Fledermäuse

Fledermäuse zählen zur Ordnung der Fledertiere (Chiroptera), den einzigen Säugetieren, die aktiv fliegen können. Ihre Flugfähigkeit verdanken sie einer Flughaut, die sich zwischen den verlängerten Fingerknochen bis zu den Hinterbeinen und darüber hinaus bis zum Schwanz aufspannt. Nur der krallenbewehrte Daumen zum Festhalten ist frei beweglich und nicht in die Flughaut integriert. Zwar ähneln Fledermäuse in Größe und Habitus Mäusen, sie sind aber nicht nahe mit ihnen verwandt.

Fledermäuse sind überwiegend nachtaktiv und jagen im Flug mit Hilfe von Echoortung nachtaktive Insekten wie Mücken oder Nachtfalter. Tagsüber schlafen sie, kopfüber hängend, in ihren Quartieren. Als solche dienen, je nach Fledermausart, Baumhöhlen, Felsspalten oder Gebäudenischen. Fledermäuse haben einen sehr hohen Energiebedarf. Durch Absenkung ihrer Körpertemperatur sind sie jedoch in der Lage, in Ruhephasen (Tagesschlaf und Winterschlaf) den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren.

Fransenfledermaus

Lebensraum

In Nordrhein-Westfalen können etwa 20 Fledermausarten regelmäßig nachgewiesen werden. Zur Verbreitung und Häufigkeit liegen jedoch aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise nur wenige Daten vor. Während manche Arten wie die Zwergfledermaus weit verbreitet sind, gelten andere als vom Aussterben bedroht. Die beiden sehr auffälligen Hufeisennasen-Arten sind landesweit schon ausgestorben.
Die heimischen Fledermausarten können aufgrund ihrer Quartierwahl im Sommer in Wald- und Gebäudefledermäuse unterteilt werden. So suchen Arten wie die Zwergfledermaus oder das Große Mausohr überwiegend Gebäude auf, während reine Waldarten wie die Bechsteinfledermaus oder der Kleine Abendsegler sich fast ausschließlich Quartiere in Baumhöhlen oder Rindenspalten in bzw. an Bäumen suchen.

Den Winter verbringen Fledermäuse im Winterschlaf. Viele Arten nutzten dafür frostfreie Höhlen und Stollen. Manche Arten legen für das Erreichen eines solchen Winterquartiers weite Flugstrecken zurück.
Die meisten heimischen Fledermäuse sind gefährdet und werden in der Roten Liste geführt. Einer der Gründe ist vermutlich Nahrungsmangel, da die Dichte der Insekten bis in die 90er Jahre immer weiter zurückging. Entscheidend für das Auftreten, vor allem für die Reproduktion ist aber das Vorhandensein von Quartieren, die von den Männchen als Sommerquartiere oder von Weibchengemeinschaften als Wochenstuben zur Aufzucht des Nachwuchses genutzt werden. In forstwirtschaftlich intensiv genutzten Wäldern ist der Anteil an Tot- und Altholz gering und somit auch die Anzahl an Baumhöhlen, die von Waldfledermäusen als Quartiere genutzt werden. Allerdings ist in der modernen Forstwirtschaft ein deutlicher Trend zu erkennen, dass Alt- und Totholz heute gezielt gefördert wird.
Bei den Gebäudefledermäusen sind die Arten besonders gefährdet, die große Wochenstubenkolonien in alten, großen Dachstühlen, oft in Kirchen oder Hofanlagen, bilden. Im Zuge von Renovierungsmaßnahmen und vor allem der Isolierung von Altbauten, wurden diese Quartiere oftmals zerstört, an den hoch isolierten modernen Bauten entstehen sie gar nicht erst.

Artenschutzmaßnahmen

In der jungen forstlichen Rekultivierung fehlen Baumhöhlen aufgrund des geringen Alters der Bäume. Deshalb wurde auf der Sophienhöhe und in anderen Bereichen der Rekultivierung auf verschiedene Weise Ersatz geschaffen. Zum einen wurden unterschiedliche Fledermauskastentypen an geeigneten Standorten installiert. Zum anderen wurden, auf Anregung von Revierförster Günter Rosenland, künstliche Höhlen in alten Baumstämmen angelegt.

Bereits seit mehreren Jahren werden solche „Totholzstämme“ in der Rekultivierung als besondere Lebensraumstrukturen aufgestellt. Diese bieten sich an, um darin neben den bereits vorhanden alten Spechthöhlen, mit der Motorsäge größere künstliche Höhlen zu schaffen, die nach dem Vorbild von künstlichen Wochenstubenkästen potenziell auch Fledermäusen als Sommerquartier dienen können. Dieses Konzept wird durch die Mitarbeiter des Forstdienstbezirkes Lindenberg auch auf stehende Stämme der Pappeln ausgedehnt, die bereits über einen ausreichenden Stammdurchmesser verfügen.

Totholzstamm auf der Sophienhöhe

Bei der Aufkippung der Sophienhöhe wurde im Fußbereich Richtung Welldorf ein Stollen aus Betonrohren eingebaut, der als potenzieller Fledermausstollen gedacht war. Allerdings zeigte sich, dass die Luftfeuchte in diesem Stollen trotz verschiedener Maßnahmen nicht ausreichte, um eine Ansiedlung von Fledermäusen zu ermöglichen. Erst 2005 gelang die Errichtung einer nachhaltigen Bewässerung. Hierzu wurde über dem Stollen ein Trichter freigebaggert, in dessen Sohle ein Dränrohr eingebaut wurde. Dieses leitet das Wasser nun direkt in zwei Löcher in der Stollendecke. Um das Mikroklima im Stollen weiter zu verbessern, wurde der Eingang bis auf einen Einflugschlitz verschlossen. Zusätzlich wurden im Eingangsbereich neue Porenbetonsteine als Hangplätze eingebaut.

Mittlerweile wurden in verschiedenen Bereichen der Rekultivierung über 250 Fledermauskästen angebracht, davon über 120 auf der Sophienhöhe. Im Rahmen eines Monitorings werden Stollen und Fledermauskästen regelmäßig überprüft und die vorgefundenen Arten erfasst. Auf Dauer soll auf der Sophienhöhe ein gut strukturierter und artenreicher Wald mit einheimischen Gehölzen entstehen, der im Alter höhlenreiches Tot- und Altholz enthält und somit den Waldfledermäusen wieder einen wertvollen Lebensraum bietet.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche sogenannte Wochenstubenkasten und andere Fledermauskastentypen an verschiedenen Stellen auf der Sophienhöhe aufgehängt.

Die Kästen werden regelmäßig kontrolliert.

Ergebnisse und Ausblick

Seit 2005 werden in der Rekultivierung regelmäßig Detektorbegehungen und Kastenkontrollen durchgeführt. Diese haben gezeigt, dass Arten wie Zwergfledermaus, Rauhhautfledermaus, Abendsegler und Wasserfledermaus in nahezu allen Rekultivierungsgebieten aktiv sind. Auf der Sophienhöhe konnten bisher 8 Arten nachgewiesen werden. Der erste schriftliche Nachweis über das Vorkommen des Großen Abendseglers (gelegentliche Besuche) erfolgte bereits 1987. Zwerg- und Wasserfledermaus sind seit 2005 nachgewiesen, das Braune Langohr und die Fransenfledermaus seit 2008 und der Kleine Abendsegler sowie die Rauhautfledermaus seit 2011. Im Jahr 2012 wurden erstmals besenderte Tiere einer Bechsteinfledermaus-Kolonie aus dem Hambacher Forst auf der Sophienhöhe nachgewiesen.

2008 konnte Jens Trasberger von der Universität Bonn im Rahmen seiner Diplomarbeit (Untersuchung zum Fledermaus-Vorkommen in verschieden alten Rekultivierungen ehemaliger Braunkohlentagebaue im Rheinland) 13 Fledermausarten nachweisen. Insbesondere im Südrevier bei Brühl, das die ältesten forstlich rekultivierten Flächen im Rheinischen Braunkohlenrevier aufweist und unmittelbar an altholzreiche Naturwaldzellen angrenzt, wurden zahlreiche Arten erfasst.
In den Rekultivierungsgebieten des Rheinischen Braunkohlenreviers konnten somit bis heute insgesamt 13 Fledermausarten, also fast 70 % der landesweit auftretenden Arten festgestellt werden. Durch die naturnahe Entwicklung der Wälder ist anzunehmen, dass sich mit zunehmendem Alter des Baumbestandes auch in den heute noch jungen Wäldern weitere Arten ansiedeln werden.

Braunes Langohr auf der Sophienhöhe

© Fotos: Forschungsstelle Rekultivierung