Wildkatze

Nachweis 2017

Das Tier des Jahres 2018 ist eine äußerst scheue Waldbewohnerin, die man nicht nur aufgrund dieser Eigenschaft selten zu Gesicht bekommt, sondern auch, weil die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) zu den gefährdeten Tieren auf der Roten Liste zählt. Mit ihrer gelblich-grauen Unterwolle, dem verwaschenen Tigermuster und dem stumpf endenden Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen ist die Einzelgängerin gut getarnt und schleicht des Nachts durch die Wälder auf der Jagd nach Mäusen, die sie vor allem auf Waldlichtungen findet. Tagsüber versteckt sie sich zum Schlafen im Dickicht zwischen Totholz, in Baumhöhlen oder in trockenen Felsnischen. In großen, unzerschnittenen, naturnahen Waldgebieten mit Waldrändern, Wasserstellen und dichtem Unterholz war die Wildkatze früher weit verbreitet, jedoch wurde sie durch Bejagung und den Rückgang ihres Lebensraums immer weiter zurückgedrängt. Erst seit ein paar Jahren steigt die Anzahl der Wildkatzen in Deutschland wieder an und ehemalige Lebensräume werden wiederbesiedelt. Sie gilt jedoch weiterhin als „gefährdet“ und muss durch Artenschutzmaßnahmen entsprechend unterstützt werden.

11 Individuen in den alten Villewälern und im Kottenforst

Auch nach Nordrhein-Westfalen kehrt die Wildkatze zurück und breitet sich immer weiter aus. Schon 2012 konnte in den alten Villewäldern (Rhein-Erft-Kreis) sowie im Kottenforst bei Bonn eine kleine Population von 11 Individuen nachgewiesen werden. Es war damals bereits sehr wahrscheinlich, dass diese Wildkatzenpopulation sich vermehren und einzelne Tiere weiter nach Norden wandern könnten, da Unterführungen unter der Autobahn 553 im Wald eine solche Wanderung zulassen.

Kölner Stadtanzeiger 14.04.2013

Nachweise ab 2017 auch auf rekultivierten Flächen

Nördlich der Autobahn 553 erstreckt sich das rekultivierte Südrevier zwischen Brühl und Erftstadt-Liblar. Hier hat sich nach Ende des Braunkohlenabbaus ein großes, zusammenhängendes und abwechslungsreiches Waldgebiet entwickelt, in dem sich zahlreiche Teiche, Seen und Gräben befinden - viele davon stehen unter Naturschutz. Es handelt sich um die ältesten großflächig rekultivierten Wälder des Rheinischen Braunkohlenreviers mit großen Buchen und Eichen und einer vielfältig differenzierten Krautschicht, die auch für die Wildkatzen einen geeigneten Lebensraum darstellen.

So ist es nicht verwunderlich, dass im Jahr 2017 laut Dr. Christine Thiel-Bender, die in der Region ein Projekt zur Wildkatze leitet, eine weibliche Wildkatze und drei Männchen im Gebiet zwischen der Autobahn 553 und dem nördlich gelegenen Industriegebiet Knapsack bei Hürth nachgewiesen wurden. Mit einer Baldrianlösung besprühte Holzpflöcke dienten dabei als Lockmittel, an denen sich die Wildkatzen rieben. Die am Lockstock haftenbleibenden Haare wurden anschließend untersucht. Auch bestätigt ein neuerlicher Totfund auf der Landstraße 265 die Ausbreitung der Wildkatze im rekultivierten Südrevier. Dieser Fund macht zudem darauf aufmerksam, dass der Straßenverkehr die größte Gefahr für die Wildkatzen darstellt.

Kölner Stadtanzeiger 04.12.2017

Wildkatze (Foto: Christine Thiel-Bender).