Landwirtschaftlich genutzte Böden

Ziel der Rekultivierung ist es, landwirtschaftliche Standorte herzustellen, die hinsichtlich der Ertragserwartung mit den im Tagebauvorfeld liegenden Parabraunerden vergleichbar sind. Die bei den gewachsenen Standorten über mehrere Jahrtausende laufenden Bodenbildungsprozesse müssen bei der Rekultivierung durch andere Maßnahmen ersetzt werden.

Hochwertige Lössvorkommen als Grundlage

Eine weitere Herausforderung ist die Bereitstellung des Materials zur Bodenrekultivierung. Studien zur Eignung der Abraumsubstrate haben ergeben, dass nur die hochwertigen Lössvorkommen der Region Grundlage für die landwirtschaftliche Rekultivierung sein können. Diese müssen daher beim Abgraben der Kohle sorgsam von den restlichen Abraummaterialien getrennt werden.

In der Regel wird Material, dass auf der einen Seite des Tagebaus gewonnen wird, direkt auf der anderen Seite mit dem Absetzer aufgebracht. Gelegentlich wird der Löss jedoch auch zwischen den Tagebauen transportiert oder für längere Zeit zwischengelagert.

Eine wichtige Rolle für die Funktionalität der Standorte spielt auch die sogenannte Rohkippe. Diese unter dem aufgekippten Löss liegende Schicht muss aus wasserdurchlässigen Kiesen und Sanden bestehen, damit Niederschlagswasser aus dem Lösskörper in die tieferen Bodenschichten gelangen kann. Dies ist für die Wassermengen notwendig, die weder durch Verdunstung, Pflanzenwachstum, oder Speicherung im Lösskörper gebunden werden können.

Über Bandanlagen wird das Substrat für die Bodenherstellung durch den Tagebau transportiert (Foto: RWE).

Besonders kalkreicher Löss wird in den mittleren, westlichen und nördlichen Rekultivierungsgebieten mit mindestens zwei Meter Mächtigkeit und wurde im lössärmeren Altrevier im Südosten mit mindestens einem Meter Mächtigkeit aufgetragen. So wurde es 1961 im sogenannten Lössabkommen vom Wirtschaftsministerium des Landes NRW festgelegt.

Bis in die 1980er Jahre erfolgte der Lössauftrag im schonenden Spülverfahren, das die Ablagerung des Lösses ohne Druckbelastung ermöglicht. Bei diesem Verfahren entmischen sich jedoch die Kornfraktionen und die Auftragsmächtigkeit ist auf einen Meter beschränkt. Zudem müssen die ebenen Flächen zur Erreichung eines Mindestgefälles für die sichere Oberflächenentwässerung nachträglich in großem Maße umplaniert werden. Die aktuellen Richtlinien der zuständigen Bergbehörde lassen daher heutzutage nur noch die Verkippung von trockenem Löss mittels Absetzer zu. Dabei werden humushaltiges Oberbodenmaterial, karbonatfreier Lösslehm und der mehrere Meter mächtige karbonathaltige Löss verschnitten und zum Aufbau des neuen landwirtschaftlich genutzten Bodens verwendet. Um Verdichtungen des Rekultivierungssubstrats zu vermeiden, werden Planierarbeiten nur bei trockener Witterung und mit besonders bodenschonender Technik durchgeführt.

Das bis in die 1980er Jahre durchgeführte Spülverfahren, die Verteilung des Rekultivierungssubrats mit dem Absetzer, der optimale Ausgangszustand für die Planierarbeiten nach der Verkippung und der Einsatz von Planierraupen, die möglichst geringen Druck auf den Boden ausüben (Fotos: RWE).

Luzernebepflanzung

Die entstandenen Neulandflächen werden zunächst mit Luzerne bepflanzt. Die tief wurzelnde mehrjährige Pionierpflanze bevorzugt die umgelagerten Lössstandorte mit dem günstigen pH-Wert von etwa 7,5 und lockert den Boden mit ihren Pfahlwurzeln tiefgründig auf. Die Pflanze wird drei Jahre als Dauerkultur bewirtschaftet. Ihr Aufwuchs wird gehäckselt und verbleibt auf dem Feld, um die Anreicherung von organischer Substanz und damit die Humusbildung zu unterstützen. Daneben sorgt die Luzerne für eine Stabilisierung des Bodengefüges. Als Leguminose sammelt sie durch die Bakterien in ihrem Wurzelraum zudem Luftstickstoff im Boden an – so entstehen ideale Voraussetzungen für die anschließende Einsaat standortgerechter Weizensorten. Zu deren Versorgung werden verschiedene Nährstoffe eingebracht. Nach Winterweizen werden Winterroggen und/oder Wintergerste angebaut.

Pfahlwurzeln der Luzerne und Blick auf eine Luzernebrache (Fotos: RWE).

Zwischenbewirtschaftung

Auf den Anbau von Hackfrüchten, wie Zuckerrüben oder Kartoffeln, wird während der Zwischenbewirtschaftung weitestgehend verzichtet. Sie werden ebenso wie andere Sonderkulturen nur kleinflächig zu Demonstrations- und Forschungszwecken angebaut. Dazu wurden in jüngerer Zeit entsprechend der Forderung nach verstärkter Nutzung von Biomasse als regenerative Energierohstoffe Versuche mit Weichholz-Kurzumtriebsplantagen und verschiedenen Industriepflanzen wie beispielsweise China-Schilf durchgeführt.

Während der gesamten Zwischenbewirtschaftung wird besonders auf bodenschonende Verfahren geachtet, da die Auftragsböden zunächst druckempfindlicher als Altlandflächen sind. Bei allen Maßnahmen kommt es vor allem auf die Einhaltung der optimalen Bearbeitungszeitpunkte an.

Stetige Qualitätskontrolle

Die Rekultivierung ist ein Lernprozess, der permanent durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet wird. Die Rekultivierungsqualität wird durch die landwirtschaftliche Produktion und Luftbildinterpretation überwacht. Die qualitative Bewertung von Neulandflächen ist von herausragender Bedeutung, um einerseits etwaige Rekultivierungsmängel aufspüren zu können, aber auch für die Verhandlungen mit interessierten Landwirten. Nach Abschluss der mindestens siebenjährigen werkseigenen Bewirtschaftung kann das Neuland an umsiedelnde Landwirte übergeben werden, die dazu eine vollständige Dokumentation der bisherigen Nutzung erhalten.

Getreideanbau während der Phase der Zwischenbewirtschaftung (Foto: Klaus Görgen).

Übergabe an die Landwirte

Trotz günstiger Ausgangsbedingungen haben die Landwirte in den ersten Jahren der Bewirtschaftung für einen weiteren Humusaufbau der noch jungen Neulandböden einen höheren Düngeaufwand. Über den Verbleib von Ernteresten, aber auch durch gezielte humusbildende Maßnahmen, stellt sich nach und nach ein gewöhnliches biologisches Gleichgewicht ähnlich wie auf Altland ein. Die Landwirte erhalten für ihre höheren Aufwendungen vorab bei Antritt des Neulandes einen finanziellen Ausgleich, die sogenannte Starthilfe.

Zur langfristigen Absicherung der Bewirtschafter haftet RWE Power nach der Übertragung der rekultivierten Flächen für nachträglich auftauchende Mängel wie Mulden, Vernässungen, Verdichtungen oder Steine zehn Jahre lang. Weitere acht Jahre ist RWE Power für die Beseitigung von später auftretenden Mulden verantwortlich. Rechnet man die siebenjährige Zwischenbewirtschaftung hinzu, gewährleistet das Unternehmen insgesamt 25 Jahre die gute Qualität der Böden.

Die Rekultivierungssubstrate im Rheinischen Revier bilden die Basis für zahlreiche Nutzungen. Neben der klassischen ackerbaulichen Nutzung, sind die neu angelegten Flächen u. a. auch Standort für Obstwiesen oder Weiden – meist in Kombination mit Zielen des Natur- und Kulturlandschaftsschutzes. So konnten in der Rekultivierung zahlreiche alte Obstsorten wieder angepflanzt werden. Darüber hinaus sind versuchsweise Anpflanzungen von Gemüse sowie Heil- und Gewürzpflanzen vorgenommen worden und testweise Weinhänge angelegt worden.

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Vielfalt der landwirtschaftlichen Rekultivierung