Libellen

Etwa 80 Libellenarten sind in der Bundesrepublik Deutschland bisher nachgewiesen worden (Ott und Piper 1998). Die vergleichsweise gute Überschaubarkeit dieser Gruppe, die Auffälligkeit der einzelnen Arten und die mehr oder weniger starke Bindung an Gewässer haben zu einer sehr genauen Kenntnis zumindest der in Mitteleuropa heimischen Arten beigetragen.

Libellen sind hemimetabole Insekten. Dennoch unterscheidet sich die Lebensweise der Larven grundsätzlich und von der der Imagines. Die Larven leben aquatisch, die Imagines an Land. Sowohl Larven als auch Imagines ernähren sich räuberisch.

Lebensraumansprüche

Entscheidender Faktor für das Vorkommen einer bestimmten Libellenart in einem Habitat ist die Möglichkeit der Eiablage und die Entwicklung der Larven, die z. T. mehrere Jahre dauern kann. Daher werden artspezifisch auch unterschiedliche Gewässer bevorzugt. Eine ganze Reihe von Libellenarten sind typisch für Stillgewässer, andere für Fließgewässer.

Neben der Vegetation im Gewässer selbst sowie am Ufer ist die Bedeutung der Wasserqualität für die Larvalentwicklung vieler Arten zu betonen. Weiterhin werden Libellen als Indikatoren für den Fraßdruck durch Fischbesätze oder die Intensität der Gewässernutzung herangezogen. Zudem spielen Libellen bei der Bewertung der Fließgewässerdynamik und der Strömungsverhältnisse eine Rolle (vgl. Plachter et al. 2002, Schmidt 1989).

Bedeutung für ökologische Untersuchungen in der Rekultivierung

In der Rekultivierung des Rheinischen Braunkohlentagebaus entstehen häufig neue Gewässer. Einige davon werden für den Wassersport oder als Badegewässer genutzt. Viele sind aber auch unter ökologischen Aspekten angelegt worden und stehen zum Teil unter Naturschutz. Auch die Verlegung von Fließgewässern wie der neuen Inde erfolgte im Verlaufe des Braunkohleabbaus. In allen Fällen stellt die Erhebung der Libellenfauna eine zuverlässige Methode dar, den Zustand von Gewässern zu beschreiben und zu bewerten.

Jochen Rodenkirchen und Rolf Axer haben seit Beginn der Rekultivierungsarbeiten Ende der 1990er Jahre im ehemaligen Braunkohletagebau Frechen, dem heutigen Marienfeld, die Libellenfauna stichprobenartig erfasst und die Ergebnisse bis zum Jahr 2008 zusammengetragen. Darüber hinaus konnten im Südrevier der Brühler Seenplatte weitere Spezies dokumentiert werden. In der Folgezeit führten auch H.-Willi Wünsch und Heide Gospodinova weitere umfangreiche Kartierarbeiten durch, um die Biodiversität von Libellen in der Rekultivierung zu erfassen.

46 Libellenarten in der Rekultivierung

Bis heute wurden um die diversen Gewässer auf den renaturierten Flächen der RWE Power AG insgesamt 46 Libellenarten dokumentiert. Diese unterteilen sich in teils hochgradig gefährdete 16 Kleinlibellen- (Zygoptera) und 30 Großlibellenarten (Anisoptera).

Über folgenden Link gelangen Sie zu einer Übersicht der Libellen:

Libellenvielfalt in der Rekultivierung [8.372 KB]

Nachgewiesene Libellen auf rekultivierten Flächen des Rheinischen Braunkohlenreviers:

Download Liste der Libellen [133 KB]

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Zierliche Moosjungfer (Foto: W. Wünsch).

Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca), Späte Adonislibelle (Ceriagrion tenellum), Spitzenfleck (Libellula fulva), Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) (Fotos: Gospodinova/ Wünsch).