Lebendige Natur durch Landwirtschaft 2018

Untersuchung der Insektenfauna in der Rekultivierung des Tagebaus Garzweiler

Der Rückgang der Vielfalt und der Biomasse von Insekten ist zurzeit ein viel diskutiertes Thema. Maßgeblich für die Einschätzung, dass es seit den 1980er Jahren zu einem massiven Rückgang der Biomasse und der Vielfalt der Insekten in den landwirtschaftlich geprägten Börden des Tieflands gekommen ist, sind Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld, zuletzt aus dem Jahr 2017. Hier wurden Biomassen von mit Hilfe von Malaisefallen gefangenen Insekten zwischen 1989 und 2017 verglichen und dabei ein Rückgang der Biomasse um mehr als 75 % festgestellt. Aber auch andere Untersuchungen legen einen erheblichen Rückgang der Insektenvielfalt und -aktivität in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten nahe (so z. B. Reichholf in einer Studie für die Deutsche Wildtierstiftung oder Vergleiche der Gefährdungseinschätzungen in den Roten Listen) und die Vortragenden der kürzlich in Münster vom NABU ausgerichteten Fachtagung zum Thema Insektensterben kamen zu dem Schluss, dass dringender Forschungs- und Handlungsbedarf besteht.

Der diesjährige Untersuchungsfokus der Forschungsstelle Rekultivierung liegt vor diesem Hintergrund auch auf dem Thema Insekten. Unter dem Motto „Lebendige Natur durch Landwirtschaft“ sollen in den Rekultivierungsbereichen des Tagebaus Garzweiler ausgewählte Insektengruppen genauer unter die Lupe genommen werden. Das Untersuchungskonzept lehnt sich an mehrjährige Studien unter gleichem Motto aus den Jahren 1993 bis 1999 an, die zum Ergebnis kamen, dass Ackerbegleitstrukturen und bewirtschaftungsintegrierte Blühstreifen in erheblichem Maße zur Artenvielfalt der Insekten in Agrarlandschaften beitragen.

Blühstreifen (Foto: Klaus Görgen).

Um zu vergleichen, ob sich die Aussage, dass Insekten in landwirtschaftlich geprägten Börden zu einem großen Anteil verschwunden sind, generell auch auf landwirtschaftliche Rekultivierungsflächen übertragen lassen, sollen maßgebliche Untersuchungsansätze aus den seinerzeit durchgeführten Erfassungen erneut aufgegriffen werden, um zu folgenden Fragen einen Diskussionsbeitrag zu liefern:

1. Ist die These, dass landwirtschaftlich geprägte Börden insgesamt einen deutlichen Rückgang der Insekten verzeichnen, auch auf landwirtschaftliche Rekultivierungsflächen übertragbar?

2. Zeigen sich in heute vorhandenen Begleit- und Zusatzstrukturen sowie in integrierten Strukturen in der rekultivierten Agrarlandschaft Unterschiede im Vergleich zu den 1990er Jahren oder ist nach wie vor das Vorhandensein solcher nicht durch die Bewirtschaftung geprägten Begleitlebensräume maßgeblich für die Förderung der Artenvielfalt?

3. Kann also begründet davon ausgegangen werden, dass die ökologisch wirksamen Begleitstrukturen weiterhin von größter Bedeutung sind, um die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu fördern? Ist die Artenvielfalt wirbelloser Tierarten in der Rekultivierung aufgrund der Tatsache, dass hier nach wie vor Zusatzstrukturen und Sonderkulturen angelegt werden, also unverändert geblieben, obwohl auch hier Pflanzenschutzmittel zur Anwendung kommen?

Ziel einer solchen Untersuchung ist es vor allem, Erkenntnisse zur Förderung und zum Erhalt der Vielfalt und der Aktivitätsdichte von Insekten in rekultivierten Agrarlandschaften zu erhalten. Die Methodenansätze des Entomologischen Vereins Krefeld sind mit den hier gewählten nicht vergleichbar, da die hier gewählten Untersuchungen weniger die Masse der Insekten, sondern eher deren Artenvielfalt im Blick haben, also eine Bestimmung bis auf Artniveau erfolgt. Auf 12 Probeflächen in unterschiedlichen Rekultivierungsgebieten des Tagebaus Garzweiler sollen folgende Insektengruppen untersucht werden: Wanzen, Schwebfliegen, Heuschrecken, Weichkäfer, Marienkäfer und Tagfalter. Darüber hinaus wird auf den gleichen Flächen parallel die Gruppe der Wildbienen im Rahmen einer weiteren Studie untersucht.

Neben den Tagfaltern, Heuschrecken und Schwebfliegen sollen auch Wanzen, Weich- und Marienkäfer untersucht werden (Fotos: Oliver Tillmanns und Jochen Rodenkirchen).