Unser Highlight 17

Der Feldhamster ist ein possierliches Tierchen, das in unserer heutigen Kulturlandschaft leider nur noch selten vorkommt, da für ihn geeignete Lebensräume zusehends weniger werden. Der Feldhamster ist vom Aussterben bedroht und daher streng geschützt. In der landwirtschaftlichen Rekultivierung Garzweiler, die mit ihrem Luzerneanbau sowie verschiedenen Getreidesorten und Blühstreifen für viele Tiere eine neue Chance darstellt, könnte sich der Feldhamster bei uns wieder heimisch zu fühlen.

4 Gehege für den Freiland-Versuch wurden in der Nähe der A44n errichtet.
4 Gehege für den Freiland-Versuch wurden in der Nähe der A44n errichtet.
Gehege an der Autobahn A44n
Gehege an der Autobahn A44n
Gehege mit Futterstation und Waage
Gehege mit Futterstation und Waage
Ansiedlung der Feldhamster in den Gehegen
Ansiedlung der Feldhamster in den Gehegen

Daher hatten wir mit Unterstützung der Deutschen Wildtierstiftung und des Umweltministeriums einen Freiland-Versuch im Herbst 2018 gestartet, um zu prüfen, ob rekultivierte Böden für Feldhamster zum Überwintern geeignet sind. In diesem Versuch haben wir vier Gehege von jeweils 170 Quadratmeter Größe auf rekultivierten Flächen an der Autobahn A44n angelegt. In jedem Gehege wurden drei Weibchen und ein Männchen eingesetzt, insgesamt 16 Tiere.

Futterstation mit Waage
Futterstation mit Waage
Beim nächtlichen Futterholen
Beim nächtlichen Futterholen
Was gibt es denn da leckeres?
Was gibt es denn da leckeres?
Wer findet unsere zwei Feldhamster?
Wer findet unsere zwei Feldhamster?
Neue Bauten wurden angelegt.
Neue Bauten wurden angelegt.
An der Futterwaage
An der Futterwaage

Jedes Tier wurde dabei gechipt, so dass wir genau verfolgen konnten, wer wie aktiv im Gehege ist. Auf den als Futterfallen getarnten Waagen werden die Chips ausgewertet und die Feldhamster gewogen, um zu kontrollieren, ob sie zu- oder abnehmen. Auch eine Wildtierkamera fing die Feldhamster bei ihren Aktivitäten im Gehege ein.

Die neuen Böden in der Rekultivierung sind auf jeden Fall grabbar: Schon nach kürzester Zeit hatten die Nager bereits neue Bauten angelegt, die bis zu 1,5 Meter tief reichten und typische Fallröhren zu erkennen waren.

Öffnung eines Hamsterbaus nach dem Freiland-Versuch
Öffnung eines Hamsterbaus nach dem Freiland-Versuch
... und Futtervorrat für den Winter angelegt.
... und Futtervorrat für den Winter angelegt.
Tiefe Gänge wurden gegraben...
Tiefe Gänge wurden gegraben...
Typische Fallröhren, die bei Flucht vor Fressfeinden genutzt werden.
Typische Fallröhren, die bei Flucht vor Fressfeinden genutzt werden.

Die Überwinterung der Feldhamster lief dabei sehr erfolgreich. Wenn man bedenkt, dass durchschnittlich in der Natur 50 bis 70 Prozent aller Feldhamster im Winter sterben, hat unser Freiland-Versuch aus fachlicher Sicht ein großartiges Ergebnis geliefert. Von den insgesamt 16 Tieren sind zwölf wieder aus ihrer Winterruhe erwacht. Auch haben die Feldhamster direkt fleißig geworfen, so dass wir am Ende 28 Tiere in den Gehegen gefunden haben.

Junghamster im Frühjahr
Junghamster im Frühjahr
Althamster nach der Winterruhe
Althamster nach der Winterruhe

Dies hat gezeigt: die neuen Böden in der Rekultivierung sind gut grabbar und bieten gute Bedingungen zur Überwinterung! Bei so einem Erfolg war eigentlich eine Auswilderung geplant. Vorgesehen waren schon Versuchsflächen à la „Hamster Deluxe“ mit vielfältigem Nahrungs- und Deckungsangebot in der Rekultivierung Garzweiler.

Doch trotz des gelungenen Versuchs wurden die Feldhamster nicht ausgewildert, da die Rahmenbedingungen in der Region nicht gegeben waren. Hintergrund sind Bedenken der Anrainer-Kommunen, die im Zuge des Strukturwandels noch nicht absehen können, wie die Hamsterflächen in Zukunft genutzt werden sollen. Hierbei wird der Feldhamster oft als potentielle Gefahr für geplante Industrie- und Gewerbegebiete angesehen, derer man vorbeugen möchte. Die Tiere wurden daher nach Pulheim und Aachen transportiert und dort in anderen Projekten ausgewildert.

Berichtet über den Freiland-Versuch wurden in der NGZ, NGZ und der Westdeutschen Zeitung.