Avifauna der Sophienhöhe

Im Zusammenhang mit der Bewertung der artenschutzrechtlichen Konflikte, die durch die Fortführung des Tagebaus Hambach hervorgerufen werden, wurde der forstlichen Rekultivierung eine vergleichbare Eignung für Vogelarten der Gehölze zugesprochen wie den Gehölzen und Wäldern des Tagebauvorfelds. Insbesondere wurde angenommen, dass die Dichten gehölzgebundener Vogelarten in der Rekultivierung denen entsprechen, die man im Tagebauvorfeld vorfindet.

Zur Aktualisierung der Datenlage, sollte durch eine gezielte Untersuchung der Avifauna in der Rekultivierung des Tagebaus Hambach ermittelt werden, in welchen Revierdichten unterschiedlich alte Rekultivierungsflächen besiedelt werden. Der Fokus lag hierbei nicht nur auf den planungsrelevanten Arten. Es erfolgte auch eine Bestandsaufnahme (qualitativ wie quantitativ) des gesamten Artenspektrums.

Untersucht wurden Referenzflächen in unterschiedlich alten forstlichen Rekultivierungsflächen auf der Sophienhöhe. Dies waren etwa 10, 20 und 30 Jahre alte Rekultivierungsbereiche.

Zu jeder Altersklasse wurde eine Untersuchungsfläche ausgewählt, die im Rahmen einer Revierkartierung auf die Dichte planungsrelevanter Vogelarten und sämtlicher „Allerweltsarten“ untersucht wurden. Die Untersuchungsflächen waren jeweils ca. 70 ha groß. Das Gesamtuntersuchungsgebiet hatte somit eine Größe von etwa 210 ha.

Die Erfassungen der Vögel erfolgten in Form einer Revierkartierung entsprechend der Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel (Südbeck et al. 2005). In jedem Untersuchungsgebiet wurden 6 Früh-/Tagesbegehungen zur Erfassung tagaktiver Vogelarten durchgeführt. Die Begehungen wurden bei günstigen Bedingungen (kein starker Wind, kein Regen) etwa zu Sonnenaufgang begonnen und spätestens um die Mittagszeit beendet. Weiterhin wurden 2 Abendbegehungen zur Erfassung von Eulen durchgeführt.

Bei den Begehungen wurden sämtliche akustisch oder optisch wahrnehmbare Vögel punktgenau unter Verwendung standardisierter Symbole in die Tageskarten (Plan- bzw. Luftbildausschnitte im Maßstab 1:2 500) eingetragen. Dabei lag das Hauptinteresse auf der Erfassung Revier anzeigender Merkmale (z. B. singende Männchen, Paare, Revierkämpfe).

  • Untersuchungsgebiet der ca. 10 Jahre alten forstlichen Rekultivierung
  • Untersuchungsgebiet der ca. 20 Jahre alten forstlichen Rekultivierung
  • Untersuchungsgebiet der ca. 30 Jahre alten forstlichen Rekultivierung

Untersuchungsgebiet der ca. 10 Jahre alten forstlichen Rekultivierung

Das Untersuchungsgebiet der ca. 10 Jahre alten forstlichen Rekultivierung beinhaltet Bestände mit flächigen Aufforstungen von Rotbuchen oder Eichen die auf Flächenanteilen von jeweils ca. 55 bis 60 % eingebracht wurden, sowie gruppen-, trupp- und horstweise eingebrachten Nadelhölzern, Laubhölzern und Sträuchern. Als Schirmbaumarten sind (einzelbaumweise) Schwarzerlen sowie Schwarzpappeln und Schwarzpappelhybride auf den Flächen vorhanden.

In dem Untersuchungsgebiet mit ca. 10 Jahre alten forstlichen Rekultivierungsflächen wurden 48 Arten nachgewiesen. 31 Arten sind als Brutvögel im Untersuchungsgebiet einzustufen, die übrigen 17 Arten als Gastvögel. 12 Arten sind planungsrelevant, davon 5 sicher bzw. vermutlich Brutvögel.

Planungsrelevante Brutvögel

Baumpieper (RL NRW 3) - 8 Reviere

Feldschwirl (RL NRW 3) - 9 Reviere

Heidelerche (RL NRW 3) - Einzelrevier

Kuckuck RL (NRW 3) - 2x während Brutzeit nachgewiesen, Brutverdacht

Turteltaube (RL NRW 2) - 7 Reviere

Das Untersuchungsgebiet der forstlichen Rekultivierungsflächen im Altersstadium 10 Jahre umfasste 72 ,02 ha. Auf dieser Fläche wurden insgesamt 483 Brutreviere ermittelt. Dies entspricht einer Dichte von 67,1 Revieren auf 10 ha. Die häufigsten Brutvogelarten im Untersuchungsgebiet sind Buchfink (45 Reviere), Mönchsgrasmücke (43), Fitis (42), Kohlmeise (40) und Zilpzalp (37 Reviere). Bemerkenswert ist die Häufigkeit des Fitis, einer typischen Brutvogelart der lichten Laubholzbestände mit gut ausgebildeter Krautschicht, die für NRW als Art der Vorwarnliste und regional (für die Großlandschaft Niederrheinische Bucht) als gefährdet eingestuft ist.

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Untersuchungsgebiet der ca. 20 Jahre alten forstwirtschaftlichen Rekultivierung

Das Untersuchungsgebiet der ca. 20 Jahre alten forstlichen Rekultivierungen beinhaltet drei Abteilungen mit Dominanz von Eichen, mit Beimischung weiterer Laubhölzer, in einer Abteilung auch mit Kiefer. Zwei Forstabteilungen werden dominiert durch Rotbuche (Anteil 40-60 %), als Nebenbaumarten sind vor allem weitere Laubhölzer vertreten, weiterhin Douglasie sowie auf der gesamten Fläche als Schirmbäume Schwarzpappel-Hybride. Die übrigen Flächenanteile entfallen auf diverse Laubhölzer und die Kiefer. Als Schirmbaumarten sind Schwarzerlen und Pappeln vertreten.

Im Zuge der Kartierungen wurden 30 Arten erfasst. Als sichere Brutvögel sind insgesamt 23 Arten einzustufen. Bei den übrigen 7 Arten handelt es sich um Nahrungsgäste, deren Brutstandorte vermutlich im näheren oder weiteren Umfeld des Untersuchungsgebietes lagen und deren brutzeitlicher Aktionsraum sich in Teilbereiche des Untersuchungsgebietes erstreckte.

In dem Untersuchungsgebiet mit ca. 20 Jahre alten forstlichen Rekultivierungsflächen wurden 4 planungsrelevante Vogelarten nachgewiesen. Während es sich bei 3 Arten (Mäusebussard, Sperber und Turteltaube) um Gastvögel handelte, wurde eine Art als Brutvogel im Untersuchungsgebiet festgestellt:

Waldlaubsänger (RL NRW 3) - 3 Reviere

Das Untersuchungsgebiet der forstlichen Rekultivierungsflächen mit einem Alter von etwa 20 Jahren umfasste 68,38 ha. Auf dieser Fläche wurden insgesamt 289 Brutreviere ermittelt. Dies entspricht einer Dichte von 42,3 Revieren auf 10 ha.

Das Rotkehlchen stellte mit insgesamt 47 Revieren die häufigste Brutvogelart im Untersuchungsgebiet dar. Mit über 30 Revieren sind auch der Buchfink (42 Reviere), die Mönchsgrasmücke (36 Reviere) und der Zilpzalp (35 Reviere) auf der untersuchten Fläche häufig vertreten.

Untersuchungsgebiet der ca. 30 Jahre alten forstwirtschaftlichen Rekultivierung

Bei dem Untersuchungsgebiet der ca. 30 Jahre alten forstlichen Rekultivierung handelt es sich um Bestände mit Dominanz von Eichen sowie, jeweils mit Beimischungen diverser weiterer Laubhölzer (Anteile bis 15 %) sowie mit Pappeln im Schirmstand. Strauchanteile in reihenweisem Bewuchs sind ebenfalls verzeichnet.

Die Artenliste dieses Gebiets umfasst 28 Arten. 22 Arten sind als sichere Brutvögel einzustufen, eine Art (Kuckuck) als möglicherweise reproduzierend, die übrigen 5 Arten als Gastvögel (Gimpel, Grünspecht, Mäusebussard als im Untersuchungsgebiet zur Brutzeit nachgewiesene Gastvogelarten mit Brutstandorten vermutlich im Umfeld des Untersuchungsgebietes; Erlenzeisig und Turteltaube als Durchzügler). In dem Untersuchungsgebiet mit ca. 30 Jahre alten forstlichen Rekultivierungsflächen wurden 5 planungsrelevante Arten nachgewiesen, davon 2 als sichere Brutvögel, eine als potenzielle Brutvogelart.

Planungsrelevante Brutvögel

Baumpieper (RL NRW 3) - 5 Reviere

Kuckuck (RL NRW 3) - potenziell reproduzierend

Waldlaubsänger (RL NRW 3) - Einzelrevier

Das Untersuchungsgebiet der forstlichen Rekultivierungsflächen im Altersstadium von 30 Jahren umfasste 66,12 ha. Hier wurden insgesamt 368 Brutreviere festgestellt. Dies entspricht einer Dichte von 55,7 Revieren auf 10 ha.

Der Buchfink, die häufigste Brutvogelart in Deutschland und in NRW (vgl. Südbeck et al. 2007, Sudmann et al. 2008), war auch in der 30jährigen Rekultivierung der häufigste Brutvogel. Weitere sehr häufige und verbreitete Arten im Untersuchungsgebiet sind Rotkehlchen (55 Reviere), Amsel (46) und Mönchsgrasmücke (42).