Berrenrath/ Frechen

Die Rekultivierungsbereiche der Tagebaue Frechen und Berrenrath werden heute in der Regel zusammengefasst. Beide Gebiete befinden sich auf dem sogenannten Villerücken.

Die tagebauliche Geschichte der Berrenrather Börde reicht bis ins 18. Jahrhundert, als dort aus ersten kleineren Gruben Braunkohle für den gewerblichen Nutzen gefördert wurde. Mitte der 1960er begann die Rekultivierung des Tagebaus Berrenrath und war bereits zehn Jahre später abgeschlossen. Die Berrenrather Börde gilt so als vorangehendes Beispiel für eine erfolgreiche und konsequente Rekultivierungsplanung. Nach der Rekultivierung liegt die Börde, bis auf die Wilhelmshöhe, als einzige größere Erhebung, knapp fünf Meter unter dem ursprünglichen Niveau und ist landschaftlich als Plateau zu bezeichnen. Die Flächen werden hier heute größtenteils ackerbaulich genutzt, so verteilen sich mehrere landwirtschaftliche Betriebe auf die neu entstandenen Siedlungen Weiler Berrenrath und Weiler Brüggen.

Luftaufnahme der Berrenrather Börde.

Der Tagebau Frechen ist zwischen der A4 im Norden und der B264 im Süden einzuordnen. 1986 wurden hier die letzten Kohleförderungen durchgeführt. Seit 2004 ist die Rekultivierung in diesem Gebiet abgeschlossen. Ähnlich wie im Tagebau Fortuna wird auch hier eine multifunktionale Kulturlandschaft gefördert. Demnach finden sich neben der ackerbaulichen Börde auch Grünlandschaften mit Gewässern wie Teiche und Tümpel sowie Forstgebiete. Durch die vielfältigen Landschaftselemente werden hier Biodiversität und Artenreichtum stark begünstigt.

Luftaufnahme der Rekultivierung des ehemaligen Tagesbaus Frechen.

Ökologisch besonders hervorzuheben ist der Boisdorfer See mit dem angrenzenden Fürstenberggraben, der insbesondere für Vögel und Libellen einen wertvollen Lebensraum bietet und daher seit 2013 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Weitere Bedeutung kommt dem Fürstenbergmaar zu, das 1982 wiederhergestellt wurde und ebenfalls unter Naturschutz steht. Östlich des Sees finden sich bereits in den 1950er Jahren rekultivierte Pappelforste. Im nördlicheren Teil der Rekultivierung Frechen finden sich darüber hinaus rekultivierte Wälder, die sich durch eine ausgeprägte Staunässe auszeichnen und als „Grüne Lunge“ bezeichnet werden sowie die Habbelrather Mulde, ein Feuchtgebiet, dass der natürlichen Sukzession überlassen wurde.

Boisdorfer See und Fürstenberggraben (Fotos: R. Axer, K. Görgen).

Aus kulturlandschaftlichen Aspekten sind der sogenannte Papsthügel und das Marienfeld von Interesse. Im Jahr 2005 fand auf dem Marienfeld, eine Ackerfläche zwischen Fürstenberggraben, Fürstenbergmaar, Kerpen und Boisdorfer See, die Abschlussmesse des Weltjugendtages statt, zu der sich 1,2 Mio. Gläubige versammelten. Der Papsthügel als zehn Meter hohe Aufschüttung mit Kreuz und Kapelle soll an dieses Ereignis erinnern.

Im Zuge der Rekultivierung entstanden auf dem Gelände der ehemaligen Tagebaue Berrenrath und Frechen insgesamt rund 1200 ha Forst, 1900 ha Landwirtschafts- sowie 30 ha Wasserfläche.

Als Sonderbiotope finden sich hier Gewässer, Feuchtbiotope, Sukzessionsflächen und Wiesen. Die standörtliche Vielfalt bringt einen großen Artenreichtum mit sich. In vergangenen Untersuchungen wurden rund 400 Pflanzen- und 400 Tierarten erfasst.

Eine besondere Bedeutung hat die Rekultivierung Frechen für Libellen. 44 Arten wurden bereits in Frechen erfasst, darunter gefährdete und seltene Arten, wie die Späte Adonislibelle (Ceriagrion tenellum, RL NRW 3), die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus, RL NRW 1) oder die Keilfleck-Mosaikjunger (Aeshna isosceles, RL NRW 1).

Artenvielfalt in Frechen (Fotos: W. Wünsch, R. Axer, N. Wolf).

Der Boisdorfer See gilt als Rastgebiet mit landesweiter Bedeutung und ist somit ein wichtiger Trittstein für Wintergäste und Vögel auf dem Durchzug. Als Brutvögel finden sich u.a. Hauben- und Zwergtaucher. Weitere Hinweise zur Avifauna des Boisdorfer Sees und Fürstenberggraben finden sich im 2017 erschienen Gutachten zur Bedeutung von Gewässern in der Rekultivierung des Rheinischen Braunkohlentagebaus für Vögel und Libellen. In der offenen Feldflur lassen sich u. a. Rebhuhn (RL NRW 2), Wachtel (RL NRW 2) und Feldlerche (RL NRW 3) beobachten. Außerdem kann man Feldhasen, Füchse und Rehe entdecken. Die Gewässer und feuchten Standorte im Raum Frechen bieten darüber hinaus Amphibien wie Kreuzkröte (RL NRW 3) und Springfrosch (RL NRW 3) einen Lebensraum. Reptilien wie die Zauneidechse fühlen sich ebenfalls heimisch.

Auch besondere Pflanzenarten finden in der Rekultivierung Frechen eine neue Heimat. So wurden bisher insgesamt elf verschiedene Orchideenarten entdeckt, darunter das Übersehene Knabenkraut und die seltene Bienen-Ragwurz.

Orchideen in der Rekultivierung (Fotos: AHO, U. Dworschak).