Kreuz- und Wechselkröten

Die geschützten Kreuz- und Wechselkröten fühlen sich im Tagebauvorfeld besonders wohl. Überall finden sich Fahrspuren großer Maschinen, offene Sand- und Kiesflächen sowie zahlreiche temporär entstandene Flachwasserbereiche, die von den Tieren zur Laichablage genutzt werden. Längere Hitzeperioden sorgen im Frühjahr immer wieder dafür, dass einzelne Wasserflächen austrocknen oder auf ein Minimum schrumpfen. Die Kröten haben sich durch eine kurze Entwicklungszeit von vier Wochen und mehrmaligem Ablaichen im Frühling und Sommer an die Gefahr des Austrocknens der Laichgewässer angepasst.

Warum umsiedeln?

Langfristig werden die Tümpel jedoch durch Arbeiten im Tagebauvorfeld wieder verschwinden, weswegen die verbliebenen Kaulquappen, die vielen kleinen neu entwickelten Kröten und die Alttiere aus dem Tagebauvorfeld in die Rekultivierung sowie weitere Ausgleichsflächen umgesiedelt werden. Die Kreuz- und Wechselkröten stehen unter besonderem Artenschutz, weshalb tausende Amphibien, neben Kreuz- und Wechselkröten auch Erdkröten und verschiedene Frosch- und Molcharten, jedes Jahr bewegt werden.

Die Kreuzkröte (Bufo calamita) und die Wechselkröte (Bufo viridis) sind kleine einheimische Krötenarten, die viele Eigenschaften wie auch ihren Lebensraum miteinander teilen. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihr Aussehen. Beide Arten haben eine warzige Oberseite mit erdig-grauen und grünlichen Farbtönen, allerdings kann man bei der Kreuzkröte einen charakteristisch hellen Streifen längs des Rückens erkennen, welcher der Wechselkröte fehlt. Diese hat wiederum ein ausgeprägtes grünliches Fleckenmuster, das stark an einen Tarnanzug erinnert.

Eine Kreuzkröte mit dem typischen hellen Streifen auf dem Rücken ( Foto: Klaus Görgen).

Eine Wechselkröte mit dem markanten Fleckenmuster ( Foto: Forschungsstelle Rekultivierung).

Auch die Quappen und Jungtiere der beiden Arten unterscheiden sich in Größe und Färbung. Die vier bis fünf Zentimeter große und sehr helle Kaulquappe der Wechselkröte hebt sich im Tümpel deutlich von den kleinen dunklen Kaulquappen der Kreuzkröte ab.

Kaulquappen der Kreuz- (kleine und schwarz) und der Wechselkröte (großen hellen) im Vergleich ( Foto: Klaus Görgen).

Nach der Metamorphose hüpfen viele kleine dunkle Kreuzkröten mit schon erkennbarem hellen Streifen auf dem Rücken um den Tümpel herum, während die helleren Wechselkröten durch ihre helle Farbe auf dem lehmigen Untergrund eher schwieriger auszumachen sind. Mit dem Kescher oder per Hand werden sie eingesammelt und in hohen, mit Deckel verschließbaren Behältern zum neuen Ansiedlungsort transportiert.

Kleine Wechsel- und Kreuzkröten im Vergleich ( Foto: Klaus Görgen).

Ein paar adulte Tiere kommen im Laufe der Dämmerung auch aus ihren Verstecken, um auf Partnersuche oder Beutejagd zu gehen. Aufgrund ihrer doch recht kurzen Hinterbeine kraxeln oder hüpfen die Kröten eher über den Boden, als dass sie sich mit großen Sprüngen fortbewegen würden. Trotzdem können sie lange Strecken von mehreren Kilometern bewältigen. Als Pionierarten sind sie in der Lage schnell neu entstandene Lebensräume zu besiedeln.

Tagsüber verbergen sie sich in Erdhöhlen oder unter Steinen. Die Jungtiere sitzen in den Trockenrissen rund um die ausgetrockneten Tümpel, schrecken aber viel schneller als die Alttiere auf und versuchen weg zu hüpfen, weshalb sie trotz ihrer winzigen Größe leichter zu finden sind.

Die Kröten in ihren Verstecken unter Steinen oder in Trockenrissen ( Foto: Klaus Görgen).

In der Regel findet die Umsiedlung der Alttiere in der Nacht bzw. Dämmerung statt, da die Tiere aktiver und durch ihre Rufe leichter zu finden sind. Kaulquappen lassen sich am besten tagsüber abfischen, wenn man sie gut sehen kann.

Adulte und juvenile Tiere machen es sich auf den Ästen und Holzstücken in der Transportbox bequem ( Foto: Forschungsstelle Rekultivierung).

In der Transportbox sollte sich selbstverständlich genügend Wasser für die Kaulquappen befinden. Den Jung- und Alttieren werden Äste und Holzstücke als Sitzmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Diese verhindern, dass insbesondere die Jungtiere beim Transport ertrinken. Entgegen der allgemeinen Annahme leben Kröten nämlich nur während der Laichzeit in der Nähe von Gewässern. Sobald sie das Wasser verlassen, ändert sich auch ihr präferierter Lebensraum. Dann benötigen sie trockene warme Gebiete mit lockeren, meist sandigen Böden, die vegetationsarm sind, aber ausreichend Versteckmöglichkeiten bieten.

Da diese Landschaften als Primärlebensraum für die Kröten durch Flussbegradigungen und großflächig angelegte landwirtschaftliche Nutzung in Deutschland immer weiter zurückgehen, erobern die Kröten für sich durch menschliche Tätigkeit entstandene Sekundarlebensräume wie Abgrabungen von Sand- und Kiesgruben oder eben das Tagebauvorfeld. In der Rekultivierung werden solche selten gewordenen Standorte gezielt gefördert, um Arten, die auf junge Sukzessionsstadien angewiesen sind, einen neuen Lebensraum zu bieten.

In der Rekultivierung werden die Kaulquappen in die vorhandenen Artenschutzgewässer und die Jung- und Alttiere in den angrenzenden trockenen Landlebensraum ausgesetzt. Jedes Jahr geben die MitarbeiterInnen der Natur- und Artenschutzabteilung von RWE, der kooperierenden Planungsbüros sowie der Forschungsstelle Rekultivierung tausenden adulten Kreuz- und Wechselkröten sowie Jungtieren, Kaulquappen und Laichschnüren auf diese Weise ein neues Zuhause.

Die Kröten ziehen in ihr neues Zuhause in der Rekultivierung Garzweiler ( Foto: Klaus Görgen).

© Fotos: Klaus Görgen

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