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Die Toolbox der Rekultivierung:
Entstehung vielfältiger Landschaften für Mensch und Natur

Ausgangslage für die Rekultivierung sind die Flächen der offenen Tagebaue, aus denen die Braunkohle in einer Tiefe von bis zu 450 m gewonnen wird. Die Gestaltung der neuen Landschaft beginnt bei der Verkippungsplanung im Tagebau. Hier wird die Grundlage für eine gute und artenreiche Rekultivierung geschaffen. Hierfür werden zunächst die über der Kohle liegenden Lockersedimente (Löss, Sand, Ton etc.) auf der Gewinnungsseite abgetragen und anschließend sofort wieder auf der Rekultivierungsseite eingebaut. Dadurch entstehen parallel zur Kohlegewinnung immer wieder neue Rekultivierungslandschaften. Durch den gezielten Einbau der verschiedenen Sedimente kann dadurch eine vielfältige Landschaft geschaffen werden.

Standortvielfalt schafft Artenvielfalt!

Die Rekultivierung der Tagebaue kann ein Refugium für viele seltene Tier- und Pflanzenarten darstellen. Hierfür müssen bei der Neugestaltung der neuen Landschaft möglichst viele unterschiedliche Lebensräume geschaffen werden. Unterschiedlichste Materialien im Tagebau können die Grundlage für Standortvielfalt bilden und somit auch der Schlüssel zur Artenvielfalt sein. Die "Toolbox" des Rekultivierers.

Löss
Löss
Forstkies
Forstkies
Sande
Sande
Ton
Ton

Ausgangsmaterialien

Löss:
Löss ist ein überwiegend schluffiges Material und wurde während der letzten Eiszeit aus den Rheinauen hier in der Region angeweht. Das Material zeichnet sich durch seine hohe Wasser- und Nährstoffhaltekapazität aus. Grundlage für die Rekultivierung von Ackerflächen ist der gezielte Abtrag und Einbau des oberflächennah anstehenden Löss.

Forstkies:
Für die Rekultivierung von Wald wird ein Substrat verwendet, welches zu rund 25 % aus Löss und zu 75 % aus Sand/Kies besteht . Dieses als Forstkies bezeichnete Material bildet eine hervorragende Grundlage zum Wachstum der hier heimischen Baumarten.

Sande:
Als Sonderflächen bezeichnet man Lebensräume, die aufgrund ihrer Anlage mit besonderen Substraten extreme Standorteigenschaften aufweisen und somit besonders trocken, nass, nährstoffarm oder steil sind. Diese Lebensräume werden in der Rekultivierung gezielt hergestellt und bieten extrem seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Ton:
Zur Abdichtung von kleinen Gewässern werden bindige Materialien verwendet. Insbesondere die Abdichtung von Landschaftsseen mit Ton aus den Tagebauen hat sich bewährt.

Acker
Acker
Wald
Wald
Dünen und Magerrasen
Dünen und Magerrasen
Landschaftsseen
Landschaftsseen

Lebensräume

Acker:
Neben der Herstellung landwirtschaftlicher Nutzflächen werden auch ökologische Vorrangflächen wie temporäre Blühstreifen angelegt. Zusätzlich werden im Bereich der landwirtschaftlichen Rekultivierung dauerhafte
Grünzüge gestaltet, in denen z. B. Stein-schüttungen und Totholz-haufen die Artenvielfalt in der Landwirtschaft erhöhen.

Wald:
Im Zuge der rund 100-jährigen Rekultivierungsgeschichte im Rheinischen Braunkohlenrevier entsteht mehr Wald als ursprünglich in der Region vorhanden war. Hierbei werden fast ausschließlich Baumarten angepflanzt, die der heimischen Flora entsprechen.

Dünen und Magerrasen:
Substrate, die aufgrund ihrer Entstehung und ihres Alters besonders nährstoffarm sind, findet man zum Beispiel am Höller Horn auf der Sophienhöhe. Hier kann man an sonnigen Tagen tausende von Wildbienen sowie den außerhalb der Rekultivierung ansonsten ausgestorbenen Steinschmätzer beobachten.

Landschaftsseen:
Der Inselsee wurde als Landschaftssee auf der Sophienhöhe angelegt und hat eine hohe ökologische Bedeutung. Neben verschiedenen Amphibien ist dort auch eine große Graureiherkolonie beheimatet.

Grauammer (Foto: N. Wolf)
Grauammer (Foto: N. Wolf)
Buntspecht (Foto: N. Wolf)
Buntspecht (Foto: N. Wolf)
Bienenfresser (Foto: P. Stollwerk)
Bienenfresser (Foto: P. Stollwerk)
Sturmmöwen (Foto: D.A. Gray)
Sturmmöwen (Foto: D.A. Gray)

Tiere

Grauammer:
Viele vom Aussterben bedrohte Tierarten der offenen Feldflur finden in den landwirschaftlichen Rekultivierungsbereichen eines ihrer letzten Refugien. Beispielsweise hat die in NRW nahezu ausgestorbene Grauammer in der Rekultivierung Garzweiler ihr letztes bedeutendes Vorkommen.

Spechte:
Untersuchungen der Forschungsstelle Rekultivierung zeigen, dass alle im Naturraum denkbar vorkommenden Spechtarten in den Altwald-bereichen der Rekultivier-ung bereits nach 70 bis 80 Jahren wieder vorkommen. Das Vorkommen dieser Altwaldspezialisten weißt darauf hin, dass die Rekultivierung sämtliche Funktionen des Waldes wieder herstellen kann.

Bienenfresser:
Bienenfresser bevorzugen offene und karge Landschaften mit steilen Böschungskanten. Solche Strukturen finden Sie in unserer Region ausschließlich in den Sonderflächen der Rekultivierung der Tagebaue.

Sturmmöwen:
Durch die gezielte Anlage einer Insel im Franziskussee im Südrevier bei Brühl wurde eine besondere Lebensraumstruktur geschaffen, die heute der größten Kolonie an Sturmmöwen in NRW einen Lebensraum bietet.

Landwirtschaft
Landwirtschaft
Naherholung
Naherholung
Naturschutz
Naturschutz
Freizeit
Freizeit

Menschen

Landwirtschaft:
Die Wiederherstellung von Hochertragsböden für die Landwirtschaft ist eines der vorrangigen Ziele in der Rekultivierung. Hierfür werden im Rahmen einer 7-jährigen Zwischenbewirtschaftung durch einen RWE eigenen landwirtschaftlichen Betrieb die rekultivierten Böden wieder so reaktiviert, dass sie mindestens die gleiche Ertragsfähigkeit aufweisen wie im Tagebauvorfeld.

Naherholung:
Die rekultivierten Wälder im Rheinischen Braunkohlenrevier bieten sowohl wertvollen Lebensraum für die Natur als auch für den Menschen. Allein auf der Sophienhöhe sind in den letzten Jahren rund 120 km Wanderwege entstanden.

Naturschutz:
Insbesondere das Vorkommen von Rohböden sowie der Blütenreichtum von Magerrasenwiesen sind für viele Tierartengruppen, insbesondere für Insekten, essentiell von Bedeutung. Auch für den Menschen sind die Flächen aufgrund ihrer ästhetischen Landschaftsbilder hoch attraktiv.

Freizeit:
In der rund 100-jährigen Rekultivierungsgeschichte im Rheinischen Braunkohlenrevier sind mehr als 50 Landschaftsseen entstanden, die heute eine besondere Bedeutung für den Naturschutz und für die Naherholung des Menschen haben. Auf diese Weise stellt die Rekultivierung auch eine „Chance“ zur Aufwertung einer Landschaft dar.

Foto: K. Görgen

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