Boisdorfer See

Ostufer des Boisdorfer Sees (Foto: A. Keller).

Der Boisdorfer See ist ein Tagebaurestsee, der bei der Rekultivierung des ehemaligen Tagebaus Frechen angelegt wurde. Er befindet sich zwischen Kerpen im Westen und Frechen im Osten und ist von intensiv genutzten Äckern umgeben. Die Umgebung des Sees dient als Retentionsraum für die Erft. Der Name des ca. 17 ha großen, bis zu 24 m tiefen Gewässers verweist auf den Kerpener Ortsteil Boisdorf, der 1975 dem Tagebau weichen musste. Vor dem Boisdorfer See befinden sich drei durch kurze Gräben miteinander verbundene Vorteiche. Sie sammeln Wasser, das dem Boisdorfer See über den Fürstenberggraben zufließt. Hier können sich Sedimente absetzen und der dichte Pflanzenwuchs entzieht dem Wasser Nährstoffe, bevor es in den großen See gelangt. Die Vorteiche sind von dichtem Schilf umstanden und bieten zahlreichen Wasservögeln gute Lebensbedingungen.

Nutzung

Der See und sein Umfeld wurden zum Zweck der stillen Erholung angelegt. Das Gewässer steht im Biotopverbund mit dem Kerpener Bruch und ist über den Fürstenberggraben mit dem Fürstenbergmaar verbunden. 2011 wurden der Boisdorfer See und der Fürstenberggraben aufgrund ihrer Bedeutung als Trittsteinbiotop und als großes zusammenhängendes, strukturreiches, relativ naturnahes Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Besonderheiten der Fauna


Am Boisdorfer See und den drei Bioteichen wurden eine mäßige Anzahl von gewässertypischen Brutvogelarten (6 ungefährdete Arten, u.a. Blässhuhn, Haubentaucher, Zwergtaucher) und eine sehr hohe Anzahl von Gastvogelarten (24 Arten) festgestellt. Mit insgesamt 30 Arten konnten im Winter 2016/2017 und Frühjahr/Sommer 2017 mehr Vogelarten nachgewiesen werden als an allen anderen betrachteten Gewässern. Besonders bemerkenswerte Durchzügler oder Wintergäste waren die landesweit seltenen Rastvögel Blauflügelente (sehr seltener Ausnahmegast in NRW), Eisente (RL NRW w R), Knäkente (RL NRW w 2), Kolbenente, Schwarzhalstaucher, Spießente (RL NRW w 3) und Zwergsäger. Für die regelmäßig in größerer Anzahl rastenden Arten Reiherente und Schnatterente kommt dem See eine regionale Bedeutung als Rastgewässer zu, für die Tafelente eine landesweite Bedeutung. Die Existenz von Schlafplätzen von Kormoran und Silberreiher unterstreicht die Bedeutung des Gewässerkomplexes für Gastvögel.

Boisdorfer See, Bioteiche und der kurze Abschnitt des Zulaufes oberhalb des 1. Bioteiches bieten weiterhin Lebensräume für eine artenreiche Lebensgemeinschaft von Libellen: Nachgewiesen wurden 31 Arten, dies ist der Höchstwert aller untersuchten Gewässer für diese Artengruppe. Besonderheiten sind die Arten Spitzenfleck (RL NRW 2, bodenständig), Kleine Königslibelle (RL NRW D, bodenständig) und Kleine Zangenlibelle (RL NRW 1, potenziell bodenständig). Weitere gefährdete Arten (Kleine Pechlibelle, Scharlachlibelle, beide RL NRW 3) wurden als Gäste ohne Verdacht auf Reproduktion festgestellt.

Vorgeschlagene Optimierungs- bzw. Erhaltungsmaßnahmen

Der Boisdorfer See ist von dichten Gehölzbeständen umgeben, die die Zugänglichkeit für Libellen einschränken. Zur Verbesserung des Lebensraumverbundes wird daher die Anlage von breiten offenen Schneisen im Umfeld des Sees empfohlen.

Kleine Königslibelle (Anax parthenope) (Foto: H.-W.Wünsch/ H. Gospodinova).