Monitoring Indeaue

Durch das Fortschreiten des Braunkohlentagebaus Inden wurde eine Verlegung des Gewässers Inde auf einem ursprünglich etwa 5 km langen Abschnitt notwendig. Bei der Planung des neuen, nun 12 km langen Indeabschnitts wurden ökologische Belange besonders berücksichtigt. Der neue Flusslauf wurde naturnah gestaltet, um dem Gewässer eine weitgehend ungestörte Entwicklung zu ermöglichen. Im Vergleich zum alten, begradigten Verlauf der Inde ist ein mehr als doppelt so langes, mäandrierendes Fließgewässer mit einer erheblich erweiterten, z. T. mit Flachufern, Feuchtgebieten und Überflutungsbereichen versehenen Aue entstanden.

Lauf der alten und neuen Inde (Stand: 2004).

Bereits 1996 begann der Ausbau des neuen Flussbetts, das im Jahr 2003 größtenteils fertiggestellt und mit einer ersten Vorflutung bewässert wurde. 2005 erfolgte der Anschluss des neuen Flusslaufs zwischen Inden-Lamersdorf und Jülich-Kirchberg an den Altlauf der Inde. Flora und Fauna und die ökologischen Veränderungen wurden im Auftrag der RWE Power AG in den Jahren 2003, 2005, 2006 und 2008 untersucht und dokumentiert. Im Jahr 2015 erfolgte eine erneute Untersuchung der Fauna.

Ziel dieser Untersuchung war die Beantwortung folgender Fragen:

Wie stellt sich die Fauna 10 Jahre nach Anschluss der „neuen Inde“ (im Frühjahr 2005) an das alte Flussbett dar?
Welche Entwicklungen haben stattgefunden, nachdem in den Jahren 2003 bis 2006 bereits eine rasche Besiedlung durch unterschiedlichste Tierarten festzustellen war?
Welche Veränderungen sind gegenüber früheren Untersuchungen zu beobachten?
Welche Rückschlüsse können daraus für die weitere Entwicklung der Inde gezogen werden?
Wie ist die ökologische Bedeutung des neuen Indeabschnitts zu bewerten, vor dem Hintergrund des Leitbildes für die Aue?


Die Erfassungen erfolgten auf 4 Probeflächen an der neuen Inde, die bereits bei früheren Untersuchungen bearbeitet worden waren. Es handelte sich um die Probeflächen 3, 4, 5 und 6 aus den Untersuchungen von 2005, 2006 und 2008. Die zunächst noch betrachteten Probeflächen 1 und 2 waren Referenzflächen an der alten Inde, die 2003 untersucht worden sind, aber nur dem Vergleich zwischen rekultivierter und alter Inde dienten. Untersucht wurden jeweils repräsentative Abschnitte der Inde selbst sowie der angrenzenden Ufer- und Auenbereiche, also das gesamte Profil der Aue. Systematisch bearbeitet wurden die repräsentativen Tiergruppen Vögel, Amphibien, Tagfalter, Heuschrecken und Libellen. Beobachtungen von bemerkenswerten Arten aus weiteren Tiergruppen wurden miterfasst.

Lage der Probeflächen im Tal der neuen Inde zwischen Lamersdorf im Süden und Kirchberg im Norden ( Geobasis NRW 2015).

Ergebnisse nach Tiergruppen

Ökologische Bedeutung des rekultivierten Indeabschnitts und zu erwartende Entwicklung

Die Entwicklung der Vegetation an der rekultivierten Inde seit 2003 und ihre Besiedlung durch die Tierwelt lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die Erstbesiedlung der neu geschaffenen Indeabschnitte mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten hat rasch eingesetzt und war durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet. Die Artenvielfalt in den neuen naturnah angelegten Indebereichen lag daher bereits kurz nach der Wiederherstellung deutlich über der von weniger naturnahen Flächen der „alten“, nicht rekultivierten Inde. Die Arten- und Strukturvielfalt der Vegetation nahm in der rekultivierten Inde besonders in den ersten Jahren nach der Rekultivierung deutlich zu. Kennzeichnend waren hierbei vor allem Arten der Fließgewässer sowie Pionierarten offener Standorte, die zusätzlich von der vorhandenen Gewässerdynamik profitiert haben.

Bereits 2008 wurde festgestellt, dass die nicht den regelmäßigen Überflutungen unterliegenden Teilflächen sich durch einen langsamen Rückgang der Artenvielfalt der Krautschicht bei gleichzeitiger Vergrasung offener Bereiche und zunehmender Entwicklung von Gehölzen auszeichneten. Diese Entwicklung setzt sich im Jahr 2015 fort und wird bei allen Standorten prägend. Die Besiedlung der rekultivierten Indeaue durch Tierarten entspricht den entsprechenden Standortverhältnissen. Pionierarten werden auch 2015 weiter zurückgedrängt, Arten der Gehölze nehmen dagegen zu. Insgesamt nimmt die Artenvielfalt aufgrund der zunehmenden Entwicklung der Gehölze und dem Rückgang von Biotopen mit spärlicher oder offener Vegetation ab. Parallel etablieren sich dafür typische Zeigerarten von Gehölzlebensräumen in Auenlandschaften. Dies wird auch anhand untenstehender Abbildung deutlich.

Die typische Fauna der Fließgewässer wird auch 2015, wie bereits in den Vorjahren, durch charakteristische Arten wie Biber, Eisvogel sowie die beiden Libellenarten Gebänderte und Blauflügelige Prachtlibelle angezeigt. Neu hinzu gekommen ist die Gemeine Keiljungfer als weitere fließgewässertypische Art. Gleichzeitig nehmen Arten der Stillgewässer, die noch in den Vorjahren zahlreich nachgewiesen wurden, deutlich ab. Dies kann im Jahr 2015 jedoch auch daran liegen, dass das Frühjahr durch eine lang anhaltende Trockenheit gekennzeichnet war, Kleingewässer daher rasch trockenfielen und sich die daran angepassten Arten nicht entwickeln konnten. Neben dem generellen Rückgang von Offenlandlebensräumen zeichnen sich die verbleibenden offenen Flächen aber auch durch eine zunehmende Vergrasung aus, sodass das Angebot an Blütenpflanzen vor allem für die Wirbellosenfauna abgenommen hat. Auch hier geht die Artenvielfalt der Fauna entsprechend zurück.

Verteilung der Artenvielfalt der Fauna auf die verschiedenen Untersuchungsjahre.