Hautflügler

Die Hautflügler sind mit über 11.000 Arten im Mitteleuropa eine sehr artenreiche Insektenordnung. Sie werden in drei große Gruppen unterteilt. Die Pflanzenwespen (Symphyta) sind in Deutschland mit etwa 700 Arten vertreten (Taeger et al. 1998). Zu ihnen zählen u.a. die Holz- (Xiphydriidae) und Blattwespen (Tenthredinidae). Die zweite Gruppe sind die Schlupf- und Gallwespen (Terebrantes), zu denen u. a. die Familien der Schlupfwespen (Ichneumonidae) und Brackwespen (Braconidae) gehören. Durch ihren Giftstachel sind die Vertreter der dritten Gruppe, die Stechimmen (Aculeata) gekennzeichnet. Sie ist mit über 1.000 Arten in Mitteleuropa sehr umfangreich und von den genannten die am besten erforschte und in freilandökologischen Untersuchungen am stärksten beachtete Gruppe, so auch im Rheinischen Braunkohlerevier. Zu den aculeaten Hymenopteren gehören als bekannteste Gruppen die Wildbienen (einschließlich Hummeln), Wespen und Ameisen, außerdem die parasitisch lebenden Goldwespen (Chrysididae). Letztere sind mit etwa 100 Arten in Deutschland vertreten (Niehuis 1998).

Die Ameisen (Formicidae) werden im Gelände vor allem anhand der flügellosen, bodenbewohnenden und meist zahlreich auftretenden Vertreter und ihren teils auffälligen Nestern erkannt (Bellmann 1995). Da sie oft in hohen Individuendichten auftreten, können sie wichtige bodenbiologische Bedeutung erlangen, so bei der Durchmischung von Bodenmaterial und der Zerkleinerung von Totholz im Zusammenhang mit dem Nestbau. Weiterhin sind sie aufgrund der räuberischen Lebensweise wichtig für die Regulation der Bestände anderer Wirbelloser. Die meisten Arten ernähren sich von pflanzlicher und tierischer Kost. In Mitteleuropa sind etwa 160 Ameisenarten bekannt (Seifert 1996), in Deutschland 111 (Seifert 1998). Insgesamt ist diese Gruppe mittlerweile relativ gut erforscht. Einige Arten werden als Leitformen bestimmter Biotoptypen angesprochen (Veile 1992). In bestimmten Lebensräumen, v.a. solchen mit trockenwarmen Bedingungen, können Ameisen im Rahmen von Freilanduntersuchungen wichtige Erkenntnisse beisteuern.

Wildbienen (Apidae) als weiteres zu den aculeaten Hymenopteren zählendes Taxon können im Gelände u. a. an der starken Behaarung erkannt werden. Zu dieser Gruppe gehören auch die teils staatenbildenden Hummeln. Die meisten Wildbienenarten leben allerdings solitär. Neben geeigneten Nahrungsräumen mit entsprechendem Blütenangebot müssen als Teillebensräume für Bienenarten auch adäquate Nistplätze vorhanden sein. Dafür kommen vegetationslose oder -arme Freiflächen, Steilhänge, Hohlräume und Fugen in Fels, Mauern, Holz usw. in Betracht. Die Wildbienenarten sind in der Mehrzahl wärmeliebend. Hummeln dagegen sind morphologisch und physiologisch gut an kühlere Bedingungen angepasst. Wildbienen sind mit 547 Arten in Deutschland (Westrich & Dathe 1997) vertreten. Aerts (1960) konnte für das Rheinland 341 Arten nachweisen. Die artspezifischen ökologischen Bedürfnisse sowie Verbreitung und Gefährdung sind relativ gut bekannt.

Zu den aculeaten Hymenopteren zählen neben den Wildbienen (Apidae) und Hummeln noch weitere Taxa, unter ihnen die Faltenwespen (Vespidae), die Wegwespen (Pompilidae) und die Grabwespen (Sphecidae). Bundesweit sind die drei beschriebenen Familien mit folgenden Artenzahlen vertreten: Faltenwespen 81 Arten, Wegwespen 95 Arten, Grabwespen 250 Arten (Schmid-Egger et al. 1998). Für NRW wird ein Artenpotential von 207 Weg- und Grabwespen angegeben (Jakubzik 1996).

Insbesondere die aculeaten Hymenopteren werden als Biodeskriptoren im Naturschutz verwendet. Sie eignen sich besonders zur Beschreibung unterschiedlichster Habitatqualitäten, weiterhin zur Analyse räumlich funktionaler Beziehungen zwischen verschiedenen Teillebensräumen oder dem Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Substrate im Zusammenhang mit der nicht selten stark spezialisierten Nistweise (Plachter et al. 2002). Als schwierig erweist sich manchmal die Bestimmung der Arten.

Die folgende Artenliste basiert auf dem Buch „Tiere und Pflanzen in der Rekultivierung - Beobachtungen aus dem Rheinischen Braunkohlenrevier“, das im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Es ist als PDF in der Rubrik Downloads verfügbar. Funde, die in den Artenlisten des Buches aufgeführt werden, sind mit einem Kreuz (x) gekennzeichnet. Funde und Meldungen nach 2005 sind mit der entsprechenden Jahreszahl versehen. Die Quellenangaben sind jeweils unter der Artenliste in einem Quellenverzeichnis aufgeführt.

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Download Liste der Bienen und Wespen [220 KB]