Gewässer in der Rekultivierung 2017

Wasservögel auf den Landschaftsseen der Rekultivierung

Wer in den Wintermonaten von November bis März durch die rekultivierten Landschaften zwischen Kaster im Norden und Brühl im Süden wandert, kann alljährlich ein besonderes Naturereignis beobachten. Viele hunderte Wasservögel nutzen die hier nach dem Braunkohlenabbau als Landschaftsseen gestalteten Gewässer als ihr Winterquartier. Aufgrund der Größe und der naturnahen Ausgestaltung dieser Seen, ist deren Eignung für viele unterschiedliche Arten optimal. Dabei finden sich hier allgemein häufige Arten wie Stockente, Blässhuhn, Höckerschwan, Kanadagans, Haubentaucher u. v. m., aber auch eine Vielzahl sehr seltener Vertreter. So kommen Kriekente, Moorente, Schellente, Pfeifente, Zwergtaucher im Winter in großen Stückzahlen vor, bevor sie im Frühjahr dann wieder zu ihren Brutgebieten nach Ostdeutschland und Nordeuropa ziehen. Eine Besonderheit bilden in diesem Zusammenhang die Arten Reiherente und Tafelente, die im vergangenen Winter ebenfalls mit vielen hundert Exemplaren die Gewässer besiedelten. Einige dieser Vertreter bleiben jedoch auch nach dem Winter im rheinischen Revier und brüten hier. Dieses extrem seltene Phänomen belegt, dass die Tiere auf ihrem Winteraufenthalt die besondere Naturnähe der rekultivierten Gewässer mit der Zeit schätzen gelernt zu haben scheinen und daher hier nun ganzjährig verweilen.

Wasservögel in der Rekultivierung (© Fotos: U. Schmitz)

Die Forschungsstelle Rekultivierung hat in 2017 die ökologische Bedeutung der rekultivierten Gewässer zu ihrem Leitthema gemacht und untersucht daher im gesamten Jahresverlauf ausgewählte Tierarten. Neben den Winter- und Rastvögeln kartieren Ökologen ab dem Frühjahr auch Brutvögel, Libellen und Amphibien. Auf diese Weise soll die enorme Bedeutung dieser Lebensräume für die Biodiversität erstmalig auf eine sehr umfassende Art und Weise dokumentiert sowie wichtige Planungshinweise für zukünftig noch zu planende Gewässer abgeleitet werden. Im Rahmen des Vorhabens wird die Forschungsstelle von erfahrenen Biologen und ehrenamtlichen Naturschützern unterstützt. Nur in dieser guten Zusammenarbeit zwischen den vielen unterschiedlichen Akteuren lässt sich die Vielfalt und wirkliche Bedeutung für die gesamte Rekultivierung adäquat nachweisen.

In den ersten Monaten der Untersuchungen konnten bereits einige ökologische Besonderheiten nachgewiesen werden. So wurde an verschiedenen Gewässern die vom Aussterben bedrohte Rohrdommel als Wintergast beobachtet. Nicht weniger spektakulär sind auch die Sichtungen von Zwergsäger und Silberreiher. Eine wirkliche ökologische Sensation konnte mit dem Nachweis der Blauflügelente am Boisdorfer See in der Rekultivierung des Tagebaus Frechen erbracht werden. Diese, eigentlich in Nordamerika beheimatete, Art konnte dort seit November beobachtet werden. Ornithologen vermuten, dass das hier angetroffene männliche Individuum dieser Art durch starke Westwinde nach Europa verdriftet wurde und sich nun den hier vorkommenden Entenpopulationen angeschlossen hat. Seit Bekanntmachung des Fundes im Internet (ornitho.de) pilgerten Ornithologen aus ganz Deutschland zum Rekultivierungsgewässer bei Frechen, um diese Art dort zu beobachten. Es gab sogar Besuch von einem Vogelexperten aus Helgoland.