Food Strip

Das Projekt „Setup Food Strip“ bringt Vordenker*innen aus der Land- und Ernährungswirtschaft im
Rheinischen Revier zusammen. Mit Ideenreichtum soll auf Umweltherausforderungen,
Flächenkonkurrenzen und neue Märkte reagiert werden. Im Projekt kooperieren die RWTH Aachen,
der Ernährungsrat für Köln und Umgebung und die FH Südwestfalen, gefördert wird es mit
Strukturwandelgeldern des Bundeswirtschaftsministeriums. Beteiligt sind vor allem
Landwirt*innen und Startups. Ein wichtiger Baustein im Projekt ist der gemeinsame Aufbau eines
Innovationsareals auf rekultivierten Ackerflächen des Tagebaus Garzweiler in Kooperation mit der
Rekultivierungsabteilung der RWE Power AG. Hier können neue Produktionskonzepte und
Geschäftsmodelle erprobt und etabliert werden. Ebenfalls vernetzt das Projektteam die Land- und
Ernährungswirtschaft entlang der Bundesstraße 59 zwischen Köln und Mönchengladbach. Im
Oktober können sich Interessierte bei einer Ideenbörse einbringen.

Informationstafel zum Food Strip Projekt. (Foto: Ernährungsrat für Köln und Umgebung)

Dort am Tagebau Garzweiler bei Jüchen, wo bis vor wenigen Jahren noch Braunkohle abgebaut wurde,
fängt es langsam an zu Summen. „Von Mai bis Juni steht die Ackerbohne in voller Blüte und bietet
Bienen, Hummeln und Schmetterlingen reichlich Nahrung,“ sagt Maria Kremer voller Begeisterung.
Familie Kremer hat sich auf den Anbau der alten Kultur der Rheinischen Ackerbohne spezialisiert und
reagiert damit auf die stetig steigende Nachfrage nach gentechnikfreiem pflanzlichem Eiweiß. Durch
eine naturschutzfördernde biologische Vielfalt schafft der Familienbetrieb eine erlebbare Qualität
direkt vor der Haustüre. Als heimischer Ersatz für Soja als Futtermittel oder als eiweißreiche Zugabe
im Brot findet die Ackerbohne zunehmend wieder den Weg auf den Teller. Mit einem Proteingehalt
von 25 - 30 %, wenig Fett und reichlich Ballaststoffen sorgt sie für eine gesunde und ausgewogene
Ernährung. „Der Anbau von Rheinischen Ackerbohnen bringt viele Vorteile mit sich“, erläutert Karl-
Adolf Kremer mit einem Blick über den leuchtend grünen Acker, „dazu gehören eine hohe
Biodiversität, kurze Transportwege, geringe CO2-Ausstöße, eine erlebbare Qualität und hohe
Transparenz.“

Maria und Karl-Adolf Kremer bauen die Rheinische Ackerbohne an. (Foto: Ernährungsrat für Köln und Umgebung)

Anders als bei der Rheinischen Ackerbohne wagt sich Familie Decker mit einer exotischen Pflanze auf
das Neuland. Quinoa wird seit tausenden von Jahren in Südamerika angebaut und gilt in Deutschland
seit einiger Zeit aufgrund seiner hochwertigen Inhaltsstoffe als „Superfood“. Dementsprechend
erfreut es sich zunehmender Beliebtheit und bietet insbesondere Allergiker*innen und
Vegetarier*innen eine gesunde und nährstoffreiche Alternative. Anstatt Quinoa aus Südamerika zu
importieren, experimentieren die Deckers seit 2019 mit dem Anbau der Kulturpflanze aus den Anden
und vermarkten ihr Produkt als Kölsches Quinoa unter dem Namen kinoa. „Die kurzen Transportwege
und der Verzicht von Pflanzenschutzmitteln in der Kultur machen unser kinoa zu einem wertvollen
Lebensmittel mit deutlich besserer CO2-Bilanz“, bestätigt Verena Decker.

Verena und Johannes Decker stehen für Quinoa. (Foto: Ernährungsrat für Köln und Umgebung)

Im nächsten Jahr soll das Areal bei Jüchen weiter ausgedehnt und mit Kulturen von kooperierenden
Landwirt*innen bestellt und so schrittweise zu einer Art „regionalem Schaufenster“ ausgebaut
werden. Vor Ort wird die Umsetzung zusammen mit der RWE Power AG koordiniert. „Wir freuen uns,
durch unsere Unterstützung des Projektes Food Strip zum grünen Strukturwandel im Revier und
darüber hinaus zur Steigerung der Wertschöpfung in der regionalen Landwirtschaft beitragen zu
können“, erläutert Manuel Endenich aus der Abteilung Rekultivierung der RWE Power AG. Entlang der
Anbaustreifen werden Schilder über die verschiedenen Kulturen und die dahinterstehenden
landwirtschaftlichen Betriebe informieren.

Die Teilnehmenden des Projekts (Foto: Ernährungsrat für Köln und Umgebung)

Neben den bereits genannten Kulturen werden unter anderem auch noch verschiedene Kohlgemüse,
Möhren, Kürbisse sowie Getreide und Luzerne angebaut.
Wer sich ebenfalls an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich gerne an das Projektteam wenden.
Als nächster großer Schritt steht die Ideenbörse im Oktober an, die unter dem Motto „vom Acker bis
zum Teller“ neue Wertschöpfungsketten der Land- und Ernährungswirtschaft zwischen
Mönchengladbach und Köln auf den Weg bringt. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen,
Termin und Anmeldemöglichkeiten werden in Kürze auf der Projektwebseite bekanntgegeben.
Das Projekt wird durch das Programm „Unternehmen Revier“ gefördert. Aufrufe verlaufen regelmäßig
und werden in der Region durch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier koordiniert.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.foodstrip.eu