Fachtagung Rekultivierung 2017

Biodiversität gestalten und erleben

Am 29. und 30. Juni 2017 fand in Bergheim die mittlerweile 5. Fachtagung zum Thema Rekultivierung unter dem Motto „Biodiversität gestalten und erleben“ statt, zu der die Forschungsstelle Rekultivierung der RWE Power eingeladen hatte. Über 120 Experten aus Wissenschaft, Behörden, Umweltverbänden und Unternehmen hatten sich hierfür im Schloss Paffendorf eingefunden und befassten sich mit der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Rekultivierung.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort von Michael Eyll-Vetter, Leiter der Sparte Tagebauentwicklung von RWE Power, der direkt zu Beginn betonte, dass die biologische Vielfalt der Erde Grundlage für unsere Ernährung und unsere Gesundheit ist. Nicht ohne Grund hätten die Vereinten Nationen das laufende Jahrzehnt zur UN-Dekade der biologischen Vielfalt erklärt. Die Schaffung sogenannter Sekundärlebensräume im Zuge der Bergbautätigkeiten böte viele Möglichkeiten, Biodiversität zu fördern. Um die Rekultivierung noch zielgerichteter und noch besser zu gestalten, sei ein permanenter fachlicher Austausch unter den Fachleuten notwendig.

Die Tagung, die vom Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, Thomas Muchow, moderiert wurde, bot dazu einen geeigneten Rahmen.

Die Veranstalter und ReferentInnen der Fachtagung Rekultivierung. Von links nach rechts: Erik Schöddert (RWE Power), Prof. Dr. Nina Farwig (Universität Marburg), Thomas Muchow (Stiftung Rheinische Kulturlandschaft), Sandra Janz (RWE Power), Pascal Bunk (Knauf Gips KG), Gregor Eßer (RWE Power), Hilmar Freiherr von Münchhausen (Deutsche Wildtierstiftung), Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann (BfN), Michael Eyll-Vetter (RWE Power), Dr. Richard Raskin (raskin GbR), Werner Sihorsch (RWE Power), Dr. Claus Albrecht (Kölner Büro für Faunistik). (Foto: Robert Langen).

Prof. Dr. Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz legte zu Beginn die Grundlage für die weiteren Vorträge des Tages. Er stellte die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) mit ihren Zielen, Konzepten und Maßnahmen vor und zeigte Fördermöglichkeiten für Projekte zum Thema Biodiversität auf.

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Im nachfolgenden Vortrag von Hilmar Freiherr von Münchhausen lag der Fokus auf dem Baustein „Biodiversität erleben“. Der Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung stellte Chancen und Bedeutung von Naturerlebnisstrategien anhand verschiedener Projekte der Stiftung dar. Besonders wichtig sei es, bei den Menschen Emotionen zu wecken, um eine Verbundenheit mit der Natur zu erreichen und auf diesem Weg an das Verantwortungsbewusstsein zu appellieren.

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Gregor Eßer von der Forschungsstelle Rekultivierung stellte anschließend die Besonderheiten der Rekultivierung des Rheinische Braunkohlenreviers vor. Er zeigte, dass die land- und forstwirtschaftlich rekultivierten Flächen insbesondere in ihren Pionierstadien vielfältige Lebensräume für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten bieten. Darüber hinaus stellte er die verschiedenen Sonder- und Extremstandorte, als ökologische Nischen in der Region, vor.

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Während der Mittagspause konnten die TagungsteilnehmerInnen eine Info-Ausstellung besuchen, bei der lokal tätige NaturschützerInnen, Studierende, Stiftungen und Vereine die Möglichkeit hatten, ihre Arbeit vorzustellen.

Vortrag von Gregor Eßer, Forschungsstelle Rekultivierung (Foto: Robert Langen).

Der Nachmittag begann mit einem Beitrag von Prof. Dr. Nina Farwig. Die Leiterin der Arbeitsgruppe Naturschutz im Fachbereich Biologie der Philipps-Universität Marburg erläuterte in ihrem Vortrag zum Thema „Biodiversität: Wert, Bedrohung, Monitoring und Schutz“ die wissenschaftlichen Grundlagen der Biodiversitätsforschung. Sie zeigte unter anderem auf, dass Biodiversität einen Wert hat, den man direkt messen und zur Argumentation nutzen kann, und betonte, dass der Schutz von Biodiversität auch in stark vom Menschen geprägten Lebensräumen möglich ist.

Die zwei nachfolgenden Vorträge widmeten sich der Förderung der Artenvielfalt im Bergbau. Hendrik Zank, von der Abteilung Rekultivierung der LEAG, stellte Lebensräume in der Bergbaufolgelandschaft des Lausitzer Reviers vor. „Highlight“ der dortigen Rekultivierung sind vielfältige Offenlandschaften sowie die Anlage sich selbst regulierender Wasserflächen und eines Moorinitials.

Der Vortrag steht Ihnen in Kürze zur Verfügung.

Pascal Bunk, Dipl.-Geologe und Biodiversitätsmanager bei der Knauf Gips KG, referierte über die Rolle aktiver Steinbrüche als Sekundärlebensräume und Trittsteine im Biotopverbund. Er zeigte außerdem verschiedene Möglichkeiten der Renaturierung nach Beendigung des Abbaus und griff damit die im Naturschutz immer wieder aufkommende Grundsatzfrage „Pflege oder Sukzession?“ auf.

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Aus dem Publikum wurde im Zuge der anschließenden Diskussionen mehrfach angemerkt, dass insbesondere die Offenhaltung der Abbauflächen einen großen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leistet. Häufig könne jedoch die nachhaltige Pflege der rekultivierten und renaturierten Flächen nicht dauerhaft gewährleistet werden. Nach Übergabe der Flächen an die neuen Nutzer, seien es Landwirte, sei es die öffentliche Hand, würden Landschaftspflegemaßnahmen oft vernachlässigt. Um Biodiversität auch im Nachgang zu fördern bedarf es daher eines klaren Konzepts, das den Umgang mit den Flächen regelt.

Auch aus diesem Grund beschäftigt sich Richard Raskin von der raskin Umweltplanung und Umweltberatung GbR im Auftrag der Forschungsstelle Rekultivierung mit der Entwicklung einer Biodiversitäts-Strategie für die rheinischen Braunkohlentagebaue. In seinem Vortrag stellte er die Idee des Vorhabens, das noch ganz am Anfang steht, vor und zeigte anhand eines ähnlichen, bereits umgesetzten Biodiversitätskonzepts, wie eine solche Strategie entwickelt werden könnte.

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Der Tag klang beim gemeinsamen Abendessen und anregenden Diskussionen aus. Der nächste Tag führte auf zwei verschiedenen Exkursionsrouten zur landwirtschaftlichen Rekultivierung im Tagebaubereich Garzweiler und zur forstlichen Rekultivierung auf der Sophienhöhe. Vor Ort konnten sich die TagungsteilnehmerInnen mit den ökologischen Besonderheiten und den speziellen Arten- und Naturschutzmaßnahmen in der Rekultivierung vertraut machen.

Exkursion in die forstliche Rekultivierung der Sophienhöhe (Foto: Klaus Görgen).