Rekultivierungsforschung

Rekultivierung im Rheinischen Revier

Von der RWE Power AG werden im Rheinland jährlich rund 100 Mio. t Braunkohle gefördert und zu 90 % verstromt: das sind 24,5 % der öffentlichen Stromversorgung im Bundesgebiet und ca. 45 % im Land NRW. Die tertiäre Braunkohle wird von tertiärem und quartärem Kies, Sand und Ton überlagert und kann nur im Tagebau gewonnen werden.

Das Ziel der Wiedernutzbarmachung oder Rekultivierung der ausgekohlten Tagebaue ist die Herstellung eines nachhaltig stabilen, leistungsfähigen Naturhaushaltes - neuer Lebensraum für Mensch und Natur. Rekultivierung fasst alles zusammen, was zur Herstellung dieser neuen Landschaft nötig ist: Planung, Auswahl geeigneter Substrate für die neuen Böden, landwirtschaftliche Bewirtschaftung, Aufforstungen, natürliche Entwicklungen und vieles mehr. Seit Beginn des 20. Jh. wurden rund 8 500 ha forstlich und rund 13 000 ha landwirtschaftlich wieder nutzbar gemacht. Darüber hinaus wurden ökologisch interessante Sonderbiotope angelegt, die seltenen Arten und Spezialisten einen Lebensraum bieten und somit zum Artenreichtum der Rekultivierung beitragen.

Der Bergbau verändert die Landschaft u. a. in zwei Punkten grundlegend: Relief und Boden. Diese beiden Faktoren bestimmen zusammen mit dem regionalen Klima das standörtliche Potenzial. Das Relief wird zu Teilen durch die Tagebautechnik und die Lagerstätte vorgegeben, ist aber überwiegend Gegenstand einer gezielten Planung und Gestaltung. Dabei ist ein Ziel, in dieser Bördelandschaft - wo traditionell der Ackerbau die Kulturlandschaft prägt - die wiedergewinnbare landwirtschaftliche Nutzfläche zu optimieren. Gleichzeitig führt die Landschaftsneugestaltung zu einer Erhöhung des Waldanteils, denn in die landwirtschaftlichen Fluren sind Hecken, Feldgehölze, breite Talungen, Böschungen und andere gliedernde Grünzüge eingebettet.
Als Bodensubstrat wird für die landwirtschaftliche Wiedernutzbarmachung der gewachsene Kulturboden aus Löss und für die forstliche ein Gemisch aus diesem Löss oder Lösslehm mit Kies und Sand - sogenannter Forstkies - eingesetzt; andere Bodenarten werden kleinflächig zur Erhöhung der standörtlichen Vielfalt verwendet. Bei der Aufbringung und anschließenden Bewirtschaftung ist der Schutz des Bodens vor Verdichtungen vorrangig.

Die landwirtschaftlichen Flächen werden in einer rund siebenjährigen Zwischenbewirtschaftung für die Rückgabe an vom Bergbau betroffene Landwirte vorbereitet. Zunächst wird für drei Jahre Luzerne angebaut, darauf folgt überwiegend Wintergetreide. In dieser Zeit können durch Luftbildüberwachung Fehlstellen gut erkannt und behoben werden. Nach der Rückgabe wird das Land typischerweise mit der rheinischen Fruchtfolge bestellt: ein Drittel Zuckerrübe und zwei Drittel Getreide - teilweise aber auch Kartoffeln und verschiedene Gemüse. Die erreichbaren Erträge liegen auf dem Niveau der natürlich gewachsenen Standorte der Lössgebiete und der Kölner Bucht: Insofern kann die Landwirtschaft als hochertraglich bezeichnet werden. Damit dies gelingt, werden während der Zwischenbewirtschaftung zum Bodenschutz Breitreifen und schonende Pflugverfahren bis hin zu Direktsaatverfahren eingesetzt.

Die Aufforstung erfolgt zu ca. 80 % mit heimischen Laubhölzern (Buche, Eiche) und den gebietstypischen Mischbaumarten; rund 15 % nehmen Douglasie, Kiefer, Lärche und Roteiche als nicht standortheimische Wirtschaftsbaumarten ein; der Rest sind Wiesen und Sukzessionsflächen. Als Schirmbaumarten werden Schwarzpappelhybride und Roterle gepflanzt. Vor allem auf locker gekipptem, lössreichem Forstkies sind die Wuchsleistungen aller Baumarten hervorragend.

Um die Methoden der Rekultivierung laufend zu verbessern und auf dem neusten Stand zu halten, müssen die ökologischen Auswirkungen der verschiedenen Vorgehensweisen in wissenschaftlichen Studien immer wieder überprüft werden. Die Forschungsstelle Rekultivierung trägt somit laufend dazu bei, die Verfahrensweisen der Rekultivierung weiter zu verbessern. Erfahren Sie mehr über uns...