Heil- und Gewürzpflanzenflächen

Heil- oder Arzneipflanzen werden seit den frühesten Anfängen der Menschheit bei der Behandlung von Erkrankungen eingesetzt. Vor allem in den letzten Jahren, in denen sich Menschen für eine bewusstere und gesündere Lebensweise entscheiden, spielen Phytopharmaka (Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs) eine immer größere Rolle. Nur ein geringer Anteil der in Deutschland verwendeten Arzneipflanzen stammt aus heimischem Anbau. Der Großteil wird importiert oder stammt aus Wildsammlungen. Heimische Heil- und Gewürzpflanzen haben gute Absatzchancen und stellen daher eine interessante Alternative für die landwirtschafte Produktion im Ackerbau dar. Darüber hinaus bereichern die Anbauflächen die Kulturlandschaft und können einen Beitrag zur Erhöhung der Biodiversität leisten.

Im Jahr 2017 erfolgte daher durch die Forschungsstelle Rekultivierung eine Untersuchung zweier Ackerflächen, die als Heil- und Gewürzpflanzenflächen in der Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler angelegt wurden. Bei der Untersuchung war vor allem von Interesse, welche ökologischen Auswirkungen solche landwirtschaftlichen Sonderflächen in der Rekultivierung auf die Avifauna haben. Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund:

  • Lässt sich ein Effekt des Anbaus von Heil- und Gewürzpflanzen auf die Vorkommen von typischen Arten der offenen Feldflur, etwa Feldlerche, Rebhuhn oder Grauammer nachweisen?
  • Unterscheidet sich die Dichte dieser Arten zu der in anderen Feldkulturen, etwa Getreide?
  • Wenn sich ein solcher Effekt nachweisen lässt: Welche ökologischen Aspekte können hierbei eine Rolle spielen (etwa die Dichte der Feldfrüchte, die Form der Bewirtschaftung u.a.)?

Lage der untersuchten Flächen in der Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler. Die Flächen wurden mit einem Puffer von 200 bis 300 Metern untersucht. Angrenzend fanden sich zum Großtail Ackerflächen mit Getrideansaaten, aber auch Blüh- und Krautstreifen.

In den beiden Untersuchungsgebieten wurden insgesamt 24 Vogelarten nachgewiesen. Dabei konnten sieben Brutvogelarten und 17 weitere Vogelarten (Durchzügler, Nahrungsgäste und Überflieger) festgestellt werden.
Bei den sieben Brutvogelarten handelt es sich um Baumpieper, Dorngrasmücke, Fitis, Feldlerche, Grauammer, Schwarzkehlchen und Wiesenpieper, also wie zu erwarten um Arten des Offen- bzw. Halboffenlandes. Die Feldlerche konnte dabei mit Abstand am häufigsten verzeichnet werden. Drei der Feldlerchenreviere fanden sich direkt auf den Fenchelflächen.
Die detaillierte Artenliste sowie die Lage der Brutreviere können dem folgenden Bericht entnommen werden:

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Südliche Fenchelfläche im Mai 2017 (Foto: A. Keller).

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die besonderen Bestände der Feldvogelarten in der Umgebung der Flächen in erster Linie auf die in der landwirtschaftlichen Rekultivierung angelegten Sonderstrukturen, wie z. B. Blühstreifen, Gehölzstreifen und Einzelgehölze zurückzuführen sind.
Der zunächst lückig aufwachsende Fenchel bietet jedoch Arten wie der Feldlerche, für die eine karge und vergleichsweise niedrige Gras- oder Krautvegetation von Bedeutung ist, eine geeignete Nische.
Darüber hinaus werden blüten- und damit auch insektenreiche Sonderstrukturen wie Rand- oder Saumstreifen in der heutigen Landschaft immer seltener. In diesem Zusammenhang können Anbauflächen mit Fenchel als von Juli bis Oktober blühendem Doldenblütler eine Ersatzfunktion als Nahrungshabitat für Insekten und somit auch für insektenfressende Feldvögel übernehmen. Bleiben die Pflanzenreste nach der Ernte stehen und werden erst vor der Aussaat im nächsten Frühjahr gemulcht, können sie zusätzlich eine Schutzfunktion im Winter übernehmen.

Grauammer (Foto: N. Wolf).

Die Insektenfauna auf den Heil- und Gewürzpflanzenflächen werden auch von Mitarbeitenden der Universität Bonn im Rahmen des Projektes "Entwicklung eines Bestäubungsmanagements im Arzneipflanzenanbau zur Steigerung der Erträge und gleichzeitiger Erhöhung der Ökosystemleistungen" untersucht.