhöhlen sind für die Fledermausarten Kleinabendsegler, Wasserfledermaus und Braunes Langohr nachgewiesen worden. Die Quartiere des Kleinabendseglers liegen knapp außerhalb der Rekultivierung im Süden des Untersuchungsgebiets. Eine Quartiernutzung rekultivierter Waldflächen kann bei der Wasserfledermaus und dem Braunen Langohr bestätigt werden.

Die Quartiere innerhalb der Rekultivierung liegen im Osten und Süden des Südreviers. Dies sind auch die Bereiche, in denen die Spechte im Jahr 2009 gehäuft nachgewiesen worden sind. Besiedelt wurden Eichen und Buchen mittleren Alters. Ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung älterer Waldflächen, dem Vorkommen der Spechte und der nachfolgenden Besiedlung durch Fledermäuse kann also unterstellt werden.

Mit der weiteren Entwicklung der Waldflächen und der kontinuierlichen Einwirkung der nachgewiesenen Spechte dürfte das Potenzial zur Quartierbildung weiter ansteigen. Es ist durchaus möglich, dass im Laufe der nächsten Jahre bis Jahrzehnte weitere Quartierbäume von typischen Waldfledermausarten besiedelt werden. Ein Besiedlungspotenzial ist bereits dadurch gegeben, dass Aktivitäten mehrerer waldtypischer Arten im Raum bereits nachgewiesen sind.