Totholzkäfer & Co.

Zu den Totholzkäfern zählt man Arten, die in Wäldern und anderen Gehölzbeständen streng an kränkelnde, absterbende und abgestorbene Holzstrukturen gebunden sind. Dazu gehören xylobionte Spezies, die sich direkt von Holz- und Rindenmaterial ernähren, aber auch zahlreiche Pilzfresser, die sich in den Fruchtkörpern von Holzpilzen oder im von Pilzmycel durchzogenen Holz entwickeln. Darüber hinaus werden auch räuberische Holzbewohner, Baumsaftfresser und an Totholz gebundene Abfallfresser dieser ökologischen Gruppe zugerechnet.

Bekannte Vertreter der Totholzkäfer sind Hirschkäfer, Nashornkäfer, verschiedene Bockkäferarten und Feuerkäfer. Die Larven letzterer vertilgen liebend gern Borkenkäfer und sind daher wichtige Nützlinge im Wald. Daneben bietet Totholz u. a. Wildbienen, Hummeln, Wespen oder Hornissen einen Lebensraum. Auch Säugetiere und Vögel fühlen sich in alten hohlen Baumstämmen wohl.

Nashornkäfer - Oryctes nasicornis (© Foto: George Chernilevsky).

Aus den Altwäldern im Tagebauvorfeld wird wertvolles Totholz daher geborgen und in die Rekultivierung oder in umliegende Waldgebiete verbracht. Besonders auffällig sind die, häufig als „Marterpfahle“ bezeichneten, aufrecht stehenden Stämme auf der Sophienhöhe. Bereits seit mehreren Jahren werden diese in der Rekultivierung als zusätzliche Lebensraumstrukturen aufgestellt. Mit der Motorsäge um künstliche Baumhöhlen ergänzt, bieten Sie Vögeln und Fledermäusen Nistmöglichkeiten und Quartiere.
Regelmäßig kartiert der Totholzkäfer-Experte Frank Köhler außerdem die Bäume im Tagebauvorfeld, die besonders viele oder wertvolle Totholzkäfer enthalten. Diese werden dann einmal im Jahr in andere Waldgebiete, z. B. Dickbusch oder Steinheide, umgesetzt. Dadurch „impft“ man die dortigen Waldflächen mit diesen Arten. Diese Methode wird schon seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt. Die Maßnahmen und ihre Auswirkungen werden in einem Monitoring überwacht. Über Totholzkäfer und andere Käferarten informiert die AG Rheinischer Koleopterologen ausführlich auf ihrer Homepage www.koleopterologie.de.

Umsetzung der wertvollen Totholzbäume aus der Tagebauvorfeld in umliegende Waldgebiete (© Fotos: Forschungsstelle Rekultivierung).

Wer zu Hause etwas für Totholzbewohner tun möchte, kann einen Altholz- oder Mulmhaufen anlegen. Und so geht’s:

Zunächst hebt man ein bis zu 50 cm tiefes Loch aus und füllt es mit Sägemehl und Sägespänen. Dadurch werden auch im Winter frostfreie Bereiche geschaffen. Zur Stabilisierung werden Holzlatten eingebracht.

Anschließend werden Sägespäne und Sägemehl zu einem Haufen geformt. Es sollte nur unbehandeltes Holz verwendet werden.

Der Mulmhaufen lässt sich durch den Einbau angerotteter Äste und Stammabschnitte gut ergänzen. Er kann auch als Kernbereich eines Totholzhaufens angelegt werden.

Die Abdeckung mit Ästen auf besonnten Bereichen ist zur Vermeidung von Überhitzung sinnvoll.

Sie haben einen Altholz- oder Mulmhaufen im Garten angelegt und erste Bewohner gefunden? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen und Ideen:
info@forschungsstellerekultivierung.de

© Fotos Mulmhaufen: Ernst-Henning Walther