Botanische Arbeitsgemeinschaft Niederrhein 2018

Beeindruckt von der Artenvielfalt: Die Botanische Arbeitsgemeinschaft Niederrhein kam, sah und zählte – 128 Arten seltener Gefäßpflanzen auf der Sophienhöhe.

Die Sophienhöhe entwickelt sich zu einer Goldgrube für Botaniker. So haben neun Vertreter der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Niederrhein im Juni bei Exkursionen auf drei ausgewählten Rekultivierungsflächen der Sophienhöhe eine ungewöhnliche Artenvielfalt vorgefunden. Die Vegetationskundler dokumentierten 128 Arten seltener Gefäßpflanzen, von denen 22 auf der Roten Liste des Landes Nordrhein-Westfalen stehen. Eine botanische Sensation stellt nach Expertenmeinung der Fund des „Sprossenden Bärlapps“ dar. Das in Deutschland extrem seltene Laubmoos hat am Höller Horn eine neue Heimat gefunden.

Botanische Sensation: Im schattigen Rand der Sandfläche „Höller Horn“ auf der Sophienhöhe ist der Sprossende Bärlapp (Lycopodium annotinum) heimisch geworden. Die immergrüne Gefäßsporenpflanze galt früher als Hexenpflanze und wurde als Aphrodisiakum eingesetzt. Die Rote Liste NRW weist sie als stark gefährdet aus.

Gregor Eßer erklärt das Erfolgsrezept der Sophienhöhe: „Die Artenvielfalt ist das Ergebnis präziser Planung und modernen Vegetationsmanagements. Auf den untersuchten Flächen haben wir gezielt abgemähte Wiesen von artenreichen Flächen aus dem Uedesheimer Rheinbogen ausgebracht. So verbreiten wir selten gewordene heimische Pflanzen in der Region.“ Die mit dem Mahdgut aufgebrachten Samen und Sporen funktionieren wie eine Breitband-Starthilfe für hunderte Gräser, Moose, Kräuter und andere Gefäßpflanzen. Abhängig von der Qualität und Feuchte des Bodens sowie vom jeweiligen Lichteinfall entwickeln sich daraus stabile Biotope. Diese wiederum bieten wertvollen Lebensraum für verschiedenste Lebewesen. Während des Vegetationszyklus greifen die 30 Mitarbeiter der Rekultivierungsabteilung von RWE Power immer wieder aktiv ein. So legen sie etwa Auen und Blühstreifen an, schneiden Bäume und Sträucher zurück. Dazu Gregor Eßer: „Sobald ein neuer Lebensraum geschaffen ist, stellt sich Artenvielfalt von ganz alleine ein. Wir sorgen dann durch gezielte Pflege-Eingriffe dafür, dass die Flächen ihre besondere Charakteristik erhalten.“

Auf Sand- und Schotterflächen der Sophienhöhe fanden die Botaniker vom Niederrhein diese Kleine Sommerwurz (Orobanche minor). Da sie kein Chlorophyll besitzt, sind ihre Blüten gelblich weiß gefärbt. Der auch als „Kleewürger“ bekannte Parasit ist in Deutschland bestandgefährdet und steht in NRW auf der Roten Liste.